Gerichtsverhandlung zur Geldautomatensprenung in Steckenborn

Prozess wegen Geldautomatensprengung : Explosion blies die Glasfassade weg

Der Tresor aus dem Geldautomaten der Sparkassenfiliale in Steckenborn („Im Hech“) war später selbst von Fachleuten des Aachener Geldinstitutes nicht mehr zu öffnen. Sie mussten ihn zum Hersteller bringen.

Das mag an seiner stabilen Bauart, aber vor allem an den Folgen jener heftigen Explosion gelegen haben, die zwei Automatensprenger in der Nacht vom 14. auf den 15. April dieses Jahres herbeigeführt hatten.

170.000 Euro Schaden

Mit einem Sprengstoffpaket bislang unbekannter Zusammensetzung hatten zwei Täter die kleine Filiale neben einem Frisör an der Kreuzung „Im Hech“ und der Landesstraße 128 massiv beschädigt. So massiv, dass sie möglicherweise nicht wieder aufgebaut wird, wie ein Bankvertreter am Freitagmittag, 23. August, im Zeugenstand vor der 5. Großen Strafkammer des Aachener Landgerichts berichtete. Alleine der bislang festgestellte Schaden errechnet sich auf 170.000 Euro an Glasbruch, Mobiliar und technischen Equipment. Momentan schottet ein Bretterzaun die Stelle ab.

Wegen jener Automatensprengung tief in der Nacht von Sonntag auf Montag gegen 2.34 Uhr muss sich vor der 5. Großen Strafkammer unter dem Vorsitz von Richterin Regina Böhme seit Freitag der 29-jährige Ovidiu B., ein rumänischer Staatsbürger aus Dormagen, verantworten.

Ovidiu B. hatte als möglicher Täter – der Angeklagte schweigt bislang nachhaltig zu den Vorwürfen – von seinem Blickwinkel aus gesehen viel Pech mit diesem lausigen Überfall in Steckenborn, falls er selber und sein bislang nicht gefasster Kumpel es denn auch waren. Laut Anklage hatte sich einer der zwei Täter zunächst völlig gewaltlos gegen 2.20 Uhr mit einer Scheckkarte Eintritt in den Vorraum der Filiale, in der der Geldautomat stand, verschafft.

Auch im Inneren des Gebäudes hinterließ die Sprengung schwere Schäden. Foto: zva/Andreas Gabbert

Dann aber ging es mit Gewalt weiter. Der Täter, der sein Gesicht „mit einem hellen Tuch“, so Oberstaatsanwalt Wilhelm Muckel in der Anklageschrift, bedeckt hielt, hebelte die PIN-Tastatur des Geräts auf und versuchte eine „kissenartiges Paket im DIN-A-4-Format“ dort in den Automaten einzuführen. Es gab Schwierigkeiten, die jedoch am Ende überwunden wurden.

Dann legte man von außen ein langes Kabel bis zu diesem Paket, am Ende des Kabels habe sich eine Vorrichtung „wie ein Auslöser“ (Anklageschrift) befunden. Und den drückten die beide Täter gegen 2.34 Uhr, es folgte eine Explosion von einem gewaltigen Ausmaß, so dass die gesamte Glasfassade der Filiale zerbarst und die Splitter bis auf die Kreuzung flogen. Im Inneren wurden Decken und Wände erheblich in Mitleidenschaft gezogen und Mobiliar zerstört.

Ohne Geld geflüchtet

Doch ein Inventarstück hielt stand: Das war der innere Stahltresor des Geldautomaten. Die Täter machten sich ohne Geld auf den Weg und flüchteten mutmaßlich mit einem grauen Range Rover in Richtung Roetgen. Auf der B258 wurde der Wagen geblitzt, später dann nochmal in der Nähe von Köln. Das Ganze blieb allerdings zunächst ohne jede Folgen für das Sprengduo.

Doch in der Nacht zu Dienstag schlug Kommissar Zufall wieder zu. Denn da fiel jener graue Range Rover nahe der Aachener Straße in Köln am frühen Morgen gegen 4.49 Uhr einer Polizeistreife auf. Einer der Beamten aus der Streifenbesatzung beschrieb, dass sie vorsichtshalber den mit „zwei Männern“ besetzten und in seiner Fahrweise auffällig gewordenen Wagen zunächst ziehen ließen, aber gleichzeitig weitere Kollegen benachrichtigten.

Auf dem Kölner Autobahnring stellte man das Fahrzeug mit mehreren Wagen und geleitet es in Longerich von der Autobahn. Bei einer Überprüfung der beiden ergab sich, dass der jetzige Angeklagte mit einem EU-Haftbefehl wegen verschiedener Delikte gesucht wurde, man nahm Ovidiu B. fest, stellte das Fahrzeug sicher.

Mobilfunkdaten belasten

Im Auto und bei einer Wohnungsdurchsuchung in Dormagen wurden Gegenstände festgestellt, die auf eine Täterschaft in der Eifel hinwiesen. Besonders aber die Funkdaten der Mobiltelefone waren eindeutig, sie hatten sich etwa im Bereich Kesternich mehrfach in das dortige Netz eingewählt. Den zweiten Mann im Range Rover musste man damals mangels Tatverdacht laufen lassen. Nach ihm wird weiterhin gesucht.

Der Prozess wird am Dienstag, 27. August, im Aachener Landgericht fortgesetzt, es sollen Fachleute des Landeskriminalamtes gehört werden.