Nordeifel: Schwerstes Unwetter seit Jahren lässt Eschbach zum reißenden Strom werden

Nordeifel : Schwerstes Unwetter seit Jahren lässt Eschbach zum reißenden Strom werden

Um 14.12 Uhr erging die erste Alarmierung an die Feuerwehr der Stadt Monschau. Eine Sturmböe hatte bei Kalterherberg einen Baum auf die Straße gefegt und damit gleichsam das zumindest für den Monschauer Raum schwerste Unwetter seit Jahren angekündigt.

Denn was folgte, waren peitschenartiger Hagel mit Körnern so groß wie Tischtennisbälle, extremer Starkregen, Blitz, Donner und orkanartige Böen — und das über eine Stunde lang.

Kaum war das heftige Gewitter abgezogen begannen in der Eschbachstraße auch schon die Aufräumarbeiten. Foto: A. Gabbert

70 Feuerwehrleute aller Löschgruppen der Stadt Monschau kämpften in allen Stadtteilen gegen Wassermassen und Schäden, über 50 Einsätze verzeichnete Wehrleiter Falk Claßen schon bis zum späten Nachmittag. „Ein Ende ist derzeit noch nicht in Sicht“, sagte Claßen und stellte sich mit seinen Kameraden auf eine Abendschicht ein.

Die Gemeinde Simmerath kam im Vergleich zur Stadt Monschau glimpflich davon: Aber auch dort war die Feuerwehr im Einsatz, um Keller auszupumpen und umgestürzte Bäume, wie hier zwischen Grünental und Hammer, von der Fahrbahn beseitigen. Foto: A. Gabbert

Das Problem des von allen Wetter- und Informationsdiensten angekündigten Unwetters war wohl weniger die Heftigkeit des niedergehenden Hagels und Regens, sondern mehr noch die ungewöhnlich lange Dauer. Wieder und wieder lebten die Schauer auf und setzten Einfahrten und Straßen, Plätze und ganze Landschaften unter Wasser.

Aufräumarbeiten in der Victor-Passage: Auch im Ortskern von Imgenbroich war die Feuerwehr mehrere Stunden im Einsatz, weil Wasser in Geschäfte, Lager und Häuser eingedrungen war. Foto: A. Gabbert

Am heftigsten traf es dabei wohl die Altstadt Monschau in ihrer Kessellage. Binnen weniger Sekunden schwoll der eigentlich um diese Jahreszeit friedlich dahinrinnende Eschbach zum reißenden Strom an und suchte sich über die Fahrbahn der Eschbachstraße den Weg ins Tal. Welche Gewalt das Gewässer dabei aufbaute, wurde im unteren Teil deutlich, wo die Fluten das schwere Altstadtpflaster unterspülten und mitrissen.

Feuerwehreinsatz an der Grundschule in Höfen: Auch hier war Wasser eingedrungen. Foto: A. Gabbert

Pflaster herausgerissen

Die Gemeinde Simmerath kam im Vergleich zur Stadt Monschau glimpflich davon: Aber auch dort war die Feuerwehr im Einsatz, um Keller auszupumpen und umgestürzte Bäume, wie hier zwischen Grünental und Hammer, von der Fahrbahn beseitigen. Foto: Benedikt Schöller

Erst nach Abklingen des Unwetters konnten sich Anwohner daran machen, die Steine und Geröllmassen von der Eschbachstraße zu beseitigen, die erst am Abend wieder freigegeben werden konnte. Auf der anderen Seite der Altstadt stürzte ein unterspülter Baum auf die Laufenstraße und blockierte diese. Hier rückte die Feuerwehr mit Motorsägen an — so wie auch rund um Kalterherberg, das wegen umgefallener Fichten zeitweise nur von der Höfener Mühle aus erreichbar war.

Ansonsten mussten die Löschgruppen alles einsetzen, was die Ausrüstung an Pumpen hergibt. „Im Prinzip sind wir von Keller zu Keller und von Einfahrt zu Einfahrt geeilt, um die Wassermassen abzupumpen“, schilderte Falk Claßen die heftigste Einsatzlage seit Jahren. Mit mobilen Tragkraftspritzen, die 800 Liter in der Minute wegpumpen, und Tauchpumpen, die immerhin 400 Liter in 60 Sekunden schaffen, rückte man den Fluten zu Leibe. „Dabei galt unser besonderes Augenmerk den Kellern, wo Kraftstofftanks stehen, die bei Umstürzen das Grundwasser gefährden könnten“, so der Wehrleiter. Gegen 17 Uhr vermeldete die Feuerwehr Monschau: „Lage unter Kontrolle, aber die Einsätze gehen noch weiter.“

Deutlich weniger Feuerwehreinsätze gab es in der Gemeinde Simmerath. In Hammer musste die Wehr wegen eines Wassereinbruchs ausrücken und einen umgestürzten Baum von der Straße beseitigen.

Auch am Campingplatz gab es Wasserprobleme. In Eicherscheid und Erkensruhr musste die Feuerwehr jeweils aus zwei Kellern Wasser abpumpen, in Dedenborn gab es einen weiteren Einsatz. Zudem war in Erkensruhr ein Ast auf eine Hochspannungsleitung gefallen und hatte sich entzündet. Nach Simmerath wurde die Feuerwehr gerufen, weil die Hauptstraße unter Wasser stand. Beim Eintreffen habe man aber nichts feststellen können, sagte Simmeraths Wehrleiter, Christian Förster. Außerdem wurde die Wehr zur Belgenbacher Mühle gerufen, weil der Bach deutlich über das Ufer getreten war. Ein Eingreifen sei aber nicht nötig gewesen, sagte Förster.

„Glimpflich davongekommen“

Die Feuerwehr der Gemeinde Roetgen rückte acht Mal aus, um vollgelaufene Keller auszupumpen. Rott und Mulartshütte blieben vom Unwetter verschont, alle Einsätze spielten sich in Roetgen ab. Dort waren circa 40 Einsatzkräfte und sechs Fahrzeuge im Einsatz. „Roetgen ist glimpflich davongekommen“, fasste Wehrleiter Joachim Wynands zusammen.

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