Simmerath: Simmerath soll wachsen und doch Dorf bleiben

Simmerath : Simmerath soll wachsen und doch Dorf bleiben

Die bauliche Entwicklung des Zentralortes Simmerath schreitet mit Tempo voran. Überall wird gebaggert, gebaut und geplant. Das Wachstum des Ortes ist geradezu mit den Händen zu greifen, und die Nachfrage nach Baugrundstücken und Wohnraum ist ungebrochen.

Vor diesem Hintergrund haben Gemeinderat und Gemeindeverwaltung ein großes Interesse daran, dass die künftige städtebauliche Entwicklung in geordneten Bahnen verläuft und gesteuert wird. Diese Aufgabe hat das Büro „HJPplaner“ aus Aachen übernommen. Seit zwei Jahren arbeitet das Büro an einer Bestandsaufnahme und einer Entwicklungsplanung für Simmerath. Die dabei entwickelten Vorstellungen und Ideen wurden kürzlich in einem „Gestaltungshandbuch Wohnen für Simmerath“ vorgelegt.

60 Bürger der Einladung gefolgt

Da die Planer und Entscheidungsträger die Einbindung der Bürger als tragende Säule für die Konzeption sehen und diese aktiv beteiligt werden sollen, hatte die Gemeindeverwaltung die Bevölkerung jetzt zu einer Informationsveranstaltung ins Rathaus eingeladen. Die Anwesenheit von rund 60 Bürgern und ein zweistündiger reger Austausch bestätigten auch Professor Peter Jahnen als Vertreter des Aachener Planungsbüros in seiner Auffassung, dass man die Bürger frühzeitig einbinden sollte.

„Wir haben eine sehr produktive Mitarbeit erlebt“, berichtet Jahnen. Als Fazit der Veranstaltung nehme er mit, dass die Bürger Wert darauf legten, dass Simmerath seinen Wiedererkennungswert behalte, aber sich auch deutlich von den umliegenden Ortschaften unterscheide. Peter Jahnen: „Die Bürger unterstützen den Fortschritt in Simmerath, aber dies sollte auf der Grundlage der Tradition geschehen.“ Auch sei der Wunsch deutlich geworden, dass dieses Ziel in einer Satzung verankert werden sollte.

Besonders der Kernbereich Simmeraths, der im Bereich Hauptstraße, Kammerbruchstraße, Humboldtstraße zu einer „neuen Mitte“ zusammenwachsen soll, steht im Fokus des Planers. Geändert werden soll die Konzeption im Bereich des zentralen Busbahnhofes (ZOB). Der Marktplatz soll sich wieder stärker an seinem ursprünglichen Charakter orientieren.

Unter anderem sieht die Planung vor, dass die Johanneskapelle hier wieder ihren einst angestammten Platz finden soll, auch wenn aus den Reihen der Bürger Zweifel laut wurden, dass das Kapellchen den Umzug von der gegenüberliegenden Grünfläche schadlos übersteht. Zur Neugestaltung des ZOB gehört auch, dass der ÖPNV an den Rand des Platzes verlegt werden soll.

Im Blickpunkt des Planungsbüro steht verstärkt das Umfeld des Rathauses. Die Zielsetzung, hier neuen Wohnraum, vor allem auch kleinere Wohnungen, zu schaffen, habe allgemeine Zustimmung gefunden. Dieses Angebot, so Jahnen, richte sich in erster Linie auch an junge Leute, die beispielsweise in Aachen studieren, aber anschließend wieder nach Simmerath zurückkehren wollen.

Rund um das Rathaus, so ein weiterer Aspekt der Planung, soll das Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot verdichtet werden. Auch mit mehrgeschossigen Gebäuden, so der Eindruck des Planers, hätten die Simmerather Bürger keine Probleme. Wichtig sei den Bürgern aber genauso, dass bei aller baulichen Verdichtung ausreichend Grünflächen gesichert würden.

Auf positive Resonanz sei auch die Konzeption gestoßen, Simmeraths Kerngebiet mit einer Art Ringverkehr und ins Gebiet führenden Stichstraße verkehrlich zu erschließen. Der Planer nahm auch den eindringlichen Wunsch mit, dass mit der baulichen Verdichtung auch ein adäquates Angebot an Parkplätzen einhergehen müsse.

Professor Jahnen: „Bei allen Planungen ist für uns der entscheidende Aspekt, dass die Bürger damit einverstanden sind und die Konzeption mittragen.“ Dazu gehöre im Falle des Ortskerns Simmerath auch der Wunsch, die jetzt noch vorhandene historische Bausubstanz unbedingt zu erhalten.

Wunsch nach Bürgerhalle

Mehrfach, so Jahnen, sei auch der Wunsch nach einer Bürgerhalle im Ortskern geäußert worden, da das gastronomische Angebot in Simmerath zurückgehe. Den Vorschlag, hierfür den Bereich des nicht mehr genutzten Musikpavillons in die Planung aufzunehmen, werde man berücksichtigen. Überhaupt, so der Stadtplaner, würden die Anregungen aus der Infoveranstaltung in die künftigen Überlegungen eingearbeitet.

Außerdem seien weitere Infoveranstaltungen geplant. Im nächsten Schritt werde man die Ergebnisse des Abends aufarbeiten. Auch weitere Anregungen seien jederzeit erwünscht. Das überarbeitete Gestaltungshandbuch werde dann Gegenstand der weiteren Beratung im Planungsausschuss der Gemeinde Simmerath sein.

(P. St.)