Schmidt: „St. Mokka”: Von der Schmuggelkirche zum Energiesparmodell

Schmidt: „St. Mokka”: Von der Schmuggelkirche zum Energiesparmodell

„Der Andrang war nicht riesengroß, aber dafür um so intensiver.” Konrad Schöller, Rendant und Initiator in Sachen Erneuerbare Energie der katholischen Kirchengemeinde St. Hubertus in Schmidt, ist zufrieden mit den vielen Begegnungen des Eifel-Energie-Tages.

Insgesamt mehr als 40 beispielhafte Anlagen in der Eifel öffneten an diesem Tag ihre Pforten und konnten besichtigt werden. Lediglich zwei Projekte aus dem Kreis Düren waren bei der groß angelegten Veranstaltung der Zukunftsinitiative Eifel am Start.

„Wir wollen von den Erfahrungen profitieren und überprüfen, ob die Ausbeute bei einer Photovoltaikanlage wirklich so erfreulich ist, wie es unsere privaten Anbieter in Aussicht stellen. Da vertraue ich lieber den Ausführungen und Erfahrungen einer Kirchengemeinde”, beschrieb Werner Pawlak aus Jülich, stellvertretend für die anderen Gäste seine Beweggründe, extra nach Schmidt angereist zu sein.

Nicht nur berufliches Interesse bekundeten hingegen Ruth Schmitz und Cynthia Wester vom Kreis Düren, die den Eifel Energie-Tag nutzten, um sich gleich von mehreren Projekten ein Bild vor Ort zu machen. Insgesamt drei Führungen veranstaltete Konrad Schöller an diesem Tag.

Neben der rührigen Pfarrgemeinde „St. Mokka” informierte für den Kreis Düren der Energiepark Schäfer aus Heimbach-Vlatten über seine Photovoltaikanlage und Rapsölherstellung. Im Monschauer Land, beteiligte sich das Himo Innovationszentrum. Unter dem Motto „Energie tanken und sparen” hatten rund 40 Aussteller im B-Trakt in Imgenbroich ihre Stände aufgebaut, um dem interessierten Besucher energiesparende Techniken vorzustellen.

Schöpfung bewahren

Energiesparen und ein verträglicher, schonender Umgang mit der Umwelt gehören in Schmidt bereits seit rund zehn Jahren zum Alltag. St. Hubertus und das Eifeldorf Schmidt sind seither unermüdliche Öko-Vorreiter. 2005 wurde in dem knapp 3000 Einwohner zählenden Ort am Rursee die erste Biomasseheizung in einem nordrhein-westfälischen katholischen Gotteshaus in Betrieb genommen. Drei Jahre vorher löste bereits eine Holzpelletheizung in Begegnungsstätte und Jugendcaf eine in die Jahre gekommene Ölanlage ab.

„Nach den positiven Erfahrungen mit der 25-kw-Heizung waren die Gremien auch davon überzeugt, dass das auch in der Kirche klappt”, sagt Konrad Schöller, der auch im pfarrlichen Sachausschuss „Schöpfung und Umwelt” tätig ist. „Für uns ist die Auseinandersetzung mit Umwelt und Energie eine Frage des Lebensstils”, erklärt er, „die Schöpfung zu bewahren und globale Verantwortung zu übernehmen. Unser Vorbild ist dabei Franz von Assisi”.

Darüber hinaus wollte die Pfarre den Sparzwängen nach Kürzung von Kirchensteuermitteln anders begegnen als mit Entlassungen von Kirchenangestellten. „Nicht Menschen, sondern Kilowattstunden müssen arbeitslos werden”, lautet deshalb seit Jahren der Slogan in Nideggen-Schmidt. Im Juli 2005 startete die große Photovoltaikanlage auf dem Kirchendach, im Herbst folgte die Pelletsheizung für das Gotteshaus.

Pionierarbeit

Allen anfänglichen Unkenrufen zum Trotz versieht die neue Anlage ihre Aufgabe zu aller Zufriedenheit. Die Schmidter fühlen sich nicht nur durch die enormen Einsparungen belohnt. 2003 und 2008 waren die Pioniere aus Schmidt Preisträger beim Umweltpreis des Diözesanrates der Katholiken und der regionalen Katholikenräte im Bistum Aachen. Bestärkt von den schönen Erfolgen ihrer Pionierarbeit, setzen sich Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat weiterhin für den Erhalt der Schöpfung ein und leistet echte Bewusstseinsarbeit.

Einen weiteren Mosaikstein ihres Anliegens realisierten sie mit der Errichtung eines Infopunktes des Nationalparks Eifel in der alten Taufkapelle der Pfarrkirche. Als nächstes ist an der Kirche ein „Pfad der Elemente” geplant - frei nach dem Sonnengesang ihres Vorbildes Franz von Assisi.

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