Rollesbroich: Schlaglöcher und Vandalismus: Unterwegs mit der Straßenmeisterei

Rollesbroich: Schlaglöcher und Vandalismus: Unterwegs mit der Straßenmeisterei

„Montags“, sagt Dietmar Prinz, „ist es immer besonders schlimm“. Nicht dass es dem 51-Jährigen schwerfallen würde in eine neue Arbeitswoche einzusteigen, es sind vielmehr die Straßen in der Region, die ihn zum Beginn der Woche manchmal schwer zu schaffen machen. Dietmar Prinz ist Streckenwärter bei der Straßenmeisterei Simmerath, die im Gewerbegebiet Rollesbroich angesiedelt ist und zur Regionalniederlassung Ville-Eifel gehört.

Von seinem Wohnhaus in Rollesbroich bis zur Arbeitsstelle sind es nur ein paar hundert Meter, und so kurz der Weg zur Meisterei ist, so eng ist auch seine Beziehung zu seinem Job, den er mit Begeisterung und viel Verantwortungsgefühl Tag für Tag angeht. 1978 begann er seine Lehre bei der Straßenmeisterei, seit 20 Jahren ist er Streckenwärter, und da bleibt es nicht aus, dass er sozusagen jeder Meter Straße in seinem Revier kennt.

Vergangenen Montag war es auch wieder schlimm. Die Gäste einer Zeltfete hatten mal wieder ihre Spuren auf der Straße hinterlassen, und dann kam auch noch das erste sonnige Wochenende des Jahres hinzu, das die ersten Motorrädunfälle hervorrief und für die Straßenmeisterei auch jedes Mal Mehrarbeit bedeutet.

Herausgerissene Leitpfosten einsammeln und Ausschau nach umgeknickten Verkehrsschildern halten, ist typische Montagsarbeit. Bei der Straßenmeisterei schaut man regelmäßig in den Veranstaltungskalender der Zeitung. Dann kann man oft schon ahnen, wo montags die Streckenwärter auftauchen müssen.

„Der Vandalismus hat in den letzten Jahren zugenommen“, sagt Dietmar Prinz, und auch Bruno Alzer, der Betriebsdienstleiter der Straßenmeisterei Simmerath, kann sich nur darüber wurden, „wie viele Leute nicht wissen, dass die Straßen dem Gemeingebrauch gewidmet sind und sich daraus auch für jeden Verkehrsteilnehmer eine eigenständige Verantwortung ableitet. Die Straße gehört nicht jedem.“

Alzer bedauert, dass in der Straßenmeisterei Simmerath die Zahl der Streckenwärter von drei auf zwei reduziert worden ist. Dabei sei die Arbeit keineswegs geringer geworden, zumal der geforderte dokumentarische Aufwand immer größer werde. „Der Streckenwärter ist heute mehr mit der Kamera als mit der Spitzhacke unterwegs.“

„Streckenkontrolle“ steht in dicken schwarzer Schrift auf dem Heck des orangefarbene Mercedes-Sprinter. Dietmar Prinz nimmt schwungvoll Platz und ab geht die Fahrt — allerdings in einem eher gemäßigten Tempo. Fast jeder Autofahrer hat sich wohl schon einmal über ein solches Fahrzeug geärgert und es als Verkehrshindernis empfunden.

Das weiß auch Dietmar Prinz, „aber ich muss mich auf alles konzentrieren, was links und rechts der Straße passiert“, sagt er. Doch in der Regel stößt er auf Verständnis: Der Landesbetrieb Straßenbau ist schließlich Dienstleister und der Bürger ist der Kunde.

320 Kilometer Bundes-, Landes- und Kreisstraße im Großraum Eifel-Düren-Aachen werden von der Straßenmeisterei Simmerath betreut. Die Strecke teilt er sich mit einem Kollegen. Zweimal pro Woche geht es hinaus. Dietmar Prinz steuert in der Regel zuerst Fringshaus an, dann geht es abwärts bis zur Stadtgrenze Aachen und über Brand, Kornelimünster, Venwegen, Büsbach und Roetgen wieder zurück in Richtung Monschau.

Auf der Ladefläche des Kleintransporters liegen Leitpfosten, Werkzeug, lagerfähiger Asphalt, Klemmfixe, Baustellen- und Warnschilder und diesmal auch ein Metallrost für einen Straßeneinlauf. Ein offenbar gestohlenes Stück muss ersetzt werden.

Jetzt, nach dem strengen Winter, ist Asphalt gefragt. Doch Dietmar Prinz kann nicht alle Löcher stopfen. Bei großen Schlaglöchern hält er an, verfüllt das Loch, richtet in der Nähe noch rasch ein paar Leitpfosten gerade („Nach dem Winter steht in der Eifel kein Leitpfosten mehr gerade“) , und schon geht es weiter. Wenn Gefahr im Verzug ist, dann muss er auch an Feiertagen auf die Straße, wie zuletzt auf der B 258 in Konzen. „Da habe ich Heiligabend einige gefährliche Schlaglöcher verfüllt.“

„Der Job ist eben nicht planbar“, lacht Dietmar Prinz. „Man fährt raus und dann gibt es immer wieder Überraschungen.“

Das Streusalzsilo in den Serpentinen vor Monschau gehört bald nicht mehr zum Programm der Rundreise. 100 Tonnen fasst das Silo, und Dietmar Prinz kontrolliert, dass immer genug Vorrat vorhanden ist. An diesem vorfrühlingshaften Tag gibt es hier eine andere Kleinigkeit zu erledigen. Im Bach liegen zwei Müllsäcke, die der Streckenwärter schnell und kommentarlos herausfischt.

Das ist leider Alltagsgeschäft. Tags zuvor hat er eine Reihe von Veranstaltungsplakaten eingesammelt, die an der freien Strecke aufgehängt worden waren. Das ist nicht erlaubt, kommt aber ständig vor. Dass allerdings jemand gut ein Dutzend Computer in einer Böschung bei Gut Kalkhäuschen entsorgt hat, gehört schon zu den starken Stücken.

Das Frühjahr bringt gewöhnlich wild entsorgten Müll ans Licht. Fernseher, Reifen und Mobiliar finden sich in den Böschungen oder auch gleich sechs Kühlschränke auf einen Schlag wie zuletzt in der Imgenbroicher Grünentalstraße. Dietmar Prinz möchte es am liebsten nicht zu laut sagen, „aber wenn die Leute schon Müll in die Landschaft werfen, dann sollten sie ihn wenigstens in einen Sack stopfen“, wünscht er sich.

Jeden Tag verfasst Dietmar Prinz einen Bericht — detailliert über jede Einzelheit. Das ist enorm wichtig, denn auf diese Weise kann die Straßenmeisterei bei Schadensforderungen immer belegen, dass eine regelmäßige Kontrolle stattgefunden hat. „Entscheidend ist immer die Frage, ob wir den Schaden hätten erkennen können.“ Zum Kontrollprogramm gehören auch Brückenbauwerke, Stützwände und Ampelanlagen.

Jetzt im Frühjahr sind wieder Fahrbahnaufbrüche an der Tagesordnung. „Da ist plötzlich morgens ein Loch in der Straße, wo ein Versorgungsunternehmen buddelt.“ Solche Löcher interessieren die Straßenmeisterei, vor allem deshalb weil sie vorschriftsmäßig beschildert und abgesichert werden müssen. Externe Firmen, so zeigt die Erfahrung, sehen die Prioritäten oft ein wenig anders.

Wenn der Sommer kommt, verlagern sich die Schwerpunkte ein wenig. Dann wächst den Mitarbeitern der Straßenmeisterei regelrecht das Gras über Kopf oder Hecken und Bäume ragen soweit in die Straße, dass das so genannte Lichtraumprofil nicht mehr gegeben ist. Hier gilt es, mit Feingefühl die Bürger davon zu überzeugen, dass sie gegebenenfalls für den Rückschnitt zuständig sind.

Wenn Dietmar Prinz auf Streckenkontrolle geht, dann ist er zwischen 120 und 150 Kilometer am Tag unterwegs. Oft erlebt er dabei kleine Abenteuer, aber davon merken die anderen Verkehrsteilnehmer überhaupt nichts.