Roetgen: Roetgener Rat auf der Suche nach der Mehrheit

Roetgen: Roetgener Rat auf der Suche nach der Mehrheit

In der Roetgener Kommunalpolitik ist es zur Zeit vordergründig ruhig. Hinter den Kulissen ist allerdings mit Blick auf die konstituierende Sitzung des neugewählten Gemeinderates am 27. Oktober einiges in Bewegung.

Es geht um Ausschussvorsitze, Ausschussgrößen und die Vertretung der Gemeinde in verschiedenen Gremien. Ein erstes interfraktionelles Gespräch hat es Mitte vergangener Woche gegeben. Es war ein „Schlagabtausch”, wie CDU-Fraktionschef Michael Seidel betonte. Danach sei der Ton allerdings sehr schnell sachlich und freundlich geworden, so der Christdemokrat.

Es soll sogar in den Konferenzzimmern richtig menscheln, denn, so Seidel: „Wir hatten auch einen langen Abend mit der UWG. Dabei haben wir festgestellt, dass unsere Gemeinsamkeiten bei 90 Prozent liegen und es nur ein, zwei Knackpunkte gibt.”

Jeder redet also mit jedem und alle reden miteinander. So auch am Mittwochabend, wenn der konzertierte Personalpoker in die zweite Runde geht. Grundlage sollen die Beschlüsse der einzelnen Fraktionen sein, die am Montag mit den Forderungen und Wünschen der politisch Andersgläubigen konfrontiert worden sind.

Listenverbindungen stehen angeblich nicht zur Debatte, auch wenn, so behaupten Insider, die Annäherung zwischen SPD und UWG stärker ist als die zur ehemaligen Jamaika-Koalition. Und auf der anderen Seite soll sich die Union stärker zu ihren ehemaligen Koalitionspartnern Grüne und FDP hingezogen fühlen als zu SPD oder UWG.

Silvia Bourceau, Fraktionschefin der UWG, hüllt sich in Schweigen. Nichts gebe es zu berichten, erklärt sie, verweist auf die Runde am Abend und die Internetseite der UWG. Einige man sich über das Personaltableau nicht im Vorfeld, ist dort unter anderem zu lesen, dann müsse man über jede Personalie in einem gesonderten Wahlgang entscheiden.

Diese Prozedur wollen sich wohl alle Fraktionen ersparen, weil sie auch etwas mit Roulette zu tun hat. In diesem Punkte stehen die Zeichen offenbar auf Konsens. Diese Hoffnung hegt auch SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Onasch: „Wir sind dabei, die Auftaktsitzung des Rates interfraktiomnell vorzubereiten. Es gibt da noch ein paar Streitpunkte.”

Auf einem weiteren Feld sorgt die UWG auf ihrer Homepage bereits vor der ersten Ratssitzung für klare Verhältnisse: „Den Parteien wurde mitgeteilt, dass wir für die nächsten fünf Jahre keinerlei Kooperationen oder gar Bündnisse mit den etablierten Parteien eingehen werden, sondern unserem Motto, "der guten Idee zur Mehrheit verhelfen" treu bleiben werden.”

Diese Haltung der UWG ist für Onasch nicht neu. Es werde im neuen Rat keine Koalitionen geben, so der Sozialdemokrat, auch nicht zwischen SPD und CDU. Diese Konstellation hätte mit Blick auf die auslaufende Legislaturperiode in Roetgen und die politische Entwicklung in diesem, unserem Lande in der Tat einen gewissen morbiden Charme. Eine Kooperation mit einer Partei, deren Devise „Weiter so!” laute und die man bis vor wenigen Wochen als politischen Hauptgegner attackiert habe, sei nicht vermittelbar. Onasch: „Man kann ja auf vielfältige Weise beim Wähler Unverständnis auslösen.”

Wie es im Gemeinderat künftig in Sachfragen abläuft, lässt Klaus Onasch auf sich zukommen und hält es mit Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer: „Schaun mer mal!”

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