Roetgen: SPD und UWG wollen an der Schule sparen

Roetgen: SPD und UWG wollen an der Schule sparen

Soll man nun zuerst ein Ei legen und dann gackern, oder zuerst gackern und dann ein Ei legen? SPD und UWG in Roetgen haben sich für die zweite Variante entschieden. Notgedrungen.

Um nämlich das Ei legen zu können, müsste die Verwaltung bzw. die Roetgener Gemeinde-Entwicklungs-Gesellschaft (RGEG) mit belastbarem Zahlenwerk aufwarten. Das ist angeblich derzeit nicht möglich. Aber gackern muss die Ratsmehrheit schon, damit die Kommunalaufsicht bei der Städteregion mitbekommt, dass SPD und UWG die Zügel spürbar anziehen wollen.

Das Objekt finanzpolitischer Begierde ist die Grundschule. Die Kosten des von CDU und Grünen so gewollten luxuriösen Bildungstempels laufen der Gemeinde davon, sind nicht der Haupt-, aber ein wesentlicher Grund für den schwindsüchtigen Gemeindesäckel.

Wo der Schuh drückt

Was liegt, so SPD und UWG in einem gemeinsamen Pressegespräch, näher, als dort mit dem Sparen zu beginnen, wo der Schuh am meisten drückt. Man wolle nicht zurückblicken und Erbsen zählen, betonte SPD-Fraktionschef Klaus Jörg Onasch: „Wir blicken nach vorne!” Das heißt, auf die noch ausstehende Sanierung des Altbaus.

Von einem Baustopp könne dabei keine Rede sein, und auch die energetische Sanierung werde von den Sparmaßnahmen nicht berührt. Doch gibt es nach Einschätzung von Sozialdemokraten und Unabhängigen genügend Sparpotenzial. Die RGEG habe nach einer Grobschätzung von 500.000 Euro gesprochen. Onasch: „Da ist sicher noch mehr drin.”

Konkrete Gedanken haben sich die beiden Fraktionen bereits gemacht, wo der Rotstift angesetzt werden kann: Die alte Aula soll nicht abgerissen und das bestehende und funktionierende Treppenhaus im Altbau erhalten werden.

Es solle nicht mehr das Wünschenswerte realisiert werden, sondern das unbedingt Notwendige. UWG-Fraktionschefin Silvia Bourceau: „Wir haben kein Geld, um die künstlerischen Ambitionen des Architekten zu bezahlen.” Fraktionskollege Günther Severain: „Wenn ich kein Geld habe, kann ich auch keine Kunst kaufen.”

Man könne auf der einen Seite nicht die Ortskernsanierung von Mulartshütte oder den zweiten Sportplatz in Roetgen zurückstellen, auf der anderen Seite aber bei der Schule aus dem Vollen schöpfen. Eine Sünde, die laut Karsten Knoth (SPD) die Gemeinde noch teuer zu stehen kommen: „Von wegen sechs Millionen Euro!” Mittlerweile bewege man sich auf die acht Millionen zu. Irgendwann lande man schließlich bei der Zehn-Millionen-Marke.

Den Griff zur Reißleine wollen SPD und UWG mit der Schulleitung, der Schulpflegschaft und den Betreuerinnen der Offenen Ganztagsschule diskutieren. Dabei soll auch der Aspekt zur Sprache kommen, dass der Neubau erst ab mittags genutzt wird. Es sei möglicherweise zielführend, den Pavillon nicht bis mittags leerstehen zu lassen, sondern dort normale Schulklassen unterzubringen.

Das wiederum mache während der Umbauzeit des Altbaus weniger Container erforderlich, und das wiederum erspare der Gemeinde Ausgaben zwischen 50.000 und 70.000 Euro, so Günther Severain, Finanzexperte der UWG. Überdies sieht Silvia Bourceau die „große Chance”, das nach verschiedenen Streichungen und Umplanungen ohnehin überholte räumliche und pädagogische Konzept anzupassen, in Abstimmung mit allen Beteiligten.

Ein Signal setzen

Die von der Kommunalaufsicht geforderten jährlichen Einsparungen zwischen 300.000 und 500.000 Euro werden von einer so kleinen Gemeinde nicht zu leisten sein, das ist SPD und UWG klar, aber ein Signal wolle man setzen, zeigen, dass man das Wort Sparen nicht nur im Munde führe, damit die Aufsichtsbehörde den notwendigen Kredit von etwa einer Million Euro für den Schulbau genehmigt.

Silvia Bourceau: „Wenn wir das nicht schaffen, ist der zweite Bauabschnitt der Schulerweiterung finanziell nicht gesichert.”