Roetgener Jugendbeirat in Berlin

Bildungsreise : Roetgener Jugendbeirat in Berlin

In der ersten Herbstferienwoche erfüllte sich der Roetgener Jugendbeirat einen lang ersehnten Wunsch und trat eine politische Bildungsreise nach Berlin an.

Seit Wochen hatten die Jugendlichen den fünftägigen Aufenthalt geplant: „Wir wollten eine schöne Zeit erleben und vor allem etwas dazulernen. Wir haben neben acht Jugendbeiratsmitgliedern auch zehn Jugendliche mitgenommen, die keine Mitglieder des Beirats sind“, erklärt Christian Rohn vom Roetgener Jugendbeirat.

Am ersten Abend besuchten die Jugendlichen das Berliner „Festival of Lights“ und begaben sich auf die Suche nach der besten Dönerbude der Welt. Am Montag stand eine Spreerundfahrt und der Besuch des ehemaligen Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen auf dem Programm. Ein Zeitzeuge, der in den 1980er Jahren die DDR über die bulgarisch-türkische Grenze verlassen wollte und selbst in einem Stasi-Gefängnis inhaftiert war, führte über das Gelände und stellte klar: „Hier drin geht die Seele kaputt.“

Der nächste Tag begann mit einem Besuch des „Tränenpalastes“, die Grenzübergangsstelle am Bahnhof Friedrichstraße im geteilten Deutschland. Die Tränen überkamen vor allem die ehemaligen DDR-Bürger, die keine Reisefreiheit in den Westen besaßen und dort ihre Verwandten, die verreisen durften, verabschieden mussten. Anschließend besuchten die Jugendlichen die SPD-Bundestagsabgeordnete Claudia Moll im Paul-Löbe-Haus. Bei der Gesprächsrunde konnten die Jugendlichen die Eschweiler Politikerin alles fragen, was sie von einem Mitglied des Bundestages erfahren wollten. Das Fragespektrum war groß: „Wie stehen sie zum Hambacher Forst?“, „Wie soll es in der Pflege in Deutschland weitergehen?“, „Wann stehen sie morgens auf?“, „Wie finden sie die GroKo?“, „Wie soll man in Zukunft mit der AfD umgehen?“

Die Jugendlichen erfuhren, dass die Abgeordnete bewusst in einen Berliner Stadtteil gezogen ist, wo keine anderen Abgeordneten leben: „Ich will mir da ja nicht denselben Verzäll wie hier anhören.“ Moll lobte die Jugendlichen aus Roetgen: „Die haben intelligentere Fragen gestellt als mancher Erwachsene. Ich werde den Beirat definitiv einmal in Roetgen besuchen.“ Ein Abendessen in der Bundestagskantine, ein Besuch im Plenarsaal und der Bundestagskuppel nach Einbruch der Dunkelheit rundete den Tag ab.

Für den dritten Tag der Bildungsreise hatte sich Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss zum Treffen angekündigt, der die Jugendfeuerwehr Roetgen nach Neumarkt in Sachsen zu einer befreundeten Feuerwehr begleitet hatte. Er bestärkte die Jugendlichen: „Ich finde diese Bildungsreise einfach gut. Alles ist selbst organisiert, niemand musste den Jugendbeirat dazu zwingen.“ Gemeinsam besuchte man das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg, was die Jugendlichen und den Bürgermeister bewegt zurück ließ. Klauss sagte: „Es wird einem einfach noch einmal bewusst, welche Verantwortung man noch heute mit sich trägt. Auch wenn man nicht persönlich involviert war und nicht schuldig an den Verbrechen des Holocausts ist, muss man eine Lehre daraus ziehen.“ Florian Rohn vom Jugendbeirat, der sich für den Besuch in Sachsenhausen eingesetzt hatte, war stolz, dass die Jugendlichen keine Angst vor dem Besuch der Gedenkstätte hatten: „Für uns stand von Anfang an fest, dass wir neben viel Freizeit auch politische Bildung erlangen wollten. Nur aus der Geschichte lernen wir. Egal, wie traurig es ist, nur so werden wir zu mündigen Bürgern mit eigenen politischen Meinungen. Geschichte braucht man, egal, wie dunkel sie ist.“

Die politische Bildungsreise, die mit einem Kinobesuch und einem Tag nur für Freizeit und Shoppen endete, bewertete der Jugendbeirat als „erfolgreich und abwechslungsreich“. „Wir würden auf jeden Fall wieder fahren. Es war viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt. Wir sind in unserer Identität als Jugendbeirat bestärkt und fahren mit vielen neuen Ideen zurück nach Hause“, so Florian Rohn.

(kfr)
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