Ursula und Fritz-Georg Kersting feiern Diamantene Hochzeit

Ehepaar aus Steckenborn : Ursula und Fritz-Georg Kersting feiern Diamantene Hochzeit

Ursula und Fritz-Georg Kersting aus Steckenborn feiern Diamantene Hochzeit. Vermählt wurden sie 1959 in Köln.

Es war Sonntagabend, der 27. September 1959, als das am Morgen in Köln frischvermählte Paar Ursula und Fritz-Georg Kersting nach Rurberg fuhr: Im alten VW-Käfer und die letzten Kilometer ab der Jugendherberge ohne Licht, denn die Ankunft am Hochzeitsabend in der Lehrerwohnung im Dachgeschoss der Schule sollte geheim bleiben.

Und das Vorhaben gelang tatsächlich, denn erst nach der Hochzeitsreise in den sogenannten Kartoffelferien realisierten die Rurberger Junggesellen ihren Brauch, das jung vermählte Paar in ihrer Wohnung unter anderem mit Anhängern zu verbarrikadieren. Da die Lehrerwohnung im Dachgeschoss jedoch mit der Schule verbunden war, konnte Fritz-Georg Kersting aber trotzdem heimlich die Wohnung verlassen und das Foto machen. Erst dann kaufte sich das neue Lehrerehepaar mit Bier und Schnaps den Zugang zur Wohnungstür frei. Das ist jetzt genau 60 Jahre her.

An Anekdoten, Erlebnissen und Ereignissen mangelt es nicht im bewegten Leben von Ursula und Fritz-Georg Kersting aus Steckenborn, die Ende September das Fest der Diamantenen Hochzeit feiern. Kennengelernt haben sich die beiden Silvester 1953/54 in der Jugendherberge Nideggen. Ursula Kersting war mit einer Gruppe Kölner Pfadfinderinnen dort, Fritz-Georg mit Pfadfindern aus Aachen-Brand. Während der folgenden Jahre mit Abitur, Ursulas USA-Aufenthalt, der Studienzeiten in Aachen und Köln sowie der Anfänge im Lehrerberuf in Rurberg und Köln wuchsen die Beziehung und die Absicht, einen gemeinsamen Lebensweg zu wagen.

1959 begannen dann die bisher 60 Ehejahre, in denen beide immer gemeinsam beruflich und ehrenamtlich tätig waren und sind: Zuerst sechs Jahre (Fritz) bzw. drei (Ursula) in Rurberg als „Familienunternehmen Schule“. Rurberg war damals durch Aufstockung der Rutalsperre in einem großen Umbruch. Als Amateurfotograf hielt Fritz-Georg zahlreiche Ereignisse in Fotos und Schmalfilmen fest, mit denen er bei Lichtbildervorträgen in Rurberg die Erinnerung an diese Zeit wachhält.

Mit der Geburt von Tochter Susanna 1960 vergrößerte sich die Familie. Ursula Kersting arbeitete ab 1961 nur noch teilweise in Rurberg, gab dafür aber an zwei Tagen pro Woche an der Monschauer Mädchenrealschule St. Ursula Textilunterricht. Von 1962 bis 1967 folgte für das junge Paar das große Abenteuer Bolivien. Hier waren sie als Lehrkräfte an der deutschen Schule Colegio Alemán in Sucre tätig. Dort wurde Sohn Christof geboren. Parallel zur Lehrertätigkeit gründeten beide ehrenamtlich mit anderen Kollegen zusammen ein Jugendbildungszentrum für die ländlich-indigenen Bewohner im Umland von Sucre. 1965 wurde es zum ersten Projekt des DED (Deutscher Entwicklungsdienst) in Bolivien mit 24 Entwicklungshelfern.

1967 wieder von Südamerika nach Deutschland zurückgekehrt, arbeiteten beide auf der Basis ihrer Erfahrungen in Bolivien drei Jahre als Bildungsreferenten in der Ausbildungsstätte für Entwicklungshelfer des DED in Wächtersbach (Hessen). Nach Ablauf der höchstmöglichen Beurlaubungszeit aus dem Schuldienst begann dann die sesshafte Zeit in Steckenborn. Es ging zurück ins deutsche Schulsystem. Nach kurzer Zeit in der Volksschule Vossenack kam 1971 für Ursula bzw. 1972 für Fritz-Georg Kersting die gewünschte Versetzung an die neu entstandene Hauptschule Simmerath, wo beide bis zur Pensionierung Ende 1996 tätig waren.

Neben der Arbeit in Simmerath studierten beide in Aachen Erwachsenenbildung, machten Zusatzprüfungen für die neue Schulform Sekundarschule. Fritz-Georg Kersting gehörte zu den ersten im Kreis Aachen ausgebildeten Beratungslehrern. Ab 1975 (Fritz-Georg) bzw. 1982 (Ursula) arbeiteten beide bis zur Pensionierung gleichzeitig an der Schule und am Lehrerseminar (Sekundarstufe I) in Eschweiler als Fachleiter für Geographie bzw. Fachleiterin für Textiles Gestalten.

Auch nebenberuflich gab es viele gemeinsame Aktivitäten: In der VHS Stolberg, später Monschau, leiteten beide viele Veranstaltungen bzw. Kurse zu politischen Themen. Vor allem aber im Lehrerarbeitskreis bei Misereor in Aachen entstand eine ganze Reihe von Unterrichtsmaterialien zu Problemen der Entwicklungsländer; im Bistum Aachen arbeiteten beide intensiv im Rahmen der Partnerschaft des Bistums Aachen mit Kolumbien und gestalteten auch Unterrichtsmaterialien für den Diözesanrat, in dessen Vorstand Fritz-Georg viele Jahre tätig war.

Fritz-Georg Kersting arbeitete bis vor fünf Jahren beim Aufbau und der Gestaltung der katholischen „fid-Arbeitsgemeinschaft“ (Freiwillige internationale Dienste) in Köln mit und konnte so beim Aufbau des vom BMZ (Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit) gegründeten „weltwärts-Dienstes“ mithelfen. Diese Erfahrungen halfen bei seinem langjährigen Engagement unter anderem als Vorsitzender im SDFV des Bistums Aachen (Soziale Dienste für Frieden und Versöhnung) bei der Entsendung von Freiwilligen in Entwicklungsländer.

Nach der Pensionierung 1996 gab es wieder mehr Zeit für die Kontakte nach Bolivien, wo Tochter und Sohn beide nach ihrem Studium beruflich entwicklungspolitisch tätig waren. Fritz-Georg und Ursula Kersting organisierten mehrere Bildungsreisen nach Süd- und Mittelamerika unter anderem mit kirchlichen Bildungseinrichtungen in Düren und Aachen. Aus diesen Aktivitäten entstand dann vor elf Jahren der Verein „Bolivien-Brücke e.V. “, der in Bolivien mehrere Partnerprojekte unterstützt und seit zehn Jahren „weltwärts“-Freiwillige jeweils für ein Jahr auswählt, vorbereitet und begleitet. Dazu kommt weiter die Mitarbeit im entwicklungspolitischen Bildungsbereich vor allem durch Beratung und die von Ursula Kersting zusammengestellte und organisierte Versendung von Unterrichtsmaterialien und Lernkisten zu süd- und mittelamerikanischen Themen für Projekte in Kindergärten, Grund- und Sekundarschulen.

Im Laufe der Jahre vergrößerte sich die Familie um sieben Enkel, die gegenwärtig in verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Fachbereichen studieren. Drei von ihnen stehen kurz vor dem Abschluss. Fritz-Georg (85) und Ursula (83) Kersting hoffen, auch nach der Diamantenen Hochzeit noch möglichst lange im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiterarbeiten zu können, um so auch weiterhin Erkenntnisse und Erfahrungen weiterzugeben, wo diese gefragt sind.

(P.St.)