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Kindergärten: Spagat zwischen Pädagogik und Infektionsschutz

Kindergärten : Spagat zwischen Pädagogik und Infektionsschutz

In der Kindertagesbetreuung geht es am kommenden Montag wieder zum Regelbetrieb zurück. Bildungsdezernent antwortet auf Fragen.

Ab dem 7. Juni kehrt die Kindertagesbetreuung in Nordrhein-Westfalen landesweit in den Regelbetrieb zurück. Das gilt natürlich auch für die Städte Baesweiler und Monschau sowie die Gemeinden Simmerath und Roetgen, für die die Städteregion Aachen zuständiges Jugendamt ist. Somit haben alle Kinder wieder einen uneingeschränkten Betreuungsanspruch im vertraglich vereinbarten Umfang. Das ist keinesfalls das Ende der Coronavirus-Pandemie, erlaubt aber wieder etwas mehr Normalität. Hygieneregeln müssen allerdings weiter konsequent eingehalten und Tests umfassend genutzt werden. Um die Folgen der Pandemie zu bewältigen, wird es allerdings noch Zeit und unterstützende Angebote für Kinder, Jugendliche und ihre Familien brauchen. Dazu Markus Terodde, Bildungsdezernent der Städteregion Aachen:

Was genau bedeutet die Rückkehr in den Kita-Regelbetrieb bezogen auf die Betreuungszeiten, aber auch die Konzepte?

Markus Terodde: Ab dem 7. Juni gelten wieder die vereinbarten Betreuungszeiten, die strenge Gruppenbildung ist Vergangenheit. Wir freuen uns, wenn jetzt wieder mehr Normalität in den Kita-Alltag kommt. Den Spagat zwischen Pädagogik und Infektionsschutz zu bewältigen, wird für unsere Einrichtungen eine Herausforderung, die wir im Sinne der Kinder und ihrer Eltern flexibel angehen werden.

Die Schulen haben schon seit einer Woche wieder auf den Präsenzbetrieb umgestellt. Welche Bedeutung hat das für die Kinder, aber auch die Familien?

Terodde: Für die Kinder bietet der Präsenzbetrieb einen strukturierten Tagesablauf, Austausch mit Gleichaltrigen, teamorientiertes Lernen. Das sind Selbstverständlichkeiten, deren Wert erst in den vergangenen Monaten richtig spürbar wurde. Die Familien haben große Belastungen aushalten müssen und können jetzt etwas aufatmen.

Sind die Folgen des monatelangen Distanzunterrichts und des eingeschränkten Betriebs in den Kitas für die Kinder überhaupt schon absehbar?

Terodde: Kinder sind widerstandsfähig und bewältigen Krisen oftmals besser als Erwachsene. Dennoch wird die Pandemie natürlich Spuren hinterlassen. Insbesondere der Verlust sozialer Kontakte hat unsere Gesellschaft verändert. Es scheint mittlerweile klar, dass bei rund einem Drittel der Kinder und Jugendlichen erhebliche Lerndefizite und psychische Probleme auftreten. Wir werden in den kommenden Monaten aufmerksam sein und müssen zielgerichtete Unterstützungsangebote machen.

Gibt es hier von Seiten der Städteregion Aachen schon Bemühungen diese Folgen abzumildern?

Terodde: Wir setzen 100.000 Euro aus der Bildungszugabe für das Programm „Extra-Zeit zum Lernen“ ein, intensivieren Ferienangebote, helfen beim Übergang in die Grundschule oder unterstützen digitale Angebote bei der kulturellen Bildung und der Berufsorientierung. Zudem gibt es entsprechende Hilfsangebote der Erziehungsberatungsstellen und der Schulpsychologischen Beratungsstelle. Wir werden uns aber mit Blick auf das neue Kita- und Schuljahr auf weiteren Handlungsbedarf einstellen.

(red)