Evangelische Kirche Roetgen: Spirituelle Malerei von Harpreet Sodhi

Evangelische Kirche Roetgen : Spirituelle Malerei von Harpreet Sodhi

Spiritualität ist heutzutage ein Modewort. Aber in dieser Mode zeigt sich sicherlich ein tieferes Bedürfnis an. Was es damit näher auf sich hat, lässt sich derzeit in der evangelischen Kirche in Roetgen überprüfen. Die aus Indien stammende und in Imgenbroich wohnende Ärztin und Malerin Harpreet Sodhi stellt dort eine Auswahl ihrer bildnerischen Werke aus, die sich ausdrücklich „spirituell“ nennen.

In seiner Begrüßungsansprache führte Pfarrer Wolfgang Köhne in eindrucksvoller Weise in den Sinn dieser Art Spiritualität ein. Es ist die Tiefe und der Hintergrund der eigenen Seele sowie der Individualität des einzelnen Menschen, die gemeint ist. Und es sind die symbolischen Urformen, die in diesen Tiefen schlummern. Um eben diese Urformen und deren Verwandlungen kreisen die Bilder von Harpreet Sodhi in immer neuen Anläufen.

Da wäre der Kreis und die Spirale, die Flamme und das Auge, das Kreuz und die Bewegung — all dies wird zwar abstrakt, aber andererseits doch außerordentlich anschaulich und farbkräftig ins Bild gebracht. Was aber den Ansatz von Harpreet Sodhi besonders auszeichnet, ist, dass sie das, was sie selber bildnerisch bewegt, auch aus anderer künstlerischer Perspektive gespiegelt sehen möchte. Darum nennt sie ihre Ausstellung „Spiegelwelten“.

Sie hatte drei Autoren aus dem Monschauer Land — Josef Schreier, Vincent Rudolf und Józef Górka — dazu angeregt, zu ihren Bildern gleichsam einen lyrischen Kommentar zu schreiben. Und da diese drei Autoren ihrerseits aus unterschiedlichen Generationen und unterschiedlichen biografischen Herkünften stammen, ergab sich so noch einmal eine vielfältige Spiegelung ihrer bildnerischen Visionen.

Bilder, Worte, Musik

Die drei Autoren lasen am Sonntag bei der Eröffnung der Ausstellung ihre Texte zu ausgewählten Bildern. In dieser Eröffnung, bei der auch Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss anwesend war, kam dazu noch der Beitrag der Musik. Die Bratschistin Gertrud Schmidt aus Rott und der Pianist Matthias Rein aus Walheim spielten eine Folge von Werken, die den Sinn von Spiritualität — die Tiefe der Welt — unter dem Aspekt des Märchens reflektierten. In sehr eindrucksvoller Darbietung erklang ein Satz des Märchens von Leoš Janácek, ferner die Märchenbilder von Robert Schumann und zum krönenden Abschluss die Märchenerzählung des ebenfalls aus Imgenbroich stammenden Komponisten Anno Schreier. Besonders letzteres beeindruckte die Zuhörer besonders, da hier die alles bloß Harmlose zurücklassende Hintergründigkeit des Phänomens Märchen und damit auch die von aller Spiritualität anschaulich und hörbar wurde. So wurde die Kunst von Harpreet Sodhi aus einem noch einmal anderen Aspekt gespiegelt.

Die Künstlerin nahm die Gelegenheit wahr, dem anwesenden Komponisten als Zeichen der Anerkennung ein eigenes neues Bild zu schenken, zu dem sie Anno Schreiers Cellokonzert aus dem Jahre 2016 angeregt hatte.

Zu der Ausstellung erschien ein im Buchhandel lieferbarer sowie während der Ausstellung erhältlicher Bild- und Gedichtband mit einem Vorwort des bekannten Germanisten Dieter Borchmeyer unter dem Titel „Spiegelwelten — Bilder im Dialog“. Dort sind die Bilder von Harpreet Sodhi mit den Texten der drei Autoren abgedruckt.

Die Ausstellung in der evangelischen Kirche Roetgen ist zugänglich bis Mitte Oktober an allen Samstagen und Sonntagen jeweils von 11 bis 17 Uhr. Zum Ausklang am Sonntag, 14. Oktober, findet ab 17 Uhr eine weitere Lesung der drei Autoren statt, die musikalisch gestaltet wird von Lea Pleines (Harfe) und Leo Pleines (Flöte).

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