Monschau/Eupen: Rund 1000 Hektar Venn sind verbrannt

Monschau/Eupen: Rund 1000 Hektar Venn sind verbrannt

Das Feuer im Hohen Venn ist seit Dienstagmorgen unter Kontrolle. Das hat Claudy Marchal, Eupener Feuerwehrkommandant, gegenüber unserer Zeitung erklärt, auch wenn am Morgen noch zwei Hektar des Hochmoors in Flammen standen.

Im Verlaufe des Tages wurde die Moorlandschaft mit einem Hubschrauber der Föderalen Polizei überflogen, um das genaue Ausmaß der Zerstörung zu erkunden. Betroffen sind nach Angaben der Eupener Feuerwehr rund 1000 Hektar. Das sind ungefähr 1500 Fußballfelder und fast ein Viertel des wallonischen Venns.

Das Feuer war am Montagnachmittag ausgebrochen. Bei starkem Wind konnten sich die Flammen in der von der Sonne ausgedörrten Vennlandschaft rasch ausbreiten. Die dunklen Rauchsäulen, die in den strahlend blauen Himmel stiegen, waren weithin zu sehen, zeitweise sogar bis nach Aachen. Die Lage spitzte sich am Abend zu, weil der böige Nordost-Wind die Flammen auf die Ortschaft Sourbrodt zutrieb. Dann drehte der Wind, so Claudy Marchal, das Feuer breitete sich in Richtung der Nationalstraße von Eupen nach Malmedy aus und kam der Straße „gefährlich nahe”. Besonders schwer betroffen wurde der Bereich um Baraque Michel, wo alles schwarz versengt ist. Die Gegend war vorsorglich evakuiert worden.

Schlechte Sicht

Starker Wind, unwegsames Gelände und lange Wege, um Schläuche für das Löschwasser zu verlegen, erschwerten die Arbeit der rund 350 Feuerwehrmänner. Auch waren etwa 200 Hilfskräfte aus der Städteregion Aachen im Einsatz. Die Unterstützung durch den Hubschrauber musste um 20 Uhr abgebrochen werden, weil der Wind zu stark und die Sichtverhältnisse immer schlechter wurden.

Auf deutscher Seite wurden starke Kräfte aus dem Raum Köln und Bergheim die ganze Nacht in Bereitschaft gehalten. Eingreifen mussten sie nicht und konnten am Dienstagvormittag wieder abrücken. „Wir haben die Leute nett verpflegt”, berichtete Marlis Cremer, Abteilungsleiterin Rettungswesen der Städteregion in der Leitstelle in Simmerath. Dort stehen auch schon die 5000-Liter-Tanks bereit, sollte sich die Bezirksregierung Köln entschließen, den belgischen Nachbarn mit Bundeswehrhubschraubern aus Rheine unter die Arme zu greifen, um die immer wieder aufflackernden Brandnester aus der Luft zu löschen.

Erste Ermittlungen haben, so Feuerwehrkommandant Marchal, ergeben, dass Unachtsamkeit vermutlich der Auslöser gewesen ist. Es gebe Anzeichen, dass das Feuer am Rande eines Weges entstanden sei, obwohl das Hohe Venn bereits seit Tagen wegen der akuten Brandgefahr mit roten Fahnen für Wanderer gesperrt ist. Von vorsätzlicher Brandstiftung wollte Claudy Marchal nicht sprechen, auch wenn am späten Montagabend nach Informationen des Belgischen Rundfunks zwei Brandherde entdeckt worden waren, die vorsätzlich gelegt worden sind. Sie konnten rasch gelöscht werden.

Zwei Feuerwehrleute sind bei den Löscharbeiten verletzt worden. Einer musste mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Ein zweiter stürzte im unwegsamen Gelände unglücklich.

Feuerwehrmänner sprachen am Dienstag von einem „Inferno” und dem größten Vennbrand seit mehr als 60 Jahren. Für Rene Dahmen, Leiter des Forstamtes in Elsenborn, hätte alles „noch viel, viel schlimmer kommen können”. Dass die Natur Glück im Unglück gehabt habe, mochte Dahmen so nicht bestätigen: „Nein, Glück war das nicht. Im Gegenteil, es waren wegen des starken und ständig drehenden Windes und wegen des unwegsamen Geländes die schlechtesten Bedingungen, die man sich vorstellen kann.”

Dennoch wird sich die Natur nach Dahmens Einschätzung relativ rasch erholen. Pfeifengras und Heidekraut würden schnell nachwachsen. Bei den Laubbäumen werde es etwas länger dauern. Viele Kleinlebewesen seien ums Leben gekommen und viele Bodenbrüter hätten ihre Nester verloren. Dahmen: „Diese Vögel werden aber ein zweites Mal brüten.”

Um von Glück zu sprechen, sei die verbrannte Fläche einfach zu groß gewesen. Das aktive Hochmoor, der Teil also, der noch wächst, und die umliegenden Wälder blieben verschont. Also doch in gewisser Weise ein Glücksfall.

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