Afrikanische Schweinepest: Schwarzwildpark erfüllt die erforderlichen Hygieneauflagen noch nicht

Afrikanische Schweinepest : Schwarzwildpark erfüllt die erforderlichen Hygieneauflagen noch nicht

Die Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest wächst. Nach einer Neubewertung des Roetgener Schwarzwildparks hat die Städteregion Aachen festgestellt, dass der Park nicht die erforderlichen Biosicherheitsmaßnahmen erfüllt.

Würden die erforderlichen Baumaßnahmen nicht innerhalb von drei Wochen umgesetzt, müsse der gesamte Wildschweinbestand getötet werden, heißt es seitens der Städteregion. Die schwere Virusinfektion befällt ausschließlich Wild- und Hausschweine und endet für sie meist tödlich. Ob die Gemeinde Roetgen die bauliche Umsetzung mit 22.500 Euro finanziert, oder ob der Bestand stattdessen gekeult wird, war jetzt kurzfristig Thema im Gemeinderat.

Den Roetgener Schwarzwildpark gibt es nunmehr seit 38 Jahren. Derzeit leben hier 27 Wildschweine, darunter 14 Frischlinge. Nachdem das Virus im südlichen Belgien Mitte September bei toten Wildschweinen festgestellt wurde, war es jetzt laut Sarah Vosen vom Amt für Tierschutz und Veterinärwesen der Städteregion notwendig, die Gestaltung des Schwarzwildparks in Roetgen neu zu bewerten.

„Die Biosicherheit wird hier baulich nicht erfüllt. Mit Blick auf die nicht aufzuhaltende Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest muss sie aber gegeben sein“, sagte Vosen. Übertragen werden kann die Afrikanische Schweinepest durch direkten Kontakt zwischen Tieren, aber auch durch Speisereste.

Dass die Biosicherheitsmaßnahmen nicht erfüllt sind, weiß auch Roetgens Gemeindeförster Wolfgang Klubert. „Um unsere Wildschweine vor dem Virus von außerhalb zu schützen, müssen wir jetzt einen zweiten Zaun innerhalb des Geheges errichten“, sagte er.

Kontakt vermeiden

Dadurch werde der Kontakt von Schweinen außerhalb und innerhalb des Parks vermieden. Der Zaun wäre dann etwa einen Meter hoch und müsse etwa zwei Meter von dem jetztigen Zaun entfernt innerhalb des Geheges errichtet werden.

Die zweite Maßnahme, die getroffen werden müsse, sei eine Dekontaminationsschleuse, sagt Michael Schlamann, Amt für Hochbau der Gemeinde Roetgen. „Diese Schleuse ist ein fester Raum, etwa zwei mal drei Meter groß, mit einer sogenannten schwarzen und weißen Seiten“, erklärt Schlamann.

Dadurch ergebe sich die getrennte Aufbewahrung von Gehege- und Straßenkleidung. Vorhanden sein müsse zusätzlich ein Handwaschbecken sowie eine Möglichkeit zur Reinigung und Desinfektion der Schuhe. Der Tierbereich wäre dann nur durch die Hygieneschleuse zu betreten. „Diese Maßnahmen sind schon lange fällig“, sagte Klubert.

Um diese baulichen Maßnahmen umzusetzen, müsste die Gemeinde Roetgen 22.500 Euro in die Hand nehmen — dazu kommen laufende Kosten, die noch nicht absehbar sind. „Wir müssen jetzt kurzfristig reagieren und haben Zeitdruck. Deswegen brauchen wir auch die Freigabe dieses Budgets“, sagte Bürgermeister Jorma Klauss während der Sitzung des Gemeinderats. „Ansonsten müssen die Wildschweine erschossen und der Park geschlossen werden“, erklärte er.

Bei den meisten Ratsmitgliedern herrschte Einigkeit darüber, dass der Wildschweinpark erhalten bleiben soll. Angezweifelt wurde jedoch die juristische Korrektheit seitens der Städteregion. „Was das Veterinäramt hier vorträgt, ist juristisch nicht haltbar“, sagte Stephan Speitkamp (CDU).

Juristische Prüfung

Ob diese Maßnahmen zu treffen seien oder der Bestand getötet werden müsse, solle erst juristisch geprüft werden. Dem stimmten auch Bernd Vogel (PRB) und Helmut Mulorz (SPD) zu. „Wir wollen den Park erhalten und sind deswegen für einen Vorratsbeschluss“, erklärte Mulorz.

Bernhard Müller (Grüne) und Gerd Pagnia (Grüne) regten indes an, darüber nachzudenken, ob überhaupt noch in den Schweinepark investiert werden solle.

Der Beschlussvorschlag des Gemeinderates lautete schließlich, dass die Gemeinde Roetgen zunächst die Anordnung der Städteregion kurzfristig juristisch prüfen lasse, und dass der Bürgermeister im Falle einer positiven Prüfung eine maximale Investition von 22.500 Euro vornehmen kann. Diesem Vorschlag stimmte die Mehrheit der Ratsmitglieder zu. Es gab 19 Ja-Stimmen, fünf Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen.

Von der Kreisjägerschaft Aachen wurde dem Schwarzwildpark außerdem Unterstützung bei der Errichtung des Zauns zugesichert. „Wir packen handwerklich an, wo wir können. Es ist uns wichtig, dass der Saupark weiter besteht“, sagte Vorsitzender Günther Plum, der ebenfalls im Rathaus erschienen war. Dadurch könnten auch die Kosten eingedämmt werden. Laut Klauss sei das eine außerplanmäßige Aufwendung, „bei der die Deckung möglich ist“.

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