Urteil: Haft für Automatensprenger von Steckenborn

Sparkassenfiliale zerstört : Haftstrafe für den Automatensprenger von Steckenborn

Eine Explosion zerstörte die Sparkasse in Steckenborn in der Nacht vom 14. auf den 15. April. Die Täter hatten es auf den Geldautomaten abgesehen. Jetzt ist einer von ihnen verurteilt worden. Der Mittäter setzte sich hingegen ab.

Am Ende hatte der Angeklagte Ovidiu B. (28) aus Dormagen dann doch noch zur Wahrheit gefunden. Er gestand vor Richterin Regina Böhme, der Vorsitzenden der 5. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, in der Nacht vom 14. auf den 15. April mit einem Komplizen einen Geldautomaten der Sparkasse in Steckenborn („Im Hech“) in die Luft gejagt zu haben.

Doch ein Geständnis schützt natürlich vor Strafe nicht. Am Mittwochmittag fiel dann das Urteil der Kammer über den Mann aus Rumänien, der zwar nicht in Deutschland, dafür allerdings in Italien bereits erheblich vorbestraft ist. Ebenfalls lag ein Haftbefehl wegen eines gleichartigen Deliktes in Luxemburg vor.

So verurteilte die Kammer den 28-Jährigen mit der Verhängung einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten wegen der „vorsätzlichen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, wegen schweren versuchten Diebstahls und wegen erheblicher Sachbeschädigung“ (Böhme) zu einer eher milden Strafe.

Oberstaatsanwalt Wilhelm Muckel war da nicht so milde gestimmt. Er hatte aus den gleichen Gründen sechs Jahre Haft gefordert. Schließlich habe diese gewaltige Explosion, die die komplette Sparkassenfiliale an der Kreuzung der L128 und der Straße Im Hech zerstörte und die bis heute nicht wieder aufgebaut wurde, „eine akute Verunsicherung der Eifeler Bevölkerung“ verursacht, führte der Staatsanwalt ins Feld.

Pleiten, Pech und Pannen, so könnte man klassisch den versuchten Raubzug zweier Täter bei ihrem Ausflug von Köln in die nördliche Eifel überschreiben, denn Beute machten sie trotz der gewaltigen Explosion nicht. Der Automat flog auseinander, doch der „Tresor selbst hat gehalten“, beschrieb Richterin Böhme den untauglichen Raubversuch.

Unstrittig sei, stellte das Gericht weiterhin in der Urteilsverkündung fest, dass die beiden in einem grauen Range Rover am Abend bereits in Richtung Simmerath unterwegs waren. Den Wagen hätten sie in einer Entfernung von schätzungsweise einer Stunde Fußweg irgendwo in der Gemeinde abgestellt, dann seien sie mit den Gerätschaften und dem Sprengstoff im Rucksack zu der Zweigstelle in Steckenborn gewandert.

An der Filiale selber öffnete, so die Richterin, der maskierte Angeklagte mit einer EC-Karte die noch intakte Glastüre der Filiale. Er habe mit einem Spray die Linsen der Kameras übersprüht, habe sich sodann „mit einem mitgebrachten Werkzeug“, so Böhme, an der kleinen Tastatur des Geldautomaten zu schaffen gemacht und habe diese letztendlich herausgehebelt. Gekleidet sei er mit einer dunkelblauen Jacke, der anderen mit einem schwarzen Adidas-Sportanzug gewesen. Beide trugen Masken.

Dann legte er ein Kabel quasi als Zündschnur nach draußen, kam mit ein „weißen Couvert“ im A-4-Format wieder zurück. Das viereckige Ding war mutmaßlich ein bis jetzt noch unbekannter Sprengstoff, den man durch die enge Öffnung ins Innere des Geldautomaten zwängte und von draußen mit einem Auslöser zündete. Das kleine Paket führte zu jener gewaltigen Explosion, bloß die Tresorbox mit den Geldscheinen darin blieb unversehrt, die beiden Täter zogen unverrichteter Dinge wieder ab und hinterließen einen Tatort, an dem im Wortsinne eine Bombe eingeschlagen war.

Doch mit den Pannen nicht genug. Morgens gegen vier Uhr raste man auf der Bundesstraße innerörtlich in Roetgen durch eine Radarfalle, später im Bereich Bergheim gelang dies dem Duo noch einmal.

Erst am darauffolgenden Dienstag machten aufmerksame Kölner Streifenpolizisten die Beobachtung, dass ein grauer Range Rover sich des Nachts auf einer einsamen Straße im Kölner Stadtgebiet merkwürdig verhielt. Die Beamten riefen ein Einsatzkommando, das den Wagen auf dem Autobahnring stellte. Bei der Überprüfung kam ans Licht, dass der Beifahrer, der jetzt verurteilte Ovidiu B., mittels eines EU-Haftbefehls gesucht wurde, eben wegen des Vorwurfs einer Beteiligung bei einer Geldautomatensprengung in Luxemburg.

Damals auf der Kölner Wache lag allerdings nichts gegen den Fahrer und Kumpel des Angeklagten vor, den ließ man wieder ziehen, er setzte sich nach Rumänien ab, Ovidiu B. kam in Haft.

Erst danach stellten die Ermittler fest, dass sich das sichergestellt Handy des Kumpels kurz vor der Tatzeit in einen Handymast bei Kesternich eingewählt hatte. Ovidiu B. hatte ihn in seinem Geständnis als Mittäter benannt.

Mehr von Aachener Nachrichten