Roetgener Resolution zu Hochwasserrückhaltebecken

Roetgener Resolution zu Hochwasserrückhaltebecken : Der Gemeinderat will noch mal reden

Ein bisschen klingt im Gemeinderat das „Meine Seite, deine Seite“-Argument an, als es um das Hochwasserrückhaltebecken im Verlauf des Vichtbachs geht. Nützen tut der Hochwasserschutz nämlich mehreren Gebieten: Vicht, Zweifall, der belgischen Seite und eben Roetgen. Gebaut werden soll er aber auf Roetgener Gemeindegebiet. Ja, man könne sich natürlich nicht raustun, aber …, startet Klaus Onasch (SPD).

„Ich glaube, dass es notwendig ist, Schutz für Stolberg von Roetgener Gebiet aus zu schaffen“, sagt Onasch. „Wenn, dann müssen aber alle – in Anführungszeichen – leiden, nicht nur die Roetgener.“ Das sei ein Gebot der Fairness.

Dass es einen Bedarf für einen Regenwasserrückhalt gibt, das wird nicht angezweifelt. Jedoch: Die Planung des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER) sieht vor, ein Becken am Vichtbach in Rott mit 880.000 Kubikmetern Fassung zu errichten. Das zweite soll bei Mulartshütte entstehen und 440.000 Kubikmeter fassen. „Keine Becken, die sich zart in die Landschaft einfügen“, sagt Onasch, und damit dürfte er richtig liegen. Das größere der beiden geplanten Becken entspricht immerhin dem Stauraum der Monschauer Perlenbachtalsperre. Den beiden Standorten seien entsprechende Vorstudien zur Machbarkeit vorangegangen, heißt es vonseiten des WVER.

Hintergrund der geplanten Maßnahme zum Hochwasserschutz ist, dass laut WVER die derzeitigen Schutzmaßnahmen bei Weitem nicht ausreichten. So rechnet der Wasserverband bei einem Jahrhunderthochwasser mit Schäden in Höhe von fast 50 Millionen Euro.

Die SPD hat im Gemeinderat nun eine Resolution eingebracht. Sie ist an die Umweltministerin des Landes NRW gerichtet und fordert sie auf, sich dafür einzusetzen, dass die „Diskussion über die Lage von Rückhalteräumen ohne Tabus ergebnisoffen geführt wird, mit dem Ziel, die Eingriffe in das bisher weitgehend naturbelassene Vichtbachtal zu minimieren“. Die Resolution wurde im Roetgener Gemeinderat einstimmig verabschiedet.

Was nun passiert, ist noch nicht ganz klar. Zunächst einmal werden die Fraktionsvorsitzenden und der Bürgermeister von Roetgen die Resolution unterschreiben, dann geht sie ans NRW-Umweltministerium, an die Bezirksregierung, an die Städteregion und an die Städteregionstag-Fraktionen, wie uns die Gemeindeverwaltung sagt. Man erhoffe sich davon, dass die Kommunikation zwischen Bezirksregierung und WVER angestoßen werde, heißt es weiter. Die Resolution hat jedoch keine rechtlich bindenden Folgen, sie ist lediglich die Erklärung eines Gremiums, das damit eine für sich wichtige Position vertreten und hervorheben möchte. Man sei aber zuversichtlich, dass man bald eine Rückmeldung bekommen werde, sagt die Roetgener Verwaltung.

Die „Ergebnisoffenheit“, von der in der Resolution die Rede ist, bezieht sich natürlich auf mögliche andere Lösungen. Die Rede ist da zum Beispiel, die Becken erheblich zu verkleinern, die Stolberger Seite mit in die Planung einzubeziehen oder gar ganz auf eines der beiden Becken zu verzichten. Zwei weitere Vorschläge seien bereits vom WVER abgelehnt worden: Wenigstens Teile des notwendigen Rückhaltevolumens im Bereich der Dreilägerbachtalsperre zu realisieren und Wasser aus dem Wesereinzugsgebiet, das bisher über den Weserstollen in den Vichtbach eingeleitet wird, im Wesereinzugsgebiet zu belassen und somit den Vichtbach zu entlasten.

Alle Punkte sollen, wenn es nach den Fraktionen im Roetgener Gemeinderat geht, noch einmal mit in die Überlegungen einbezogen werden. Eine endgültige Entscheidung steht also noch aus – das Planungsfeststellungsverfahren soll, nach mehrfachen Änderungen und immer anderen Daten, aber auch erst im Jahr 2020 beginnen.

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