Monschau: Stadtplaner: „Monschau braucht nicht noch eine Baufibel”

Monschau: Stadtplaner: „Monschau braucht nicht noch eine Baufibel”

Wenn man den Architekten und Städteplaner Walter Maassen aus der Reserve locken möchte, dann braucht man ihn nur mit Begriffen wie Gestaltungssatzung, Bebauungsplan oder Baufibel zu konfrontierten.

Der 51-Jährige, der in Mützenich geboren wurde und selbst viele Jahre in der Altstadt Monschau lebte, reagiert leicht allergisch auf immer neue Konzepte und Dorfentwicklungspläne zur Erhaltung der Eifeler Baukultur, die seiner Meinung viel Aufwand kosten, aber wenig praktischen Nutzen bringen.

Das jüngste Beispiel in dieser Richtung ist für Walter Maassen das im Rahmen des EU-Leader-Programms geförderte Projekt „Bauen und Gestalten.” Die federführende RWTH Aachen nimmt dabei Eifeldörfer unter die Lupe mit dem Ziel, die dorftypischen Strukturen zu erhalten.

Allein schon die Tatsache, dass die Dörfer dabei aus der Luft betrachtet werden, ist für Walter Maassen („von oben herab”) ziemlich praxisfremd. Es gebe auch in der Eifel ausreichend Architekten, die sich mit dem Thema befasst und unter Beweis gestellt hätten, wie man den Kontrast moderner Bauformen mit traditionellem Ursprung harmonisch in Verbindung setze.

„Was wir zur Rettung der Eifeler Baukultur bestimmt nicht brauchen, ist noch eine neue Baufibel oder noch ein neues Konzept”, ärgert sich der Architekt darüber, dass öffentliche Gelder nicht „an der Basis eingesetzt” werden, nämlich dort, „wo die Probleme jeder sehen kann.” Und schon ist er bei der Altstadt Monschau, die dringend eines Denkmalentwicklungsplans bedürfe, der an einem runden Tisch mit den Betroffenen vor Ort konkretisiert werden sollte. Schon jetzt sei genau abzusehen, welche Bausubstanz in den nächsten Jahren dem Verfall geweiht sei.

In diesem Zusammenhang zieht Walter Maassen ein Thesenpapier aus Schublade, dass er im Jahr 1995 für die Arbeitsgemeinschaft Monschauer Unternehmer (AMU) aufgestellt hat. Hier ist unter anderem nachzulesen, „dass bald immer mehr Häuser in der Altstadt leerstehen werden, bestenfalls werden die Erdgeschossbereiche der Gebäude durch tagestouristisch ausgerichtetes Gewerbe genutzt werden.”

„De facto” sei momentan nur noch ein Drittel des Altstadt-Kernbereiches bewohnt. Die „Marke Monschau” als aktuelles Programm bezeichnet Maassen als „guten Ansatz”, aber nicht geeignet zur Wiederbelebung der Altstadt, da nur Einzelmaßnahmen gefördert würden.

Würden sich in Monschau wieder mehr Geschäfte „mit Niveau” ansiedeln, dann wäre die Altstadt auch wieder eine interessante Adresse zum Shoppen. Als positives Beispiel nennt der Architekt das Konzept der Senfmühle. Das absolute Negativbeispiel liegt für ihn an anderen Ende der Stadt: das Handwerkerdorf.

Hier erkenne man auf einen Blick, „was alles in Monschau nicht funktioniert.” Leider sei vor vielen Jahren die Chance nicht genutzt worden, hier einen Großmarkt anzusiedeln. Statt „noch eines Museums” wäre der Altstadt mehr geholfen, wenn sich wieder einmal ein Handwerksbetrieb hier ansiedeln würde. Das sei effektiver als „verlogene Heimattümelei”. So sind für Maassen auch die Gewerbegebiete „die ehrlichsten Neubaugebiete” in der Eifel, weil hier weitgehend Gestaltungsfreiheit möglich gewesen sei.

Die Altstadt sei ein wunderbarer Ort zum Wohnen, wenn die Vorgaben des Denkmalschutzes endlich gelockert und an „zeitgemäße Wohnbedürfnisse” angepasst würden. Dazu gehörten auch Stellplätze für Fahrzeuge und Grünflächen: „Es stellt sich die Frage, ob wirklich jeder Schuppen und jede Garage unter Schutz gestellt werden muss?” Eine gewachsene Baukultur in der Eifel kann Walter Maassen in den Eifeldörfern ohnehin nicht erkennen.

Die Dorfstrukturen seien höchst unterschiedlich, was allein darin begründet sei, dass früher mit beschränkten technischen Mitteln gebaut worden sei. Der Erhalt solcher Strukturen gelinge weder mit Bebauungsplänen noch mit Baufibeln. Die meisten Neubaugebiete wirken auf den Architekten „gruselig”, weil „möglichst kleine Parzellen für möglichst viel Geld verkauft werden müssen.”

Die Nachfrage nach neuen Baugrundstücken sei erschöpft, und Monschau sei mit dem Neubaugebiet Haag „zu spät” auf dem Markt gewesen. In den Orten gibt es derzeit „mehr als genug” Immobilien-Leerstand.

Nicht an der Praxis orientiert sieht Walter Maassen die derzeit geltenden Bebauungspläne, was auch die Vielzahl der Änderungsanträge von Bauherrn unterstreiche. Die Pläne aus den 1960-er Jahren haben seiner Meinung mehr Qualität, weil sie „viel Gestaltungsspielraum” bieten würden, statt die Vereinheitlichung der Dörfer zu fördern.

Mehr von Aachener Nachrichten