Monschau: Schule und Fußball gegen Fluchtgedanken

Monschau : Schule und Fußball gegen Fluchtgedanken

„Ich hätte niemals damit gerechnet, dass ich ein so positives Ergebnis von meiner Reise mitbringe“, erzählt Erich Horst aus Kalterherberg, der vor wenigen Wochen aus dem westafrikanischen Ghana zurückkehrte. Das wichtigste Ziel der Reise für ihn war, vor Ort stabile Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass ein ehrgeiziges Entwicklungshilfeprojekt auf den Weg gebracht werden kann.

Der 66-Jährige ist Mitgründer des Vereins „Aba Don Afrika Jugendhilfe“ (ADAJ), der seit 2017 existiert und als erstes Projekt nahe dem rund 4000 Einwohner großen Küstendorf Elmina eine neue Schule errichten möchte. Der Verein möchte jungen Leuten in Ghana neue Chancen für ein selbstbestimmtes Leben aufzeigen und sie von Fluchtgedanken nach Europa abbringen.

Die Kinder freuen sich auf die neue Schule in ihrem Dorf. Das bisherige Schulgebäude (Foto) ist allenfalls eine Notlösung. Auch die Eltern wollen sich tatkräftig einbringen, damit das Projekt zügig umgesetzt werden kann. Foto: Erich Horst

45 Jahre Afrikaerfahrung

„Der Hilfebedarf in Afrika ist enorm“, erzählt Erich Horst, der 45 Jahre lang bei der Firma Dürr in Imgenbroich als Betriebsratsvorsitzender tätig war. Soziales Wirken begleitete ihn somit während seines gesamten Berufslebens. Dieses Engagement wollte er auch im Ruhestand fortsetzen, „allerdings auf einer ganz anderen Ebene“, erzählt Erich Horst, der von sich sagt, „Afrika seit 45 Jahren zu kennen“. Er hat bereits zahlreiche Motorradreisen durch die Sahara unternommen, auf privater Basis ein Schulprojekt in Mauretanien umgesetzt und an einem Wasserprojekt in Marokko mitgearbeitet.

Dem aktuellen Projekt in Elmina ging aber zunächst die Vereinsgründung von ADJA voraus. Über eine weitere Hilfsorganisation, die „Less Privileged Ghana Foundation“ (LPGF), die vor Ort aktiv ist, wurde dann der Neubau einer Schule in dem etwas abseits gelegenen Dorf konkretisiert.

Die LPGF verfügt bereits über eine große Erfahrung bei Entwicklungshilfeprojekten. Diese Kooperation mit einer bestehenden Organisation vor Ort war für den Verein auch entscheidend, denn das erste Projekt von Aba Don, das aus einem persönlichen Kontakt mit einem in Deutschland lebenden ghanaischen Flüchtling heraus entstand, scheiterte und endete mit einer großen menschlichen Enttäuschung. Nach dieser negativen Erfahrung wagt der gemeinnützige Verein nun unter neuen Voraussetzungen den Neustart.

Das erste Treffen in Elmina fand vor rund einem Monat statt. „Wir haben gleich gemerkt, dass wir gut zusammen passen“, beschreibt Erich Horst den Kontakt der beiden Vereine. Er hofft nun, dass in Kürze mit den Vorarbeiten für den Schulneubau begonnen werden kann und die rund 500 Schüler endlich einen adäquaten Platz zum Lernen bekommen. Das bislang benutzte baufällige Schulgebäude ist nur eine Notlösung und auch von den hygienischen Voraussetzungen nicht akzeptabel.

Erich Horst wie auch die anderen Verantwortlichen des neuen Vereins aus Monschau sind überzeugt davon, dass sie mit ihrem Konzept dazu beitragen, den Menschen vor Ort Perspektiven zu bieten und sie von einer Flucht nach Europa abzuhalten.

Erich Horst ist seit zwei Jahren in der Flüchtlingshilfe in Monschau aktiv und kümmert sich besonders um die Betreuung traumatisierter, minderjähriger, unbegleiteter Flüchtlinge. Zumeist kommen diese aus Westafrika.

Schnell wurde ihm klar, was diese jungen Leute an extrem schlimmen Erfahrungen auf ihrer Flucht zu verarbeiten hatten. Daraus wurde die Idee geboren, vor Ort etwas zu tun und den jungen Leuten eine Alternative zu Flucht und Sklavenhandel zu bieten. Deshalb trägt der Verein auch den Zusatz „better than refugee“ (besser als zu fliehen) im Namen.

Mit diesem Ansatz findet der Verein „Aba Don Afrika Jugendhilfe“ selbstverständlich auch Gehör bei den Förderpartnern, denn ohne finanzielle Unterstützung ist das schätzungsweise 40.000 Euro teure Schulprojekt nicht umzusetzen. Der Monschauer Verein arbeitet inzwischen mit dem Ghana-Forum NRW zusammen, denn Ghana ist offizielles Partnerland von Nordrhein-Westfalen, eine Initiative, die auf den damaligen Entwicklungshilfeminister Armin Laschet zurückgeht.

Besuch vor Ort

Bei seinem Aufenthalt in Ghana, der in ein umfangreiches Besuchs- und Konsultationsprogramm eingebunden war, wurde Erich Horst schnell die große Bedeutung des Projektpartners vor Ort klar, der den Neubau begleitet.

Die „Less Privileged Ghana Foundation“ wurde 2014 gegründet und arbeitet mit Kindern, Jugendlichen, Straßenkindern, Waisen, HIV-Kranken und körperlich Behinderten. Sie ist eine eingetragene Stiftung und genießt nach ghanaischem Recht eine steuerliche Sonderbehandlung, ähnlich der deutschen Gemeinnützigkeit. Es gab Gespräche mit den wichtigen Repräsentanten des Dorfes, die ihre Freude über das Vorhaben zum Ausdruck brachten und zusagten, die Antragstellung tatkräftig zu unterstützen. Die Kommune stellt das Land zur Verfügung und kümmert sich um die Baugenehmigung.

Parallel dazu will der Monschauer Verein Transporte mit Sachspenden organisieren.

Bei der Erstellung des Schulgebäudes möchte der Verein sich gerne anlehnen an das Konzept des in Hillesheim ansässigen Solidaritätskreises Westafrika. Der Verein hat in Burkina Faso in 25 Jahren mehr als 1000 Klassenräume und 500 Lehrerhäuser gebaut. Hier möchte Aba Don auf die langjährigen Erfahrungen bei der praktischen Umsetzung zurückgreifen.

Die Erstellung eines Kostenvoranschlages, die Architekten-Kalkulation und die Einreichung des Förderantrages beim Land NRW sind nun die nächsten Schritte.

Ein wesentlicher Aspekt vor Ort ist die Mitarbeit der Eltern. Was das Schulprojekt bei Elmina betrifft, so der Eindruck von Erich Horst, könne man sich darauf verlassen, dass die geforderte zehnprozentige Eigenleistung erfüllt werde. Konkret müssen rund 9500 Blocksteine vor Ort in Handarbeit produziert werden. Einen Fertigstellungstermin für das Schulgebäude gibt es noch nicht.

Begeisterung im Dorf

Als im Dorf öffentlich verkündet wurde, dass eine neue Schule gebaut werden soll, brachen die Kinder in Begeisterungsstürme aus. „Dieser Moment hat mich sehr berührt“, erzählt Erich Horst nach seiner Rückkehr aus Ghana, der bereits das nächste Projekt im Blick hat. Unweit des Schulgrundstückes könnte er sich eine Fußball-Akademie vorstellen, weil die Kombination von sinnvoller Freizeitgestaltung und schulischer Bildung Perspektiven bieten würde und damit der Fluchtgedanke in den Hintergrund trete.

Erich Horst hat längst die Überzeugung gewonnen, „dass das Flüchtlingsproblem nichts anders als ein gigantischer Sklavenhandel ist, in dem Europa ein hohes Maß an Verantwortung trägt, was die Fluchtursachen und die Fluchtbedingungen angeht“. So erklärt er auch sein Engagement: „Da, wo wir es können, wollen wir Fluchtursachen mildern und Perspektiven vor Ort schaffen.“

(P. St.)
Mehr von Aachener Nachrichten