Lammersdorf: Spirituelles Drama bewegt die Herzen

Lammersdorf : Spirituelles Drama bewegt die Herzen

Der Kirchenchor St. Johannes der Täufer Lammersdorf gestaltete am Karfreitag eine sehr zu Herzen gehende geistliche Stunde, in der auf ausschließlich musikalische Weise das Geschehen um den Tod Jesu vergegenwärtigt wurde.

Dass dies auf eine solch gelungen Art möglich ist und — wie am Freitag geschehen — auch große Resonanz findet, lässt weitergehende Fragen zu, ob nicht tatsächlich die Inhalte der christlichen Überlieferung auf anderen Wegen als über Lehrsätze oder fest gefügte Liturgie den Menschen nahezubringen ist, — ja erst so die Herzen neu bewegen kann.

Dabei hat der Lammersdorfer Kirchenchor unter seiner bewährten Leiterin Gabriele Scheidweiler-Pleines wohl schon selber eine Form gefunden, mit den geistlichen Inhalten umzugehen. Denn die Programmfolge des Nachmittag war in weiten Teilen die gleiche wie im Vorjahr. Hinzu kamen noch eine kleine Solo-Kantate von Georg Philipp Telemann sowie zwei Arien aus der Markuspassion von Reinhard Keiser, die von dem Chor bereits vor einigen Jahren komplett aufgeführt worden war. All diese Stücke wurden von der Sopranistin Núria Vinyals sehr bewegend und souverän vorgetragen, wobei auch der Solopart von Ingo Pleines an der Flöte, sowie die Begleitung von Gabriele Scheidweiler-Pleines am Cembalo hervorzuheben ist.

Die Kantate von Telemann wies dabei noch auf den Palmsonntag zurück. Mit dem Chorsatz „Ubi caritas et amor“ von Maurice Duruflé — schon im Vorjahr ein innerer Höhepunkt des Programm — begann dann das spirituelle Drama der Passion Jesu, dem die zahlreichen Zuhörer mit spürbarer Anteilnahme folgten. Überzeugend zusammengestellte Chorsätze von der Renaissance bis zur Gegenwart, von Palestrina bis Bob Chilcott ließen mehr die innere Dramatik des Heils als einfach nur das äußere Geschehen des Karfreitags erlebbar werden.

Besonders ragte wiederum das Chorstück des ungarischen Komponisten G. Bárdos heraus, der den Todesschrei Jesu „Eli, eli“ auf eine sehr nahegehende Weise vergegenwärtigt. Das allgemein bekannteste Werk des Programms war zweifellos Mozarts Motette „Ave verum corpus“, die durch die Interpretation des Lammersdorfer Chores von aller Verkitschung befreit wurde, die leider sonst gerade bei diesem Stück allzu oft zu bemerken ist.

Aus dem Johannesevangelium

Bob Chilcotts Motette „God so loved the world“ fasste zum Schluss das Heilsdrama noch einmal zusammen, wenn er im Zitat aus dem Johannesevangelium musikalisch deutlich macht, dass es in der Hingabe des Sohnes für die Welt um das ewige Leben für jeden geht. Hier prägte vor allem auch ein kurzes Solo von Gaby Roßkamp die Intensität der Darbietung.

Mit einem der bekanntesten irischen Segenslieder klang schließlich die musikalische Andacht aus, die die bewegten Zuhörer in die Ostertage entließ.