Steckenborn: Steckenborner Rentnerpaar protestiert gegen neues Mehrfamilienhaus

Steckenborn : Steckenborner Rentnerpaar protestiert gegen neues Mehrfamilienhaus

Seit sie erfahren haben, dass neben ihrem Haus in Steckenborn ein Mehrfamilienhaus mit sieben Wohneinheiten entstehen soll, können Ulrich und Renate Claßen nicht mehr ruhig schlafen. Die beiden Senioren sind so verzweifelt, dass sie jetzt auch ein von der Straße aus gut lesbares und großes Plakat aufgehängt haben.

„Hier entsteht eine Bausünde“, ist dort zu lesen. Solche öffentlichen Aktionen sind sonst überhaupt nicht ihre Art. „Wir wussten, dass hier irgendwann mal ein Haus gebaut wird. Das wäre ja auch in Ordnung, dabei haben wir aber nicht an ein Mietshaus für sieben Parteien gedacht. Als wir den Bauplan gesehen haben, hat mich fast der Schlag getroffen“, sagt Renate Claßen. Aus Sicht der 79-Jährigen und ihres 80-jährigen Ehemanns steht das geplante Gebäude nicht in Relation zur Größe des Grundstücks. Es weiche von der Norm ab und passe sich nicht in die Umgebung ein, sagen sie.

Da das neue Gebäude ihr Haus laut Plan deutlich überragen würde, gehen die Eheleute davon aus, dass in Zukunft kein Sonnenlicht mehr in ihr Wohn- und ihr Schlafzimmer fallen wird. Sie fürchten eine deutlich erhöhte Lärmbelästigung und eine Wertminderung ihrer Immobilie. Deshalb haben sie bereits mit verschiedenen Stellen Kontakt aufgenommen und überlegen auch, rechtliche Schritte einzuleiten. „Das ist doch unmenschlich, nach 60 Jahren einen solchen Klotz vorgesetzt zu bekommen“, sagt Ulrich Claßen.

Steckenborns Ortsvorsteher, Ralph Löhr, Simmeraths Bürgermeister, Karl-Heinz Hermanns, und der Leiter des Amtes für Bauaufsicht und Wohnraumförderung der Städteregion Aachen, Norbert Langohr, haben das Ehepaar bereits besucht, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen.

„Wir halten das Vorhaben für zulässig und vertretbar, da es sich nach den Kriterien des Baugesetzbuches in die nähere Umgebung einfügt“, erklärt ein Sprecher der Städteregion auf Anfrage. Außerdem habe die Gemeinde ihr Einvernehmen erteilt. Man sehe auch das Gebot der Rücksichtnahme beachtet, weil zwischen den Häusern rund 15 Meter Abstand bleiben würden, erklärt der Sprecher.

Die Städteregion habe die Baugenehmigung erteilt und er gehe davon aus, „dass diese nach Recht und Gesetz erteilt worden ist“, erklärt Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns. „Das Ehepaar hat sich an mich als ihren Bürgermeister gewendet und gebeten, mir die Situation vor Ort anzusehen“, sagt er. Dieser Bitte sei er einen Tag später nachgekommen und habe den Leiter des Bauamtes der Städteregion gebeten, ihn zu begleiten.

Er habe sich die Situation angesehen und sich intensiv mit den Eheleuten ausgetauscht. Dabei habe er auch gesagt, dass dieses Bauvorhaben — wie vielfach bei einem neuen Bauwerk in der Nachbarschaft — eine gewisse Beeinträchtigung für das Ehepaar Claßen bedeute, weil sie nicht mehr die freie Sicht wie bisher haben würden. Diese Beeinträchtigung sei aber hinnehmbar. „So sehr ich auch Verständnis habe, ist es mir aber auch wichtig zu sagen, dass ich froh bin, dass ein junger Bauherr in Steckenborn investiert und weiteren Wohnraum schafft“, sagt Hermanns.

Bauherr will gute Nachbarschaft

„Wir haben von Anfang an Wert auf eine gute Nachbarschaft gelegt und wollten nie, dass es soweit kommt, wie es jetzt geschehen ist“, sagt Bauherr Martin Stollenwerk aus Steckenborn. Aus diesem Grund habe er den künftigen Nachbarn im Vorfeld auch die genehmigten Baupläne vorgestellt. Das Ehepaar Claßen habe er dann nochmals besucht, um zusätzliche Erklärungen zu geben. „Wir haben uns auch dazu verpflichtet, den Eheleuten weiter entgegenzukommen, in Form einer optischen Gestaltung der Giebelwand an der Straßenseite. Außerdem wollen wir versuchen, den Abstand zum Haus der Claßens weiter zu vergrößern“, sagt der Bauherr.

(ag)
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