Sanierung des Rursammlers in Monschau geht in die zweite Halbzeit

Nadelöhr in Monschau : Millionenschwere Sanierung des Rursammlers geht in die zweite Halbzeit

Es sind „nur“ knapp 700 Meter neuer Kanal, die bei einer normalen Baumaßnahme gleichsam Tagesgeschäft wären. Die Lage im Trinkwassereinzugsgebiet und in der historischen Altstadt sowie der Tourismus und die direkte Beteiligung von rund 70 Haushalten machen die 3,5 Millionen Euro schwere Sanierung des sogenannten „Rursammlers“ jedoch zur bedeutensten Baumaßnahme der Stadt Monschau seit Jahren.

Bei einem Baustellentermin zogen alle beteiligten Behörden und Verbände sowie das bauleitende Ingenieurbüro und die Stadt Monschau nun eine Art Zwischenbilanz und blickten besonders auf die Maßnahmen, die 2019 auf dem Programm stehen.

Bürgermeisterin Margareta Ritter räumte ein, dass die Großbaustelle eine Belastung für Hotellerie, Gastronomie und Bewohner darstelle, „aber wir müssen auch den Mehrwert für unser Trinkwasser und das äußere Erscheinungsbild der Altstadt sehen“, sagte sie vor den Vertretern der Bezirksregierung und des NRW-Umweltministeriums, des Wasserverbandes Eifel-Rur und der Wassergewinnungsgesellschaft WAG sowie des Ingenieurbüros und des städtischen Bauamtes. Die Bürgermeisterin erinnerte daran, dass es bereits 2003 einen Bewilligungsbescheid für die Sanierung des Rursammlers gegeben habe, „doch damals wurde das Projekt nicht angepackt“, so Ritter.

Sie bedankte sich bei allen Entscheidungsträgern, dass dies dann 2016 einstimmig („Es war fünf vor zwölf“) nachgeholt wurde und jetzt angepackt wird.

Im Bett der Rur verlegt

Zwischen Stadtstraße und Rosenthal fließen, beinahe unbemerkt, seit 45 Jahren die Abwässer der Stadt Monschau durch den sogenannten Rursammler, einen Kanalabschnitt, der größtenteils im Bett der Rur verlegt wurde. Mit großem Aufwand, Sprengungen im Gestein der Rur und jeder Menge Beton wurde die Kanalisation in den 1970er Jahren auf den damals neuesten Stand der Technik gebracht. Da der Rur in Bezug auf die Trinkwasserversorgung der Städteregion eine besondere Bedeutung zukommt, wurden der Hauptkanal und die vielen Hausanschlüsse regelmäßig mit TV-Kameras inspiziert.

„Bei Untersuchungen unseres Büros wurde dann deutlich, dass im alten Sammler vor allem über die Schächte in der Rur und über die Anschlussleitungen der anliegenden Häuser sogenanntes Fremdwasser, welches aufgrund seiner Herkunft und Zusammensetzung nicht in einer Kläranlage gereinigt werden muss, in den Kanal eindringt. „Durch den Einfluss des Fremdwassers werden der Kanal und das Klärwerk Rosenthal also unnötig belastet“, erläuterte Georg Vosen vom Ingenieurbüro Berg & Partner, das 2016 den Großauftrag für die Planung der Sanierungsmaßnahme erhielt. „Der Kanalabschnitt in der Rur birgt ein ökologisches und ökonomisches Gefahrenpotenzial, das wir mit der Sanierung aufheben möchten“, so Vosen.

Die Rur war bisher das Herzstück der Abwasserentsorgung in der Monschauer Altstadt, wenngleich direkt nur Nierderschlagswasser eingeleitet wurde. Im Bett des Flüsschens verläuft aber noch der Rursammler, der auch Schmutzwasser ins Rosental führt. Foto: Heiner Schepp

Die Sanierung des Rursammlers ist ein sehr komplexes Vorhaben. Hauptelement der Planung ist die weitgehende Stilllegung des Sammlers. Durch Schaffung einer neuen Kanalisation in den Monschauer Straßen wird der Sammler auf rund 60 Prozent seiner jetzigen Länge ersetzt werden können. „Der Kanalbau in den engen Straßen der Altstadt stellt allein schon wegen der räumlichen Enge und der umfangreichen Verkehrs- und Rettungswegeplanung eine Herausforderung dar. Außerdem sind rund 90 Grundstücksanschlüsse umzuplanen und am neuen Kanal anzuschließen“, sagte der Projektleiter des Aachener Büros.

Dazu komme die von der Stadt Monschau vorgegebene Bauzeit von Januar bis Mai. Die Stadt Monschau sei als Haupttourismusziel in der Eifel bestrebt, in den tourismusreichen Monaten von Juni bis Dezember ohne Baumaßnahmen auszukommen. „Unsere Planung zielte deswegen von Beginn an auf modular gewählte Bauabschnitte ab. In diesem Jahr beginnen wir mit dem zweiten von insgesamt drei Bauabschnitten“, blickte Georg Vosen nach vorne.

2019 wird ein entscheidender Schritt vollzogen: Der alte Rursammler soll teilweise stillgelegt werden. Das Abwasser wird in Zukunft nicht mehr unter der Rur abgeführt, sondern auf der Straßenseite der anliegenden Häuser. Das spektakulärste Vorhaben ist aber sicherlich die Installation einer Schmutzwasserpumpstation an Richters Eck in fast sechs Metern Tiefe. Während die Pumpstation und die Brückenabhängungen, die das Abwasser hinter der Pumpstation auf die andere Seite der Rur führen sollen, bis Ende Mai fertig gestellt werden, können die Sanierungsarbeiten im Rurbett im Herbst mit einem besonders hochwertigen Sanierungsverfahren durchgeführt werden.

Insgesamt gibt es aktuell 26 sichtbare Schächte in der Rur, von denen nach Abschluss aller Maßnahmen nur noch vier Schächte zwischen Markt und Rosenthal sichtbar übrigbleiben werden. „Die zurzeit unschönen und klobigen Schachtabdeckungen werden wir neu gestalten. Darüber hinaus wird man vom alten Sammler und seinen Schachtbauwerken aber nichts mehr sehen“, ist Georg Vosen überzeugt.

Ergebnis unsichtbar

Nach Abschluss der Bauarbeiten bleibt das Ergebnis für Besucher der Stadt nahezu unsichtbar. Sicht- und spürbar bleiben die integrativen Baumaßnahmen: Das Pflaster der Stadt wird in großen Teilen neu verlegt und barrierefrei. Außerdem soll gegenüber des Auklosters an der Ufermauer der Eschbachstraße eine Verweilplattform eingerichtet werden, die die Rur noch unmittelbarer erlebbar machen soll. „Obwohl sich die Rur durch die ganze Stadt zieht, kann man nirgendwo ans Wasser. Dies möchten wir mit der Plattform und sogenannten Trittsteinen ändern“, erklärte Margareta Ritter.

„Wir sind noch nicht ganz bei der Hälfte der Maßnahme angelangt“, räumte Projektleiter Georg Vosen am Ende der Baustellenbesichtigung ein und sprach von einer Ausweitung des Zeitplans ins Jahr 2020 hinein. Dies sei in erster Linie dem langen Winter Anfang 2018 geschuldet, meinte der Diplom-Ingenieur, und Margareta Ritter blickte optimistisch nach vorne: „Wir hoffen, dass das Wetter in den kommenden Wochen und Monaten auf unserer Seite ist.“

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