Rursee-Schiff-Fahrt: Beginn der Saison in der Eifel rückt näher

Schifffahrt am Rursee : Ein neuer Anstrich für die Stella Maris

Die Stella Maris liegt ruhig im Wasser, die Sonne strahlt vom Himmel. Es weht kaum Wind am Ufer des Rursees. Plötzlich wird das Vögelzwitschern von einem Poltern im Innern des Schiffes unterbrochen.

Ein Arbeiter hat lautstark den Tisch auf dem Boden abgelegt, den er zuvor auf das Unterdeck gebracht hat. Dort steht Klaus Blumberg, der die Arbeiten auf seiner Stella Maris koordiniert. Schließlich ist bis zum Saisonbeginn noch einiges zu tun.

Blumberg ist Kapitän des größten Passagierschiffes, außerdem leitet er die Schifffahrt auf dem Rursee. In dieser Winterpause stand besonders viel Arbeit an – das Wort „Pause“ traf somit nur auf den Betrieb, nicht aber auf das Arbeitspensum zu. „Wir haben die Stella Maris von Oktober bis Dezember auf dem Land stehen gehabt und dort generalüberholt“, erklärt Blumberg.

Die Oberdecks wurden mit viel Aufwand gesandstrahlt. So konnte die dicke Farbschicht, die sich in den vergangenen Jahren gebildet hatte, abgetragen werden. Dieses Verfahren ist zeitaufwendig, aber deutlich effektiver. „Sonst wird nur geschliffen und wieder gestrichen, aber dadurch wurde der Boden uneben“, weiß Blumberg. Irgendwann sei Zeit für einen Rundumschlag.

„Stella Maris“ mit neuem Anstrich zum Saisonstart

Aber gerade weil der Sandstrahl alles bis auf den Grund reinigt, ist im Anschluss ein langer Prozess nötig. Böden, Wände und Decken müssen komplett neu gestrichen werden – fünf Farbschichten pro Fläche. „Wir haben alle dabei geholfen, weil es so viel Arbeit ist“, berichtet Blumberg, „aber das Weiße hat sich unser Anstreicher vorbehalten“.

Dieser Anstreicher ist Rudolf Baum, ebenfalls Kapitän. Eine Eigenschaft unterscheidet ihn allerdings von seinen Kollegen: Er ist gelernter Maler und Lackierer. Den „Platz an der Sonne“, wie er seinen Arbeitsplatz nennt, hat er seit Oktober nicht mehr verlassen. Penibel genau trägt er grüne Farbe an der Außenfassade auf. „Ich muss hier eine ganz gerade Linie ziehen“, sagt er und hebt seinen Blick nicht von der Stelle an der Schiffswand. Etwa vier Stunden dauert es, bis die Farbe staubtrocken ist. Durchgehärtet ist sie erst nach ein paar Tagen. Das macht die Arbeit so zeitintensiv.

Klaus Blumberg, Leiter des Bereiches Rursee, bei den letzten Handgriffen. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Zeitprobleme haben Klaus Blumberg und sein Team aber nicht. „Es kann zwar nur bei schönem, trockenem und frostfreiem Wetter gestrichen werden, aber die Sonne hat uns viel Druck genommen“, resümiert er. Der Saisonbeginn sei nie in Gefahr gewesen. Dazu komme, dass der Start aufgrund des späten Osterfestes in diesem Jahr ungewöhnlich spät liege. Trotzdem stehen noch einige Arbeiten an: Die Crew muss in den nächsten Tagen das Chaos aus Werkzeug und Putzutensilien beseitigen, damit dann richtig sauber gemacht werden kann.

„Der Staub vom Sandtrahlen ist wirklich in jede Ritze gedrungen“, klagt Blumberg. Deshalb kommen nach der Montage der letzten Bänke und Tische noch die Putzfrauen. „Wir Männer machen das Grobe, aber für das Feine brauchen wir die Damen“, gibt der Kapitän lachend zu. Die Tische stellen in diesem Jahr übrigens auch eine Besonderheit dar: Die Oberdecks zieren neue Tische, die leichter und weniger sperrig sind.

Noch herrscht ein wenig Chaos im Innern des Schiffes, bald werden dort wieder die Besucher Platz nehmen. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Damit die Besucher diese dann auch sinnvoll nutzen können, fehlt noch die Lieferung der Getränke. „Die Eislieferung war aber schon da, für gutes Wetter sind wir gerüstet“, berichtet Blumberg. Während er mit seinen Sicherheitsschuhen und der blauen Arbeitskleidung über das Mitteldeck geht, fallen ihm immer wieder Kleinigkeiten auf. „Da fehlen noch die Lautsprecher“, sagt er. Oder aber: „Hier kommen noch Bänke hin.“

Am Tag, bevor der Startschuss fällt, stehen für das Team dann Erste Hilfe und Sicherheitsunterweisung auf dem Programm. Klaus Blumberg freut sich schon wieder auf die Schifffahrtssaison. „Wir haben einen super Wasserstand und die Landschaft ist jedes Jahr anders“, schwärmt er. Blumberg erinnert sich sogar an eine erste Fahrt bei Schnee, doch in diesem Jahr ist er zuversichtlich, dass das Wetter mitspielt.

Auch Rudolf Baum ist als Kapitän auf dem Obersee die ganze Saison auf dem Wasser unterwegs. „Das Schönste ist, dass bald alles in die Blüte kommt“, erzählt er. Die Jahreszeiten und die Entwicklung der Natur mitzuerleben, sei für ihn sehr besonders. Er ist froh, wenn er den Pinsel wieder gegen das Steuerrad eintauschen kann.

Die Stella Maris wird in der kommenden Woche grunderneuert in See stechen. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Rund 500 Liter Farbe, 39 Tische und acht Schrauben pro Bank später wird es so weit sein. Dann ist die Stella Maris bereit für ihren ersten Einsatz in diesem Jahr. Am Samstag, 13. April, startet die neue Saison. Jetzt fehlt laut Klaus Blumberg nur noch eins: „Meine persönliche Vorbereitung, ich muss dringend noch zum Friseur!“

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