Roetgen: Schüler erkunden die sozialen Berufe

Roetgen: Schüler erkunden die sozialen Berufe

Dass es in unserer Gesellschaft Menschen gibt, die mit Behinderungen leben müssen, wissen wir alle. Dennoch, viel zu wenig hat sich in unserem Bewusstsein etabliert, dass Menschen mit Behinderungen ein integrativer Bestandteil der Gesellschaft sind.

Inklusion heißt der Fachbegriff - hiermit ist das Einbinden von Behinderten in unsere Gesellschaft als wertvoller Beitrag gemeint. Hier knüpft der Unterricht der Privatschule Conventz im Rahmen der Berufsorientierung (BO) an. Schüler der Klassen 7, 8 und 9 und der Oberstufe werden im Fach BO unterrichtet. Ein Unterrichtsfach, das auf die zukünftige Berufswahl vorbereitet. Neben den üblichen Schulpraktika findet das Sozialprojekt „Freizeit abgeben - Lebensfreude weitergeben” statt.

Hilfe angeboten

Im Rahmen des BO-Unterrichts wurden soziale Berufe behandelt. Dabei standen im Fokus Berufe für Menschen mit „Behinderungen und die Versorgung der älteren Generation, der demographische Wandel innerhalb unserer Gesellschaft und die Folgen, die sich aus beruflicher Sicht ergeben. Aus dieser Unterrichtseinheit entwickelte sich die Idee der Schüler, spontan sich selbst mit einzubringen.

Ein Teil der Klasse war bereit, in ihrem familiären Umfeld oder in der Nachbarschaft ältere Menschen aufzusuchen und ihre Hilfe anzubieten. Andere bewarben sich eigenständig in Altenheimen. Die angebotene Hilfeleistung umfasst das Vorlesen von Zeitungen und Büchern, das Spielen von Karten- oder Gesellschaftsspielen, Botengängen, Hundespaziergänge oder Rasenmähen. Drei Monate lang, an einem Nachmittag nach der Schule haben die Schüler das Projekt ausgeführt. Ihr Klassenlehrer besucht sie auf ihren Praktikumsstellen regelmäßig.

Vier Schüler der Klasse 8 der Privatschule Conventz waren bereit, in das Vinzenzheim in Aachen zu den Bewohnern mit Schwer- und Schwerstbehinderungen zu gehen. Freitagsnachmittags fahren die Schüler gemeinsam mit ihrer Lehrerin als begleitende Person im schuleigenen Bus zum Vinzenzheim. Die Begleitung ist aus rechtlichen Gründen erforderlich - gleichzeitig gibt die Aufsichtszeit der Lehrerin die Gelegenheit, den Schülern Unterstützung zu bieten und selber mit zu machen.

Die „Koordinatorin Praktikum und Ehrenamt” wies die Schüler mittels Probestunde in die Handhabung der verschiedenen Rollstühle ein. Ebenfalls wurden die Schüler über die einzelnen Bewohner und die Struktur des Vinzenzheims aufgeklärt.

Max, Joshua, Erik und Pascal warten am Freitagnachmittag gegen 15 Uhr auf die Rückkehr der Bewohner aus der Behindertenwerkstatt. Die Bewohner freuen sich schon auf Spazierfahrten, Gartenbesuche im hauseigenen Garten der Sinne, Gespräche, Ballspiele, oder einfach nur auf Zuspruch und Anwesenheit. Ihre Berührungsängste haben die Schüler rasch abgelegt.

Die Besuchsphase ist schnell vorübergegangen und das Projekt endet nun. Mit dem Besuch der Behindertenwerkstatt der gesamten Klasse 8 wird das Projekt abgeschlossen. Alle Schüler sind sich einig: Ein solches Projekt ist sinnvoll. Sie haben ihre Freizeit gerne mit Hilfsbedürftigen geteilt. Das Fach BO in der Privatschule Conventz wird aufgrund der positiven Resonanz bei den Schülern zukünftig noch weiter ausgebaut. Ziel ist, BO ab Klasse 5 bis in die Oberstufe hinein anzubieten.

BO bedeutet nicht nur Praktika , Bewerbungsmappen und Gespräche, Betriebsbesichtigungen und Messebesuche. BO ist vernetzt mit geschichtlichen, sozialkundlichen oder wirtschaftlichen Hintergründen. Themen wie Kinderarbeit, früher und heute, Berufe, die aussterben oder sich neu entwickeln, Teambildung und Sozialverhalten in der Schule, Rollenspiele und Argumentation usw. sind nur einige Themen, die während einer BO-Stunde vertieft behandelt werden.

Komplexer Vorgang

Auch ein AC-Training für die Stufen 9 und 12 im neuen Schuljahr gehören dazu. Assessment-Center schulen in Form von Auswahlverfahren für Unternehmen, die einen möglichst objektiven Eindruck von Kenntnissen und Fähigkeiten eines Bewerbers bekommen möchten. Die Privatschule Conventz möchte fächerübergreifend vermitteln, dass Berufswahl eine komplexe Entscheidungsfindung ist. „Nicht früh genug kann man mit einer Praxisorientierung beginnen”, heißt es im Bericht der Privatschule abschließend.