Die öffentliche Behindertentoilette am Simmerather Bahnhof steht

Öffentliches Behinderten-WC am Bushof : „Was lange währt, wird endlich gut“

Lange wurde eine öffentliche Behindertentoilette in Simmerath gefordert. Nun gibt es eine am Bushof – nur weiß es bisher kaum jemand.

Doris Roppel ist zufrieden. Endlich steht die öffentliche Behindertentoilette auf dem Parkplatz am Bushof in Simmerath. Für die Rollstuhlfahrerin aus Kesternich ist das ein ganz wichtiger Punkt, wenn sie etwa den Herbstmarkt besuchen oder in Simmerath shoppen möchte. Schon vor zwei Jahren hatte sie sich beschwert, dass es in Simmerath keine öffentliche Behindertentoilette gibt.

Dass eine solche Toilette nun endlich gebaut wurde, hat Roppel aber nur durch Zufall erfahren. Ihrem Mann ist sie im Vorbeifahren aufgefallen. Seit dem 23. September kann man das WC von 4:50 Uhr bis 24 Uhr benutzen. „Die Toilette steht hier. Das ist toll! Aber wir erfahren es nicht!“, sagt Roppel kopfschüttelnd, „Die machen überall für alles super Empfänge, aber für das wichtige nicht. Und das finde ich schade.“ Es müsse ja keine große Eröffnung geben, aber es sei doch sinnvoll, die Bürger zu informieren. Die Gemeinde Simmerath gab auf Anfrage bekannt, dass es im Laufe der nächsten Woche einen Pressetermin dazu geben wird.

Für Toilettenanlage eingesetzt

Die Geschichte von Doris Roppel und der Behindertentoilette hat vor zwei Jahren begonnen. Damals wollte sie den Herbstmarkt besuchen und fragte bei der Gemeinde Simmerath nach, wo es denn öffentliche Behindertentoiletten gebe. Die Antwort: Es gebe keine, aber Nobis habe eine, die man benutzen könne. Nobis war von dieser Ansage überrascht, denn deren Toilette ist natürlich nur für Kunden der Bäckerei gedacht.

Dass es keine öffentliche Behindertentoilette in Simmerath gab, war für Roppel ein nicht zu akzeptierender Zustand. „Hier sind ja auch viele Seniorenheime, die Leute laufen mit Rollator rum. Ich finde da Behindertentoiletten wichtig. In vielen Städten wie Düsseldorf ist das alles geregelt, da sind überall Behindertentoiletten“, sagt sie. Roppel wandte sich damals an die Gemeinde und an unsere Zeitung und setzte sich für den Bau einer öffentlichen Behindertentoilette ein – mit Erfolg, wie man heute sieht.

Nicht alles behindertengerecht

Generell sei es an vielen Stellen in und um Simmerath schwierig für Rollstuhlfahrer. Holprige Wege, zu wenig abgesenkte Bordsteine. „Die bauen barrierefreie Häuser und barrierefreie Wohnungen, aber barrierefreies Leben auf der Straße ist schon sehr holprig“, sagt Roppel, fügt aber hinzu: „Doch ich bin jetzt nicht unzufrieden.“ Es sei zwar längst nicht alles gut, aber alles sei schon viel besser geworden. Wie zum Beispiel jetzt die Verfügbarkeit einer öffentlichen Behindertentoilette in Simmerath.

Diese Woche hat Roppel die Toilette zum ersten Mal getestet. Mit ihrem Euro-Schlüssel, mit dem sie deutschlandweit Zugang zu Behindertentoiletten hat, konnte sie die Tür ohne Probleme öffnen. „Es klappt alles easy. Die Tür ging super auf, ich kam gut rein und auch von innen geht die Tür mit dem Knopf gut auf“, sagt sie. Nur was Sauberkeit angeht, hat Roppel wohl einen schlechten Tag erwischt. „Vielleicht wird sie ja heute noch gereinigt“, vermutet Roppel, „Normalerweise sind die Behindertentoiletten immer alle tiptop. Es dürfen sonst aber auch nicht immer alle anderen drauf“, erklärt sie. Denn das öffentliche WC am Simmerather Bushof ist keine typische Behindertentoilette. Für 50 Cent kann sie jeder benutzen. Aber beschweren will sich Roppel deswegen keinesfalls. Sie ist froh, dass die Toilettenanlage jetzt steht.

Jetzt noch zu klagen, dass es so lange gedauert hat, bis die Toilette gebaut wurde, ist nicht Roppels Art. Für sie ist die Hauptsache, dass die Anlage nun da ist. „Wenn ich einen Artikel darüber schreiben würde, wäre die Überschrift: ‚Was lange währt, wird endlich gut‘“, sagt Roppel zufrieden, „Es hat lange gedauert, aber jetzt ist sie da.“ Roppel möchte aber, dass die Leute das auch wissen. „Das ist ja nicht nur was für mich. Das ist ja was für alle!“, sagt sie.

Am Wochenende wird Roppel wieder den Herbstmarkt besuchen. „Diesmal geht’s“, sagt sie und weist auf die Toilette, „Ich hoffe, dass sie bis dahin wieder schön sauber ist.“

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