Roetgen: Roetgener Flüchtlingsrat fühlt sich alleine gelassen

Roetgen: Roetgener Flüchtlingsrat fühlt sich alleine gelassen

„Was ist nur los in der Welt? Fünf Millionen Menschen sind auf der Flucht, verlassen ihre Heimat und suchen ihr Heil in der Fremde“, beschrieb Ingrid Karst-Feilen im Roetgener Sozialausschuss das derzeit wohl drängendste Thema der Weltpolitik.

Die Grünen-Vertreterin, die sich über ihre kommunalpolitischen Aktivitäten hinaus im Roetgener Flüchtlingsrat engagiert, hat aber auch eine optimistisch stimmende Entwicklung ausgemacht: „Wie die Menschen hier vor Ort und überall im Lande die Flüchtlinge aufnehmen, das ist sehr positiv“, hat sie eine „sich wandelnde Willkommenskultur“ ausgemacht. Das spüre sie auch bei der Arbeit des Flüchtlingsrates, „der in der Vergangenheit von manchen nicht immer so positiv gesehen wurde“, dessen Arbeit derzeit aber offensichtlich sehr viel Anerkennung finde, freute sich Karst-Feilen.

Der Roetgener Bildungs-, Generationen-, Sozial- und Sportausschuss hatte eigentlich „nur“ ein „Konzept zur Verbesserung der Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen“ zum Thema, doch es wurde eine fast einstündige, sehr sachliche Diskussion zur allgemeinen und aktuellen Flüchtlingsproblematik aus Roetgener Sicht.

Dirk Recker, Leiter des Roetgener Sozialamtes berichtete von aktuell drei Möglichkeiten der Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen. Das Übergangswohnheim wird zur Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen genutzt, die nicht länger als 48 Monate im Leistungsbezug stehen. Grundsätzlich sollen in diesem abgelegenen Gebäude nur männliche Einzelpersonen untergebracht werden. Eine Vollbelegung des herunter gekommenen Winkelbaus entspricht derzeit 31 Personen. „Es käme einer Verbesserung der Wohnverhältnisse gleich, wenn man die Belegung auf eine Mindestzahl von 19 Personen reduziert und darüber hinaus mit dem Gebäude Zuweisungsspitzen auffängt“, so die Verwaltung, die die Mindestzahl und Details zur Verbesserung der Lebensumstände im Gebäude in enger Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsrat erörtern möchte. „Die Reduzierung der Bewohneranzahl entlastet die Gemeinschaftsräume und die Ausstattung des Gebäudes (elektrische Geräte etc.) und würde zu einer Verbesserung der Sauberkeit des Gebäudes führen“, ist die Gemeindeverwaltung überzeugt.

Allerdings bedarf es vor einer Reduzierung der Plätze am Kuhberg neuer Unterbringungsmöglichkeiten. Solche wurden jetzt mit der Anmietung der Pfarrhäuser in Rott und Roetgen aufgetan. In Rott wurde eine Asylbewerberfamilie untergebracht, 58 Quadratmeter Wohnfläche stehen den Eltern und ihrem Kind zur Verfügung. In Roetgen wurden eine alleinerziehende Mutter mit einem Säugling und einem Kleinkind und ein alleinerziehender Vater mit seinem Sohn untergebracht. „Dort besteht die Möglichkeit, weitere Asylbewerber und Flüchtlinge unterzubringen.

Mit der Anmietung soll sichergestellt sein, dass Familien, Frauen und Kinder außerhalb des Übergangswohnheimes untergebracht werden können“, so das Sozialamt, das zu dem Fazit kommt: „Aufgrund der aktuellen Flüchtlingszahlen ist die Anmietung weiteren Wohnraums aber auch zur Entlastung des Übergangswohnheimes unbedingt erforderlich.“ Allerdings, so Dirk Recker, sei der Roetgener Wohnungsmarkt diesbezüglich „schwierig“, es gebe zu wenig kleine Wohnungen.

Von einem „Glücksfall“ sprach die Verwaltung bezüglich der künftigen Nutzung von Wohnraum im Jugendhaus Rott. Dort sei gemeindeeigener Wohnraum, gelegen im ersten Obergeschoss und im Dachgeschoss, kurzfristig freigeworden. Eine erste Besichtigung habe ergeben, dass dort auf über 200 Quadratmetern ca. 15 Personen untergebracht werden können. Franz-Josef Zwingmann (FDP) tat sich angesichts der räumlichen Enge etwas schwer, von einem „Glücksfall“ zu sprechen, doch David Giersberg (SPD), der bei der Stadt Aachen als Bezirkssozialarbeiter unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut, sprach von „ganz anderen räumlichen Verhältnissen“ in der Stadt oder auch in Oberforstbach.

Nach der letzten statistischen Mitteilung der Bezirksregierung hat die Gemeinde Roetgen derzeit insgesamt 30 Personen aufzunehmen, derzeit sind 26 Asylbewerber Roetgen zugewiesen. Zum Aufnahmesoll gehören nur Personen, deren Asylverfahren nicht abgeschlossen ist. Die anderen Flüchtlinge, deren Asylantrag abgelehnt wurde und die einen Duldungsstatus oder einen anderen Status haben, sind zusätzlich zu betreuen und unterzubringen. „Dieser Personenkreis wird bei den Landeszuschüssen nicht berücksichtigt“, erläuterte Dirk Recker und rechnete vor, dass das Sozialamt aktuell 23 abrechenbare Personen betreue sowie 17 Menschen, deren Asylverfahren abgelehnt ist und die einen anderen Aufenthaltsstatus haben.

„Die Unterbringung der Flüchtlinge führte in den letzten Monaten zu entsprechenden Mehrarbeiten im Sozialamt, aber beispielsweise auch beim Bauhof“, berichtete Dirk Recker, der sich finanziell vom Land im Stich gelassen fühlt: „Es gibt Bundesländer, die tragen 80 oder 100 Prozent der Kosten, die der Kommune durch Flüchtlinge entstehen. In NRW sind es gerade einmal 20 bis 25 Prozent.“ Auch bei der angesprochenen „professionellen Betreuung“ könne Roetgen derzeit kaum auf Unterstützung, beispielsweise durch die Städteregion Aachen hoffen: „Das ist Sache der Kommunen“, beschreibt er die Rechtslage.

Bei alledem fand Silvia Bourceau (UWG) dennoch zur positiven Gesamtbewertung einer schwierigen Situation: „Ich glaube, dass Flüchtlinge, die hier in Roetgen ankommen, noch gut aufgehoben sind. Und wir alle sind gefordert, ihre Situation weiter zu verbessern. Es ist jetzt eine gute Zeit, um Menschen zu helfen“, so Bourceau.

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