Stadtkirche Monschau: Saisonstart der Kammermusikreihe „Montjoie Musicale“

Stadtkirche Monschau : Saisonstart der Kammermusikreihe „Montjoie Musicale“

Atmosphärisch besonders gelungen begann die neue Spielzeit der Kammermusikreihe „Montjoie Musicale“, diesmal in der Evangelischen Stadtkirche Monschau. Pfarrer Jens-Peter Bentzin zeigte sich erfreut darüber, dass „seine“ Kirche wieder einmal ins Konzertleben der Stadt einbezogen wurde.

Und der künstlerische Leiter der Konzerte, Florian Koltun, hob hervor, dass es ihm darum gehe, alle besonderen Räume in der Stadt einzubeziehen. Da Musik eine Sprache sei, der es gelinge, Grenzen zu überwinden, sei es ihm ein Anliegen, kulturelle Angebote für jeden und jede zu entwickeln und alle Kapazitäten, die eine attraktive kleine Stadt wie Monschau habe, zu nutzen.

Zur Besonderheit dieses Konzertnachmittags trug vor allem das beteiligte musikalische Ensemble bei. Es war die Berliner Camerata, eine Gruppe junger Musiker unter Leitung der Geigerin Olga Pak, von deren bereits weithin gerühmten Qualitäten sich die zahlreichen Zuhörer des Konzerts überzeugen konnten.

Ins Auge fiel rein äußerlich, dass die Mitglieder dieses Streichorchesters, bis auf die Cellisten, stehend musizierten. Allein dies brachte eine gesteigerte Aufmerksamkeit des Publikums für die Künstler mit sich.

Seltene Streicherserenade

Auffällig auch die Tatsache, dass das Ensemble offenkundig mit Künstlern „aus aller Herren Länder“ besetzt war, was vielleicht gerade die besondere Lebendigkeit und Verve der Darbietungen bewirkte.

Auch das Programm brachte einiges Besondere. Da war zunächst eine Streicherserenade des bei uns leider kaum bekannten, früh verstorbenen polnischen Komponisten Mieczysaw Karowicz, der um das Jahr 1900 lebte.

Die Darbietung durch die Berliner Camerata machte in überzeugender Weise auf das Werk aufmerksam, das spätromantische Einflüsse und Elemente der polnischen Folklore verbindet. Schade war, dass viele Besucher mit den Üblichkeiten klassischer Darbietungen wenig vertraut schienen, immer wieder zwischen den Sätzen Beifall klatschten und so den Sinnbogen gerade dieses Werks empfindlich störten.

Weniger fiel das bei dem solistischen Werk des Nachmittags, dem bekannten Klavierkonzert A-Dur KV 414 von Wolfgang Amadeus Mozart, ins Gewicht.

Der lettische Pianist Andrejs Osokins war hier ganz in seinem Element und konnte auf einem, wie man hörte, „nagelneuen“ Steinway alle Register seines Könnens ziehen. Merkwürdigerweise machte aber bei seinem Auftritt weniger das Klavierkonzert Eindruck als vielmehr die beiden Zugaben, die der Künstler gewährte.

Da war einmal der berühmte „türkische Marsch“ aus Mozarts Klaviersonate A-Dur KV 331, den Osokins mit einer atemberaubenden — und beinahe das Unseriöse streifenden — Geschwindigkeit darbot, dabei aber — und das war das Erstaunliche — das Stück jederzeit durchsichtig und strukturiert erklingen ließ.

Das Gleiche lässt sich sagen über die zweite Zugabe, einer Liszt’schen Bearbeitung von Robert Schumanns Lied „Widmung“. Auch hier hörte man eine hoch gespannte Virtuosität, die aber das Musikalische nicht verschwinden ließ.

Das Schlussstück legte wieder alle Konzentration auf die Berliner Camerata selbst. Und hier gab es dann wieder etwas Besonderes, nämlich eine Streicherfassung eines Streichquartetts von Edvard Grieg.

Konnte man im Vorfeld gewisse Zweifel anmelden, ob es gelingen könnte, die Gattung des Quartetts auf Orchestergröße zu erweitern, muss man sagen, dass es die Camerata geschafft hat, in ihrer Darbietung ein neues, leidenschaftliches und zu Herzen gehendes Werk zu kreieren.

Offenbar war den jungen Künstlern dieses Werk besonders wichtig, da hier auf einmal gewisse Rauheiten des Tons und des Zusammenspiels völlig verschwunden waren.

Florian Koltun gab noch eine kurze Vorschau auf die Konzerte der neuen Spielzeit, die unter anderem einen Auftritt des Aachener Sinfonieorchesters verspricht.

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