Nacht der Bibliotheken: "Natürlich Eifel"

Nacht der Bibliotheken : Mit „Natürlich Eifel“ die Heimat in Wort und Bild

„An manchen Orten beginnt die Nacht der Bibliotheken schon am Vormittag“, so die Radiowerbung, und so geschah es auch in Simmerath. Die Freunde fürs Lesen hatten eine Lesung mit Miriam Schaps aus ihrem Buch „Abenteuer zwischen Nordeifel und Aachen“ in der Grundschule Simmerath organisiert.

Zwei dritte Klassen begaben sich auf eine spannende Reise durch die Heimatregion auf der Suche nach einer geheimnisvollen Botschaft aus dem Moor. Ein Eröffnungslied zum Mitsingen, der Einsatz des Kamishibais, eines Erzähltheaters, und die Möglichkeit, Fragen zur Entstehung des Buches zu stellen, machten die Veranstaltung für die Kinder zu einem sehr interessanten und kurzweiligen Erlebnis.

Was also ist Heimat?, fragte Thomas J. Lennartz am Ende des Textes „Heimat, der Sehnsuchtsort“ von Marc Brost und Heinrich Wefing. Damit wurde die mit gut 40 Besuchern ausgebuchte Abendveranstaltung „Natürlich Eifel“ in der Gemeindebücherei Simmerath eingeleitet. Eine mögliche Antwort folgte gleich im Anschluss: „Heimat, das sind die Fäden aus tausend Erinnerungen, die einen Menschen halten und binden. Es sind die Fäden, die er manchmal abschneiden möchte, die ihn aber niemals loslassen. Sie machen einen Menschen erst zu dem, was er ist.“

So eingestimmt auf das Thema Heimat anderswo und hier, stellte Rita Plum, die als Leiterin der Gemeindebücherei Simmerath und Wahl-Kesternicherin eine zweite Heimat in der Eifel gefunden hat, ihre „EifeLyrixx“ vor. ln vier Abschnitten präsentierte sie ihren unverstellten Blick auf die Eifeler Menschen, deren Umfeld und deren Natur. lhre Gedichte kann man seit einigen Tagen im Wort- und Bildband „Natürlich Eifel“ nachlesen. Der Förderverein der Gemeindebücherei Simmerath hat mit Unterstützung des Landes NRW im Rahmen des Landesförderprogrammes „Heimat. Zukunft.

Nordrhein-Westfalen. Wir fördern, was Menschen verbindet“ dieses Büchlein herausgebracht. Dass der Run darauf so groß sein würde, hätte man nicht gedacht. Die Planungen für eine zweite Auflage sind bereits angelaufen. „Aber man muss die Gedichte auch mal gehört haben“, meinte Peter Stollenwerk, der Rita Plums Texte, welche pointiert, verständnisnah und mit Blickkontakt zum aufmerksamen Publikum von der Eifelliebhaberin abwechslungsreich vorgetragen wurden, im Buch mit seinen wunderbaren Eifelfotografien bebildert hat.

Peter Stollenwerks Lichtbilder bereicherten auch wieder einmal auf beeindruckende Weise den Vortrag zur Nacht der Bibliotheken. Fotos von in Mondlicht getauchten Wasserlandschaften transportierten etwa die Botschaft der fantastischen Erzählung „Fittichwehr" des Eifel-Schriftstellers Norbert Scheuer aus Kall kongenial. Die beiden Freunde Leo und Martin tauchen in das Wehr hinab und finden dort eine inzwischen versunkene Kleinstadtwelt mit ihren Häusern und Menschen.

An den großen Maler und Bauhaus-Künstler Vincent Weber aus Monschau zu erinnern, war ein weiteres Anliegen der Lesung. „Er war der Bub mit den glücklichen Augen und dem großen Talent. Webte den Zauberteppich aus Linien, Farben und Formen, stand oft dazwischen im Krieg der Meister von Bauhaus und Weltgeschehen. Kein Spaziergang sein Malerleben, aber er blieb ein glücklicher Mensch. Er lebt weiter in Berlin, Weimar und in den Häusern seiner Eifeler Familie. Noch immer gelingt Entdeckung, voller Dankbarkeit für ein großes Geschenk."

Mit Klaus Hansen begab sich Thomas J. Lennartz zum Schluss auf eine sentimentale Reise ins Jahr 1952 „Zurück ins (Eifel-)Dorf meiner Kindheit“. Erinnerungen an das Elternhaus, die alte Schmiede, den Bauernhof, die Familie, die Sitten und Gebräuche lebten auf und der wehmütige Rückblick auf das an den Wohlstand Verlorene mit vollkommener Fernsehversorgung, sauber geteerten Vorhöfen und Autobahnanschluss berührte das Gemüt. Leise, aber auch kraftvolle Töne und Interpretationen waren gefragt, die Thomas J. Lennartz einfach meisterlich beherrscht und die er mit Bravour gewährleistet.

Eine Besucherin brachte die Simmerather Nacht der Bibliotheken, die mit Stöbern und Ausleihen, Buchverkauf und Signieren bei Snacks und Getränken sowie netten Gesprächen ausklang, auf den Punkt: „Texte, gelesen von Herrn Lennartz, in die man hineintauchen konnte, Bilder, die die Sinne anregten und Gedichte, die einen berührten. Alles passte zusammen, ergänzte sich und sprach uns aus der Seele. Die Eifel ist unsere Heimat, mit allem was dazu gehört und wenn es der Regen ist.“

Mehr von Aachener Nachrichten