Rosenfreunde Aachen feiern in Steckenborn „100 Jahre Rose de Resht“

Eine rote Rose im Blickpunkt : Rosenfreunde Aachen feiern in Steckenborn „100 Jahre Rose de Resht“

Alles drehte sich um die Königin der Blumen, die Rose, als sich jetzt die Rosenfreunde Aachen in Steckenborn zu einem außergewöhnlichen Anlass trafen. Im Blickpunkt und im Mittelpunkt des Geschehens stand dabei eine ganz besondere Gattung, die vor langer Zeit auf abenteuerlichen Wegen aus der algerischen Sahara in die Eifel gelangte.

Es galt, das Jubiläum „100 Jahre Rose de Resht“ zu feiern. Treffpunkt für den rund 60 Mitglieder zählenden Verein und viele Gäste war der Rosengarten von Hildegard und Willibald Wirtz, die der Rose de Resht in der Region einen Platz zum Wachsen und Gedeihen verschafft haben.

Die pupurrote Portland-Rose mit ihren üppig gefüllten und markant duftenden Blüten ist eng mit der Familiengeschichte von Hildegard Wirtz verknüpft, war es doch ihr Großvater Matthias Alt aus Kalterherberg, der als Soldat in Nordafrika die Rose nach dem Ende des Ersten Weltkrieges mit in seine Heimat nahm. Diese bewegende und spannende Geschichte beleuchtete Hans-Werner Schmidt, Aktivposten bei den Rosenfreunden, beim Jubiläumstreffens noch einmal ausführlich. Vor einigen Jahren hat er die Geschichte der Wüstenrose bis ins Detail recherchiert.

„Wir feiern heute eine 100-Jährige“, sagte Schmidt zu Beginn seines pointierten Vortrages, der daran erinnerte, dass die Rose de Resht ja eigentlich noch viel älter als 100 Jahre sei, handele es sich doch um den Original-Seitentrieb einer Rose, die Matthias Alt aus der Kriegsgefangenschaft 1919 auf dem langen Weg zurück in die Heimat aus einer Oase vom Rand der algerischen Sahara habe mitnehmen dürfen. Zuhause angekommen, pflanzte er sie in den Eifeler Boden an seinem Haus, und fortan gedieh hier die prächtige Rose.

Ein besonderer Moment: Hildegard Wirtz gab der Familientradition folgend die Rose de Resht an ihre Enkeltochter Lea weiter. Foto: Peter Stollenwerk

Vor fünf Jahren gelangte auch Hans-Werner Schmidt in den Besitz eines Rosenablegers. Der Sammler historischer Rosengattungen ging auf Spurensuche und kam zu erstaunlichen Erkenntnissen. Schnell sei ihm klar geworden, dass es sich um eine Rose de Resht handelte, die nach dem Zweiten Weltkrieg von einer englischen Rosenzüchterin in Persien gefunden und 1949 in den internationalen Handel gebracht worden sei. Für Schmidt lag der Widerspruch nun auf der Hand: „Eine Rose, die schon im Ersten Weltkrieg in Algerien wächst und 1919 nach Kalterherberg mitgenommen wurde, kann nicht 30 Jahre später als sensationell neue Entdeckung gefeiert werden.“

Akribische Nachforschungen und viele Gespräche mit Hildegard Wirtz, die auch die wahre Geschichte dieser Rose erfahren wollte, bestätigten dann Schmidts Annahme: Die Rose de Resht stammt aus dem algerischen Wüstenort Biskra, und Matthias Alt brachte sie von dort 1919 als Geschenk für seine Verlobte mit nach Kalterherberg. Die Geschichte der Rose de Resht musste neu geschrieben werden. Schmidt bringt es auf den Punkt: „Was in der Rosen-Literatur alles so nachzulesen ist über die Rose de Resht und ihren Ursprung, ist alles Kappes.“

Nach der Veröffentlichung im Jahrbuch der Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde konnte sich Hans-Werner Schmidt vor neuen Anfragen kaum retten. Inzwischen warten rund 50 Fundrosen auf ihre historische Zuordnung. Als Sechsjährige erhielt Hildegard Wirtz von ihrer Großmutter Juliana Luise die Rose als Geschenk; den Rosenstock buddelte sie später aus und nahm ihn nach ihrer Heirat mit nach Steckenborn.

Auch Sigrid Liedtke, die Vorsitzende der Rosenfreunde Aachen, verknüpfte ihre Begrüßung mit der besonderen Geschichte der Rose de Resht, die Matthias Alt nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft gemeinsam mit seiner Verlobten in Kalterherberg gepflanzt habe. Sogar einen Brand Ende der 1920er Jahre habe der Rosenstrauch wie durch ein Wunder überstanden. Auch Bernd Goffart, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Simmerath, empfand es als „absolut außergewöhnlich, welche Geschichte sich um diese Rose rankt“. Den Rosenfreunden dankte er für „das tolle Event“ in der Region.

Nach einer Bauchtanzvorführung im Rosengarten, passend zum 100. Geburtstag der Rose aus dem Wüstensand, hatte Gastgeberin Hildegard Wirtz für die rund 100 Gäste und besonders für ihr Enkelkind Lea noch eine Überraschung parat. So wie sie einst selbst von ihrer Großmutter die Rose de Resht erhalten habe, solle die Blume später einmal in den Besitz der Enkeltochter übergehen und damit die Familientradition fortgesetzt werden. Hildegard Wirtz zählt inzwischen rund 90 Rosensorten in ihrem Garten.

Sie erfreuen das Auge und Nase, haben aber auch einen ganz praktischen Nutzen. Sie dienen beispielsweise zur Herstellung von Salz, Likör und Düften. Bei der Frage nach ihrer Lieblingsrose muss sie nicht lange überlegen: „Das ist für mich ganz klar die Opa-Rose.“

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