Predigt von KAB-Präses Pfarrer Ralf Linnartz

66. Friedenswallfahrt der KAB : „Christsein hat in unserer Gesellschaft keine Konjunktur“

Bei der 66. Friedenswallfahrt der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Rahmen der Quirinus-Oktav hatten die Stationen des Friedensganges auf den Kreuzberg aufrüttelnden Charakter. Die Heilige Messe hingegen stand unter dem Leitmotiv: In Gottes Hand geborgen – „Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt“.

Zahlreiche Pilger aus der Diözese Aachen waren am Samstag der Einladung gefolgt, um sich mit KAB-Diözesanpräses Pfarrer Ralf Linnartz auf den Weg zum Kreuzberg zu begeben. Linnartz erläuterte, die Zusage Jesu, „Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt“, gebe Zuversicht und Mut, die sozialen und gesellschaftlichen „Schieflagen“ zu benennen und auf Veränderungen hin zu arbeiten. Erfreut zeigte sich Linnartz über eine gute Resonanz, wenn sich auch altersbedingt und wegen der Entfernungen immer weniger Teilnehmer einfinden würden.

Der Pfarrer hieß auch den Musikverein Rott willkommen, der in starker Besetzung vertreten war. Ebenso Brigitte Palm (Pfarreirat Rott), die sich mehr junge Teilnehmer wünschen würde. Alfred Stoffels (KAB Brand) gab zu verstehen: „Wir beten bei unseren Wallfahrten seit 66 Jahren für den Erhalt des Friedens in der Welt. Es darf keinen Krieg mehr geben.“

Nach dem Lied „Zu dir, o Gott, erheben wir die Seele mit Vertrauen“ begab sich die Prozession auf den Giersberg zum Kreuz von Rott. Unterwegs wurde an fünf Stationen gebetet und gesungen. „Als Christen haben wir einen Auftrag, diese Welt positiv zu gestalten, hin zu mehr Gerechtigkeit und Menschenwürde“, so der Pfarrer. „Diese Zeit des fundamentalen Wandels in Gesellschaft und Wirtschaft und der immer größeren Spaltungen und sozialen Schieflagen, der Verrohung und Individualisierung benötigt Christen mit Mut und Klarheit“, fügte er hinzu.

Das Motto der Oktav, die das Wort Jesu aus dem Evangelium zum Inhalt habe, könne allzu leicht als „Vertröstung“ ausgelegt werden, macht Linnartz deutlich. Wenn der Satz stimme, „Gott hat keine anderen Hände als unsere Hände!“, dann bleibe noch viel zu tun, damit Menschen in Armut und Not, in Ausgrenzung, auf der Flucht, bei der Wohnungssuche und in prekärer Arbeit spüren: Ich bin geliebt, ich bin in Gottes Hand geborgen.

Der KAB-Diözesanpräses überraschte mit seiner Predigt die zahlreichen Besucher, die sich auf den Kreuzberg begeben hatten. Wir alle suchten unser Leben lang nach einem Zuhause, einem Ort, einem Menschen oder einer Vorstellung von etwas, das uns das Gefühl gebe, angekommen zu sein. Wir lebten in einer Zeit, die gezeichnet sei von Kälte und Egoismus, vom Auflösen traditioneller Strukturen und Lebenswelten, von politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen. Je verrohter unsere Welt werde, desto größer werde die Sehnsucht nach Sicherheit, Schutz, Liebe, Wärme, Vertrauen und Geborgenheit.

Im Schlussteil seiner Predigt sagte Linnartz: „Machen wir uns nichts vor. Für uns Christen werden die Zeiten schwieriger und härter. Wir werden weniger.“ Christsein habe in unserer Gesellschaft keine Konjunktur. Wir dürften uns jedoch in Gott geborgen fühlen und lebten unter dem Vorzeichen „Plus der Liebe Gottes“. „Das darf uns Vertrauen geben und Mut machen, trotz aller Niederlagen, aller Schwierigkeiten und schlimmen Lagen, uns nach unseren Kräften einzusetzen. Nichts ist da vergebens. Alles zählt“, schloss Linnartz.

Im Jugendhaus in Rott warteten im Anschluss an die Wallfahrt eine deftige Erbsensuppe sowie Kaffee und Kuchen zur Stärkung.

(der)
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