Kommentar zum Festakt in Roetgen: Reden gegen das Verdrängen

Kommentar zum Festakt in Roetgen : Reden gegen das Verdrängen

Nach dem Festakt in Roetgen wirken manche Sätze lange nach. Das kann man nicht über viele Veranstaltungen sagen, von daher: Kompliment an die Gemeinde Roetgen, an den Bürgermeister und die Verwaltung, die im Vorfeld manche Diskussion auszustehen hatten.

Kompliment an die beteiligten Schülerinnen und Schüler und auch den Moderator Ralf Raspe, der ein ums andere Mal in die Rolle des politischen Kommentators schlüpfte.

Einen vielleicht gar nicht so gewollten, aber sehr wichtigen Beitrag zu dem Abend leistete jener Roetgener Zeitzeuge, der zum Ausklang der Veranstaltung im Video zu sehen war: „Krieg wurde in der Familie überhaupt nicht thematisiert – bis heute nicht. Niemals!“, sagt er, der den Krieg als siebenjähriges Kind erlebte. Sein Vater habe später stets über seine Erlebnisse als Soldat geschwiegen.

Das ist nicht verwunderlich, zutiefst menschlich und doch zumindest eine Erklärung für so manche Fehlentwicklung und verquere Diskussion in einem Land, in dem auch heute bisweilen nur hinter vorgehaltener Hand über Familiengeschichte gesprochen wird. Wenn Opa ein Nazi war – darf man darüber reden? Oder beschmutzt man am Ende das Andenken an einen Toten?

In diesem Punkt könnten gerade die örtlichen Heimat- und Geschichtsvereine eine wichtige Rolle spielen und befriedend auf die Gesellschaft einwirken. Dabei darf es nicht darum gehen, einzelne Personen und Familien an den Pranger zu stellen. 75 Jahre danach muss man aber feststellen: Nicht alle waren Opfer. Auch viele Eifeler haben das NS-Terrorregime aktiv oder zumindest passiv unterstützt.
Darüber muss man reden können.

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