9. integratives Segel-Jugendcamp am Rursee in Woffelsbach

9. integratives Segel-Jugendcamp am Rursee : Echte Freude und große Gefühle

Idyllisch und versteckt liegt die Sportstätte Wildenhof am Rursee. Hier befindet sich ein wahres Paradies für Segelsportler. Eine enge Uferstraße führt durch das Schilsbachtal, haarscharf vorbei an mächtigen Felsen, zum Ziel.

Man glaubt fast, die Zivilisation hinter sich gelassen zu haben, doch dann öffnet sich ein weitläufiges Gelände direkt am Seeufer. Hier treffen sich nicht nur die Wassersportler, sondern das der RWTH Aachen gehörende Gelände ist auch seit Jahren Schauplatz für das integrative Segel-Jugendcamp. Zum 9. Mal bot der Verein zur Förderung von Integrativen Jugendcamps Aachen jetzt diese besondere Ferienaktion an.

Fünf Tage lang

Eine bunt gemischte Gruppe junger Menschen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können, erlebte fünf Tage lang echte Freude und große Gefühle im Rahmen einer ungezwungenen Begegnung. Jugendliche mit und ohne Behinderung, mit deutschen und ausländischen Wurzeln, sozial benachteiligte Jugendliche und sogar fünf Gehörlose rückten in diesen Tagen enger zusammen. Die besondere Mischung macht den Charakter des Camps aus, das mit 89 Jungen und Mädchen eine neue Rekordteilnehmerzahl verzeichnete und am Dienstag endete.

Dabei stand das Segelcamp 2019 in der Nordeifel diesmal auf der Kippe, da der Landschaftsverband Rheinland (LVR) mit der Mittelbewilligung zögerte und dies mit der Tatsache begründete, dass man zuvor bereits das ähnlich strukturierte Integrative Segelflug-Camp auf dem Flugplatz Merzbrück vor gut einem Monat gefördert habe. Diese Begründung stieß beim ausrichtenden Verein auf Unverständnis, was auch Georg Suchotzki, der 1. Vorsitzende des Fördervereins, unmissverständlich deutlich machte, als er zum Abschluss des Camps auf dem Rurseeschiff „Aachen“ neben den Jugendlich auch die große Gruppe der Unterstützer und Kooperationspartner der beiden Camps begrüßte. Vor allem dem persönlichen Einsatz der nimmermüden Geschäftsführerin Uschi Brammertz sei es zu verdanken, dass das Camp dennoch über die Bühne ging, weil sie erfolgreich Sponsoren gewinnen konnte.

Auch dafür muss heute bei einem Jugendcamp gesorgt sein: Ausreichend vorhandene Stromquellen, damit die mobile Kommunikation aufrecht erhalten bleibt. Foto: Peter Stollenwerk

Ehe das integrative Segelcamp starten konnte, galt es einen Berg an Vorbereitungen abzuarbeiten – bis hin zu einem Gebärden-Sprachkurs für die 20 Betreuer der Gruppe. Seit Februar bereits liefen die Vorbereitungen. Aus der gesamten Städteregion Aachen, aber auch aus den Nachbarregionen, stammen die Teilnehmer, die zwischen 14 und 18 Jahre alt sind. Viele von ihnen leben mit einem Handicap. Wassersportliche Aktivitäten bildeten den Kern des kleinen Ferienabenteuers am Rursee, dessen Wirkung aber höchst nachhaltig ist, wie die pädagogische Leiterin Lara Brammertz erzählt. „Für viele Teilnehmer ist das Camp der einzige Urlaub im Jahr überhaupt“, sagt sie. Während des intensiven Zusammenlebens an fünf Tagen würden Freundschaften geschlossen, „die auch noch lange über das Camp hinaus fortgesetzt werden.“

Bei den zahlreichen gemeinsamen Aktivitäten, erläutert die Sozialarbeiterin weiter, würden in wenigen Tagen Barrieren „in einem Maße abgebaut, wie wir es mit unserer normalen Arbeit in einem Jahr nicht schaffen.“ Diese Erkenntnis sei auch die stärkste Motivation für das Team, sich zu engagieren, sagt Lara Brammertz, die bislang an allen Camps teilgenommen hat. Das erste Rursee-Camp startete mit 25 Jugendlichen und fünf Betreuern. Und es ist auch schon passiert, dass langjährige Teilnehmer später ins Betreuerteam wechselten. So stellt sich die Streetworkerin gelebte Inklusion vor. Der unvergleichliche integrative Charakter des Camps wurde auch von Gästen hervorgehoben. Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp zeigte sich begeistert von einer Veranstaltung, „die sicher nicht leicht zu organisieren ist, „aber hier wird gute Integrationsarbeit in eine tolle Idee verpackt“, sagte er. Auch der stellvertretende Städteregionsrat Axel Wirtz sowie Armin Leon, Inklusionsbeauftragter der NRW-Landesregierung, hoben den besonderen Geist des Camps und dessen sichtbare integrative Wirkung hervor.

„Einmalig im ganzen Land“

Stefan Klett, der Vizepräsident des Landessportbundes, sparte nicht mit Lob und versicherte: „Diese Maßnahme ist einmalig im ganzen Land.“ Und so war Teilnehmern und Verantwortlichen am Ende die Hoffnung gemeinsam, dass auch im kommenden Jahr wieder das Motto „Von der Luft ins Wasser“ über den beiden integrativen Jugendcamps 2020 in Merzbrück und Woffelsbach stehen wird.

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