Simmerath: Restauration der Römischen Wasserleitung nach Köln beginnt

Projekt für Auszubildende : Römische Wasserleitung erwacht wieder zum Leben

Hier wird ein Stück Geschichte aufgearbeitet: Die Auszubildenden am Bildungszentrum BGZ Simmerath haben damit begonnen, die Teilstücke einer fast 2000 Jahre alten römischen Wasserleitung zu restaurieren. Für die Beteiligten ist so ein Projekt nicht alltäglich.

Jannik Hennes und Dominik Seifert knien vor einem rund drei Tonnen schweren Stück Geschichte und es sieht kurz so aus, als zerstören sie es. Das Stück Geschichte ist 1800 Jahre alt und ein Teil einer römischen Wasserleitung, die die Lehrlinge am Bildungszentrum BGZ Simmerath zusammen mit rund 40 angehenden Maurern sowie Beton- und Stahlbetonbauern restaurieren. Mit Hammer und Spachtel klopfen sie am Boden die kleinen Steine und bröckelige Verbindungsmasse heraus, um die Steine nachher wieder zusammenzusetzen und mit Beton zu verfüllen. Sie zerstören also nichts – im Gegenteil, sie stabilisieren das Baustück mit der sogenannten Unterfangung.

An den neun Teilstücken der alten Wasserleitung können die Auszubildenden im ersten Lehrjahr somit sehr praktisch lernen. Und ihr Übungsobjekt ist etwas, das man nicht alle Tage zu Gesicht bekommt. Das weiß auch der 19-jährige Hennes: „Das hier ist schon etwas ganz Besonderes. Es ist spannend, so alte Arbeiten zu sehen.“ Sein Mitschüler Seifert ergänzt: „Es ist etwas ganz anders, als auf Baustellen zu arbeiten. Es ist halt mal etwas Neues“, sagt der 22-Jährige als er neben dem knapp 100 mal älteren Baustück steht.

Bei Straßenarbeiten in Hürth wurden die Stücke der alten Wasserleitung entdeckt. Vor rund 1800 Jahren führte die Leitung laut Experten von Mechernich auf rund 90 Kilometern nach Köln. Schon die alten Römer wussten anscheinend einen guten Eifeler Tropfen zu schätzen. Etwa 190 Jahre soll die Wasserleitung in Betrieb gewesen sein. Im Originalzustand hatte sie eine Überwölbung, die an anderen Elementen vorhanden war. „Anhand dieser Funde wissen wir, wie die Überwölbung gebaut war und können sie entsprechend nachbauen“, sagt der Restaurator Thomas Sieverding, der die Lehrlinge bei dem Projekt mit anleitet und darauf achtet, dass die historischen Arbeiten entsprechend aufgebessert werden.

Der Archäologie Martin Vollmer-König vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege ist begeistert von der Aufarbeitung und dem Engagement. „Ich arbeite seit 30 Jahren in diesem Beruf und so ein Projekt hab ich noch nicht kennengelernt. Das ist wirklich bemerkenswert. Eine römische Wasserleitung findet man nicht alle Tage und ist sehr bedeutend“, sagt er.

Die Aufgabe der Schüler, die nicht nur aus der Nordeifel kommen, sondern auch aus der Städteregion, den Kreisen Düren, Heinsberg und Euskirchen, ist nun, die Bauteile so herzurichten, wie sie schon die alten Römer innerhalb von fünf Jahren erbaut haben. Schon damals arbeiteten sie so, wie wir es heute kennen, wie Ausbildungsmeister Marcel Finken erklärt: „Die Baustellenarbeit bei den Römern ist ähnlich wie heute. Es gab verschiedene Abschnitte für ein Projekt, Ausschreibungen und Bauherren.“ Die Auszubildenden lernen auch zu erkennen, wenn jemand nicht sorgfältig gearbeitet hat, weiß Fink. „Sie bewerten automatisch die Arbeit. Das müssen sie auch im Beruf machen und erkennen, was gut gearbeitet ist und was weniger. Auch an der Wasserleitung können sie erkennen, wann jemand vor 2000 Jahren Mist gebaut hat.“

Das war aber weniger der Fall, die gute Erhaltung der Leitung ist Zeuge hierfür. Gute Arbeit überdauert die Zeit. Das ist auch der Tenor der Beteiligten. „Die Leute lieben das was billig ist und wollen möglichst wenig ausgeben. Hier sieht man deutlich, Handwerk ist nicht für ‚billig’, sondern Handwerk ist für ‚gut’“, sagt Rolf Deubner, der mit seinem Baumaschinenverleih beim Transport der schweren Teilstücke geholfen hat. „Handwerk ist dafür da, etwas richtig zu machen, was 1800 Jahre hält und Qualität hat.“

Diese Qualität der Wasserleitungsstücke kann also auch Inspiration für die Lehrlinge sein und zeigt, dass die Arbeit ein Zeugnis der Zeit ist. Häufig müssen die jungen Menschen ihre Arbeiten nach dem Aufbau und der Prüfung wieder abbauen. Hier tragen sie dazu bei, die Geschichte in die Zukunft zu tragen.

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