Rock in Rott: Musik von Bon Jovi, Linkin Park, Sting und Beatles

2. „Rock in Rott“-Festival : 3500 Musikfans in der Zeitmaschine

„Es hat alles gepasst“, zog Initiator Andreas Schindler am Samstagabend eine durchweg positive Bilanz: Rund 15 Stunden Rock und Pop aus 60 Jahren Musikgeschichte, fast 3500 Fans an zwei Tagen, professionelle Licht- und Tontechnik und eine ausgezeichnete Organisation haben die zweite Auflage von „Rock in Rott“ am Wochenende zu einem Festival der Superlative werden lassen.

Ganz getreu dem Namen des Festivals bildete der Freitag den rockigen Auftakt. Die italienische Tribute-Band Living Theory ließ mit Nu Metal, Alternative Rock, Alternative Metal und Synth Rock die Musik der US-amerikanischen Band Linkin Park und ihres 2017 verstorbenen, charismatischen Sängers Chester Bennington über das sonnengeflutete Festivalgelände in Rott dröhnen.

Roberto Marconi (Vocals), Enrico Mainetti (Vocals,Guitar,Keyboard), Fabrizio Amilcare (Lead Guitar), Giorgio Terenziani (Bass) und Drummer Fabio Perini, die seit Jahren quer durch Europa Festivals und Konzertsäle bereichern, ließen auch in Rott keine Fanwünsche offen und begeisterten mit Songs von Papercut bis In The End, von Castle of Glass bis Numb.

Zweiter Act am Eröffnungsabend war die Bon-Jovi-Tribute-Band Bounce, die seit fast 20 Jahren mit über 60 Konzerten im Jahr ebenfalls europaweit unterwegs ist. Nach Rott hatten die Jungs vom Niederrhein eine vergleichsweise kurze Anreise und lieferten am Mathworks-Sportpark eine wahre Energieleistung ab. Zwei Stunden lang ließen es Sänger Oli Henrichs und seine Jungs in Rott krachen und Hits wie Living on a prayer, It’s my Life oder Bed of Roses erklingen, stimmgewaltig vom textsicheren Publikum getragen.

Ein perfekter Sound und die atemberaubende Lichtshow (hier bei Regatta de Blanc) begleiteten die Auftritte der sechs Bands beim 2. Rock in Rott-Festival. Foto: H. Schepp

Nach dem rockigen Freitag war schon gut zwölf Stunden später „Chill-out“ angesagt. Bei fast karibischem Wetter zauberten Sebastian Sturm und seine Tribute-Band Marleys Ghost einen Hauch vom Summerjam-Festival auf die Rotter Wiese. „Stir it up“ und „No Woman, no cry“, „Could you be loved“, „One Love” und „Get up, stand up!”, Bob Marleys Aufruf zur Revolution in Haiti, hat die Band im Programm und setzte mit ihrem Reggae-Sound einen wunderbaren musikalischen Kontrapunkt.

Nachdem Bob Marleys Geist mehr als zwei Stunden lang über das Festivalgelände in Rott geweht hatte, verschaffte sich die CCR-Coverband René Innemee & the Revival Band Gehör. Die fünf Niederländer fühlen sich dem musikalischen Erbe der amerikanischen Swamprockband Creedence Clearwater Revival und vor allem deren hochkreativen Frontmann John Fogerty verpflichtet. René Innemee und seine Jungs gehören zu besseren CCR-Coverbands, was sie auch in Rott eindrucksvoll unter Beweis stellten. Sympathisch ist schon mal, dass sie sich nicht mit Cowboyhüten und karierten Hölzfällerhemden verkleiden, sondern ihr Augenmerk auf eine möglichst detailgetreue Wiedergabe der Fogerty-Kompositionen legen.

Initiator Andreas Schindler (ganz rechts) begrüßte auf der Bühne Vertreter jener sieben wohltätigen Vereine und Gruppen, die den Erlös des Festivals erhalten werden. Foto: H. Schepp

An die lehmig-erdige Stimme des Meisters des Zwei-Minuten-Hits kam Innemee zwar nicht heran, aber musikalisch gab es an der Truppe nichts zu kritisieren, vor allem Leadgitarist Jan Köhler zeigte sich als brillanter Könner. Mit „Hey Tonight“ ging es vor den zu diesem Zeitpunkt gut 1000 Besuchern hinein ins Programm. Leider musste die Band schon nach gut einer Stunde die Bühne räumen, damit der weitere Zeitplan eingehalten werden konnte. So blieben der Fangemeinde auch einige Hits, die eigentlich bei keiner CCR-Coverband fehlen dürfen, verwehrt.

In der Umbaupause für den vorletzten Act des Tages holte Andreas Schindler Vertreter jener sechs Vereine und Gruppen auf die Bühne, die den Erlös des Festivals erhalten werden. Der größte Teil geht an das Projekt „Fightback against Poverty“, das schnell und unbürokratisch Kindern und Familien auf der ganzen Welt hilft, die durch Krankheiten, Hunger, Armut, Kriege, Katastrophen oder Ausbeutung in Not geraten sind. Über stattliche Spenden aus den Eintrittsgeldern dürfen sich aber auch „ab & p“ (Autismus, Behinderung und Perspektive), die Vereine Herzkrankes Kind und Homecare Aachen, die Klinikclowns, die Hazienda Arche Noah und das Kinderhospiz Aachen freuen, da die Kosten des Festivals zum Großteil durch die Hauptsponsoren „m3-connect“, „e-dynamics“ und „Bauer+Kirch“ getragen werden.

The Fab Four still alive: Mit einer unfassbaren Genauigkeit zauberte die slowenische Band Help! den Sound und die Optik der Beatles auf die Bühne in Rott. Foto: H. Schepp

Mit Regatta de Blanc folgte zur „Prime Time“ am Samstagabend und vor dem wohl größten Publikumsandrang auch der musikalische Höhepunkt. Die Tribute-Band aus dem Ruhrgebiet kommt stimmlich und klanglich derart nahe an ihre Vorbilder Sting und The Police heran, dass man sich bei geschlossenen Augen schon mal in eine Zeitmaschine mit Halt 80er- und 90er-Jahre versetzt fühlen kann. Michael Griese beherrscht Stimmfarbe und Bandbreite der unverwechselbaren Stimme von Sting auch noch nach zwei Stunden Konzert, Gitarrist Tom Quast kopiert 1:1 die leichthändige Spielart eines Andy Summers, und Jonas Wilms bedient Schlagzeug und Percussion mit der uhrwerkartigen Exaktheit von Stuart Copeland.

Auch die anderen Musiker trugen zum stimmigen Klangerlebnis bei, wobei Saxofonist Wim Wollner besonders bei den bunt dazu gemischten Sting-Coversongs herausragte. Erst nachdem alle Police- und Sting-Hits von der unverwüstlichen „Roxanne“ bis zum „Englishman in New York“ in den Rotter Nachthimmel gestiegen waren, durften Michael Griese & Co. („Das ist hier unser schönstes und bestes Festival seit ewigen Zeiten, ganz ehrlich!“) von der Musiker- in die Zuhörer-Rolle schlüpfen.

Kam beim Publikum gut an: Die niederländische CCR-Covertruppe René Innemee & the Revival Band am Samstagnachmittag in Rott. Foto: H. Schepp

Am Bühnenrand sah man „Regatta de Blanc“ auch die Begeisterung für die Musik der Beatles an, die anschließend den glänzenden Schlussakkord unter ein tolles Festival setzte. Help! nennen sich die vier slowenischen Musiker, denen in vielen Berichten eine höhere Authentizität mit den „Fab Four“ nachgesagt wird als allen britischen Beatles-Nachahmern. Auch in Rott stellte das Quartett dies eindrucksvoll unter Beweis.

Ernie Mendillo als Paul McCartney, Gasper Oblak als Ringo Starr, Ziga Stanonik als George Harrison und Matic Pelcel als John Lennon versetzen das Publikum mit Originalinstrumenten, perfektem Outfit und haargenau abgeschauten Bühnenbewegungen bis zum obligatorischen Diener nach jeder Nummer mal locker 50 bis 60 Jahre zurück und gönnen den Zuhörern nur eine kleine Pause beim Wechsel vom schwarzen Anzug auf die beigebraune Uniform der Liverpooler. Ansonsten folgt, oft fließend oder nur mit Anzählen verbunden, Hit auf Hit von der ersten Nummer eins „Love me do“ bis zu den letzten Werken in den frühen Siebzigern mit der Hymne „Let it be“.

Oliver Henrich ist die Stimme von Jon Bon Jovi und ließ die Rockhymnen der amerikanischen Rockband originalgetreu in Rott erklingen. Foto: Elmar Cuepper

Kurz nach Mitternacht ging die Zeitreise zu Ende, und langsam, ganz langsam leerte sich die Festwiese, auch wenn es noch einen kleinen Überraschungsauftritt gab, über den noch separat zu berichten sein wird…

Mit Rock in Rott 2019 hat das Organisationsteam um Andreas Schindler neue Maßstäbe gesetzt und schon jetzt Vorfreude auf 2020 ausgelöst. Denn dann, so versprach er auf der Bühne, wird es das dritte Festival geben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: „Rock in Rott“ ein voller Erfolg

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