Roetgen: Spendenaktion: „Roetgen hilft“ sammelt für neues Flüchtlingsheim

Roetgen: Spendenaktion: „Roetgen hilft“ sammelt für neues Flüchtlingsheim

Beim Bau des geplanten neuen Flüchtlingswohnheims an der Pilgerbornstraße in Roetgen wird der Verein mit dem Namen „Roetgen hilft Menschen in Not e.V.“ die Federführung übernehmen. Der Verein wirbt nun um Unterstützung beim Bau des Wohnheims und will sich in den kommenden Tagen schriftlich an die Bürger der Gemeinde wenden.

Gegründet wurde der Verein bereits Ende April im Rahmen einer nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderates. Der Verein habe sich „aus der Mitte der Bürgerschaft“ gegründet, hieß es in einer gemeinsamen Presseerklärung des Vereins und der Gemeinde Roetgen.

Zum Vorsitzenden des Vereins wurde Bernhard Müller gewählt, der im Gemeinderat die Grünen vertritt. Zu seinem Stellvertreter wurde Johannes Pössinger bestellt, der zum Organisationskomitee des Flüchtlingsrates gehört. Zum Vorstand gehören außerdem Klaus Onasch (SPD), Rainer Welzel (UWG), Bernd Vogel (PRB) und Franz-Josef Zwingmann (FDP).

Der Verein sei gegründet worden, „um ein positives Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für die Werte zu setzen, die uns Deutsche und Europäer heute ausmachen, nicht zuletzt Menschlichkeit und Solidarität“, heißt es in einem Schreiben des Vereins vom 21. Juni. Man wolle ein „Haus für Menschen in Not“ bauen, „gegenwärtig vor allem für Flüchtlinge, langfristig aber für alle, die in Not geraten sind“, heißt es weiter.

Entstehen soll ein Haus mit fünf Sozialwohnungen mit je zwei Zimmern und einem Betreuungszimmer. Insgesamt sollen dort auf 311 Quadratmetern 15 bis 20 Personen untergebracht werden, in Notzeiten kurzfristig auch mehr Personen, „dies aber dann nur für kurze Zeit“, erklärt Müller. Ursprünglich waren sechs bis sieben Wohneinheiten vorgesehen, in denen jeweils zwei bis sechs Personen untergebracht werden sollten, insgesamt also zwölf bis 36 Personen.

Als die ersten Pläne Anfang Januar der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, fühlten sich die Anwohner zunächst „überfahren“ und vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie betonten, dass sie nicht gegen Flüchtlinge seien. Sie seien auch bereit, „Patenschaften“ für Flüchtlinge zu übernehmen und bei der Integration zu helfen. Die Dimension des geplanten Baus sei aber zu groß — egal, ob dort Ausländer oder andere Personen untergebracht würden. Es folgten mehrere Gespräche zwischen Politik, Verwaltung und den Anwohnern. An der Haltung der Anwohner hat sich bis heute nichts geändert.

Entstehen soll das neue Wohnheim am Anfang einer Sackgasse, die sich im Privatbesitz der Anwohner befindet. Um die Belange zu klären, die sich mit der Unterhaltung des Privatweges ergeben, haben sich die Anwohner vor Jahren zu einer Siedlungsgemeinschaft zusammengeschlossen. „Wir werden mit der Siedlungsgemeinschaft eng zusammenarbeiten“, sagt Müller. „Wir warten jetzt auf die konkreten Pläne“, sagt der Vorsitzende der Siedlungsgemeinschaft, Elmar Willemsen.

Die Baukosten für das Wohnheim werden mit 673.989,52 Euro beziffert, darin ist eine Reserve von 50.000 Euro einkalkuliert. 527.600 stellt das Land NRW zur Verfügung. 100.000 Euro muss und will der Verein aufbringen. 50.000 Euro sollen durch Spenden zusammenkommen, weitere 50.000 Euro durch private Eigenkapital-Ersatzdarlehen.

Diese Darlehen würden mit zwei Prozent über dem EZB-Leitzins verzinst, maximal aber mit drei Prozent. Außerdem seien sie nach einer Wartezeit von mindestens drei Jahren jährlich kündbar, heißt es in dem Schreiben des Vereins. Bislang seien so 35.000 Euro zusammengekommen, sagt Müller.

Das Grundstück an der Pilgerbornstraße hat die Gemeinde Roetgen inzwischen erworben. Sie wird das Grundstück dem Verein für 99 Jahre verpachten und das Gebäude anschließend sehr langfristig mieten und damit die Rückzahlung der Darlehen sicherstellen.

Offiziell habe der Verein noch keine öffentliche Werbung für das Projekt gemacht. Bisher habe man lediglich einzelne Personen gezielt angesprochen, sagt Müller. Dennoch erreichten in fast täglich Anrufe, von Menschen, die sich in dem Projekt engagieren wollen. Inzwischen seien zehn Spenden in Höhe von jeweils 500 Euro und eine Spende in Höhe von 15.000 Euro eingegangen. Es seien aber noch mehr Spenden wünschenswert, um weitere 30.000 Euro einzunehmen, sagt Müller.

An die Bürger wolle man sich schriftlich wenden, sobald das Bauvorhaben genehmigt sei. Er rechne bis spätestens Anfang August damit, erklärt Müller.

Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss bewertet das Engagement des Vereins äußerst positiv: „Dass sich aus der Mitte der Bürgerschaft solch eine Initiative gebildet hat, ist großartig. In der Region ist das eine einzigartige Sache und ein gutes Zeichen für das funktionierende Gemeinwesen im Ort. Das ist absolut vorbildhaft.“