Schleiden-Vogelsang: Rückkehr des Wolfes: Auch die Eifel erwartet Isegrim

Schleiden-Vogelsang : Rückkehr des Wolfes: Auch die Eifel erwartet Isegrim

Mit gemischten Gefühlen wird die Rückkehr des Wolfes nach Nordrhein-Westfalen (NRW), speziell natürlich auch in die Eifel, erwartet. Wann die Rückkehr tatsächlich stattfinden wird, das kann nicht vorhergesagt werden.

Wie emotionsreich das Thema jedoch bereits ist, zeigte ein Vortrag, der vergangene Woche in einem Seminarraum des Nationalparks Eifel in Vogelsang mit anschließender Podiumsdiskussion über die Bühne ging.

Der Saal platzte aus allen Nähten, so gut war er besucht. Katharina Stenglein, Wolfsfachfrau und Diplom-Biologin beim NABU, gab den vielen Zuhörern zunächst Fakten an die Hand. 2016/17 wurden 60 Rudel, darunter 13 Paare, zum großen Teil im Osten und Nordwesten der Bundesrepublik, wahrgenommen. In Niedersachsen leben 15 Rudel. 33 Nachweise gibt es in NRW. Haben sich Paare einmal gefunden, bleiben sie in der Regel lebenslang zusammen. Die Welpen kommen meist im Mai auf die Welt. Stenglein: „Ein Tier namens ,Kurti‘ wurde der Natur vor einiger Zeit entnommen, weil Kurti Interesse an den Hunden der Spaziergänger in seiner Nähe zeigte.“

Ist die Jagd erlaubt

Spätestens an dieser Stelle wird das Thema emotional. Denn ab wann darf der in Deutschland eigentlich streng geschützte Wolf geschossen, also der Natur entnommen werden? Und von wem? Die Wildbestände, ausgenommen allerdings beispielsweise das Niederwild, befinden sich auf einem historischen Höchststand. Da kommt der große Beutegreifer gerade recht.

Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW, sagt dazu: „Es kann nicht sein, dass der menschliche Jäger der Höchste in der Nahrungskette ist. Der Wolf wird sich an den schwächeren, etwa kranken und jungen Tieren in der Natur bedienen, er passt zu uns.“ Allerdings waren sich die Fachleute, dazu zählte auch Andreas Schenk vom Bundesverband der Berufsschäfer, einig, dass Haus- und Herdentiere geschützt werden müssen.

Denn, das erklärte Dr. Franz Weyermann vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband: „Ohne den schonenden Einsatz von Schafen und Rindern in der Landschaftspflege oder im Vertragsnaturschutz ist erfolgreicher Artenschutz kaum mehr denkbar.“ Schenk rechnete allerdings eine fünfstellige Summe vor, würde eine Schafherde etwa mit einer notwendigen Anzahl von Herdenschutzhunden ausgerüstet.

Einig waren sich die Anwesenden: „Sorgen und Ängste der ländlichen Bevölkerung und der Nutztierhalter müssen ernst genommen werden.“

Die Frage, was die Jagd der Wölfe angehe, richtete der Moderator ausgerechnet zunächst an Dr. Michael Röös, den Leiter der Nationalparkverwaltung. Röös: „In den USA leben in Nationalparks derart viele Wölfe, so dass sie gar nicht mehr auf der Roten Liste stehen.“ Er hält es für richtig, sich die Vorgänge in den Nachbarländern wie etwa Frankreich anzuschauen und aus den Erfahrungen anderer Regionen zu lernen und dementsprechend zu reagieren.

Gregor Klar vom Landesjagdverband: „Doch in Deutschland sind die Zahlen noch derart gering, dass es momentan keine Diskussion um die Bejagung geben kann.“ Es sei denn, ein Wolf werde verhaltensauffällig. Aber auch hier scheiden sich die Geister, denn diese Definition ist relativ. Unter dem Strich gilt NRW derzeit als Wolfserwartungsland. Gregor Klar: „In Deutschland wird es Bereiche geben, wo der Wolf leben kann und wo er nicht leben kann.“

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