Manfred Kutsch empfängt Erlös der Pausenaktion "Schüler für Schüler"

Spende der Sekundarschule in Simmerath : Ein Sonnenstrahl für 170 Kinder in Mossul

„Mit Eurer Spende macht ihr 170 Kinder in Mossul richtig happy“, sagte Manfred Kutsch, als er jetzt in der Sekundarschule in Simmerath den Erlös der Adventsaktion von „Schüler für Schüler“ entgegennehmen durfte.

Der Journalist und Unicef-Mitarbeiter hatte zuvor Siebtklässlern über seine Reise nach Mossul und seine dazu gehörende Hilfsaktion berichtet. Bereits seit der Gründung der Sekundarschule gibt es das Projekt „Schüler für Schüler“, in dessen Rahmen eine kleine Schülergruppe aus der siebten Klasse einmal in der Woche meist gesunde, vegetarische oder vegane Snacks und Speisen vorbereitet, die auch stets reißenden Absatz bei den Mitschülern, aber auch bei den Lehrern finden.

Neben der Verpflegung der Mitschüler und Lehrer verfolgt das Projekt aber weitere Ziele. „Bei der Auswahl der Zutaten und bei der Ausgabe versuchen wir so wenig Plastikmüll wie möglich zu produzieren. Außerdem werden durch die gemeinsame Arbeit verschiedene Kompetenzen der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler wie praktisches Arbeiten und Sozialverhalten gefördert. Das ist besonders wichtig im Hinblick auf die Berufswahlvorbereitung und kommt Schülern mit und ohne Förderbedarf zugute“, erläutert Sonderpädagogin Nathalie Schepp, die das Projekt gemeinsam mit Schulsozialarbeiterin Marion Breuer entwickelt hat und betreut.

Wird das Pausenangebot in der Regel zum Selbstkostenpreis, also ohne Gewinn abgegeben, so setzte man in der Adventszeit den Preis für eine ganz besonders leckere Pizza ein klein wenig höher. Am Ende der Sonderaktion waren mehrere hundert Euro in der Kasse, die dann durch Spenden sogar noch auf runde 500 Euro aufgestockt werden konnten.

Marion Breuer hatte in der Zeitung von der Spendenaktion für die Kinder von Mossul gelesen und ihre Kollegin und die Schüler von der Idee, die Spende hier einzusetzen, rasch begeistern können.

Auch diese Schule des Unicef-Kinderhilfswerks in Mossul hat Manfred Kutsch besucht und berichtete den Sekundarschülern, was es für die Kinder dort bedeutet, überhaupt wieder täglich zur Schule gehen zu dürfen. Foto: ZVA/Silke Kutsch

Bereits 25 Unicef-Projektreisen in die Krisengebiete in aller Welt hat Manfred Kutsch gemeinsam mit seiner Frau Silke, die ihn stets als Fotografin vor Ort begleitet, unternommen. Im Nachgang zu diesen Reisen schreibt der frühere Redakteur der Aachener Zeitung Artikel und hält Vorträge über Krisengebiete und Hungersnöte, über Kinderarmut und Trinkwassermangel, über Kriege und Krankheiten in diesen Regionen. 400.000 Kilometer haben er und seine Frau bereits zurückgelegt, aber auch schon viele segensreiche Spendenaktionen auf den Weg gebracht.

Nun berichtete Kutsch in der Sekundarschule Simmerath den 25 Mädchen und Jungen der Klasse 7a aus erster Hand von seiner Reise nach Mossul im vergangenen Oktober und was mit ihrer Spende alles gemacht werden kann. „Das Schönste für die Kinder dort ist, dass sie nach drei Jahren Unterbrechung wieder in die Schule gehen können“, sagte Kutsch. Nicht nur weil sie dort wieder eine Perspektive für ihr Leben bekommen, sondern auch, weil die von Unicef neuaufgebaute Schule ihnen einen sicheren Raum gibt und weil sie endlich wieder ihre Freunde treffen können“, ergänzte der Reporter.

Natürlich fehlt es im ehemaligen Kriegsgebiet immer noch an Vielem, besonders an Medizin, aber auch an Dingen, die die Mädchen und Jungen in der Schule benötigen. „Und da kommt ihr ins Spiel“, meinte Manfred Kutsch und ließ die Sekundarschülerinnen und –schüler ausrechnen, wie viele Schulrucksäcke á drei Euro man mit ihrer 500-Euro-Spende wird kaufen können.

Kutsch erstaunte die Schülerinnen und Schüler mit weiteren, allerdings traurigen Zahlen. 48 Millionen Kinder leben weltweit aktuell in einem Kriegsgebiet, weitere 30 Millionen Kinder sind auf der Flucht vor Gewalt, Elend und kriegerischen Auseinandersetzungen. Er erklärte den Kindern in verständlichen Worten, was sich hinter dem IS verbirgt und warum Islamisten die Menschen terrorisieren: „Sie haben eine ganz andere Vorstellung davon, wie man leben sollte“, sagte Manfred Kutsch.

Der Reporter hat mit seiner Frau in Mossul viele Menschen gesehen, die in der dreijährigen Gewaltherrschaft Familienmitglieder verloren und unsägliches Leid erfahren haben. „Wir helfen mit unserer Aktion den Familien, das Nötigste zum Leben wieder zu bekommen“, erzählte Manfred Kutsch und verblüffte die Schüler mit einer weiteren Zahl: „310.000 Euro haben wir seit Oktober bereits gesammelt, weil noch ganz viele andere freundliche und hilfsbereite Menschen wie ihr uns unterstützt haben“, erklärte Kutsch, der dann freudig die Spende aus der Hand der Siebtklässler entgegennahm.

Ihre Lehrerinnen können sich gut vorstellen, die Aktion in der Adventszeit 2019 zu wiederholen: „Es war für alle Seiten eine sehr schöne Erfahrung. Und Herr Kutsch hat den Schülern wirklich gut und verständlich erklärt, was sie mit ihrer Arbeit erreicht haben“, meinten sie. Gut möglich also, dass sich die Sekundarschulfamilie wieder auf besonders leckere Pausen im Dezember und Schulkinder irgendwo anders in der Welt auf eine warme Unterstützung aus Simmerath freuen dürfen.

(hes)
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