Mobile Jugendarbeit in der Nordeifel ist mit dem Jumonofel unterwegs

Mit dem „Jumonofel“ unterwegs : Mobile Jugendarbeit Nordeifel hat alle Hände voll zu tun

Die Mobile Jugendarbeit Nordeifel hat alle Hände voll zu tun – nicht nur in Bezug auf die vielen Aktivitäten und Angebote für junge Menschen. Vor allem Wohnungsnot und Obdachlosigkeit sind Themen, die Sorge bereiten.

Wenn junge Menschen von zu Hause ausziehen möchten oder sogar müssen, weil es Probleme mit der Familie gibt, ist es in der Nordeifel sehr schwierig, eine geeignete Wohnung zu finden. Im schlimmsten Fall werden die Jugendlichen obdachlos. Das verdeutlichten die Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit Nordeifel in der Sitzung des Roetgener Bildungs-, Generationen-, Sozial- und Sportausschusses am Dienstag.

„Viele Jugendliche ziehen dann weg nach Aachen, weil sie hier keine Wohnung finden“, sagt Jugendarbeiterin Lara Brammertz. Verfügbare Wohnungen entsprächen häufig nicht den Vorgaben des Jobcenters, das finanzielle Unterstützungen geben würde. Meist sei die Quadratmeterzahl zu groß oder die Gesamtkosten seien zu hoch, um eine Förderung zu bekommen. Auch würden die Vermieter in vielen Fällen eine hohe Kaution, eine Elternbürgschaft oder zusätzlich eine Schufa-Auskunft verlangen. „Gut situierte Jugendliche haben die Eltern häufig hinter sich“, sagt Brammertz.

Die Gefahr der Abwärtsspirale

Schon ein unachtsam abgeschlossener Handyvertrag kann sich negativ in der Schufa-Auskunft widerspiegeln, die Aussicht auf eine Wohnung schwinden. „Es kann so weit gehen, dass man kein einziges Mietverhältnis bekommt und irgendwann spitzt sich das zu. Dann kommt die Obdachlosigkeit, die Drogen und dann ist der der junge Mensch schon fast verloren. Dagegen möchten wir angehen“, sagt Brammertz.

Auch wenn die Zahl der obdachlosen Jugendlichen in der Nordeifel im vergangenen Jahr bei etwa fünf Personen lag und somit relativ klein scheint, besteht laut den Jugendarbeitern Handlungsbedarf. „Für uns ist jeder einzelne von Wohnungslosigkeit betroffene Jugendliche zu viel. Man müsste bei der Wohnraumsituation in der Eifel ansetzen und diese verbessern.“ Viele Jugendliche würden die prekäre familiäre Situation zu Hause aushalten, weil sie lieber dort in einer schlechten häuslichen Umgebung ein Dach über dem Kopf haben, als obdachlos zu werden.

Domenik Delsemmé und Lara Brammertz arbeiten bei der Mobilen Jugendarbeit Nordeifel und organisieren Freizeitangebote für junge Menschen und helfen auch in Problemsituationen. Foto: Heiner Schepp

Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss kennt die Probleme mit dem Wohnungsmangel, den auch Senioren spüren, der aber vor allem die Abwanderung von Jugendlichen aus der Gemeinde zur Folge hat. „Der Bevölkerungsanteil in Roetgen im Alter zwischen 20 und 30 ist extrem gering. Unter 20 Jahren ist der sehr hoch. Das sorgt dafür, dass wir eine Delle in der Alterspyramide haben, was sich zum Beispiel auf Vereine negativ auswirkt. Wir wären gut beraten, eine Wohnraumlösung für diese Altersgruppe zu finden.“

Ein gemeinsames Haus mit Wohnungen für Jugendliche

Brammertz würde sich freuen, wenn sich die Nordeifelkommunen zusammenschließen würden und ein Haus mit kleinen Wohnungen geschaffen wird, die speziell für 18- bis 25-Jährige ausgerichtet sind. „Dort könnten wir auch immer vorbeifahren und in Kontakt mit den Jugendlichen kommen, wenn darüber hinaus noch Betreuungsbedarf besteht.“

Im vergangenen Jahr hat die Mobile Jugendarbeit ein Bumperball-Turnier in Rollesbroich ausgerichtet. In diesem Jahr soll es erstmals in Roetgen stattfinden. Foto: Lara Brammertz

Unterstützt wird die Mobile Jugendarbeit mit dem „Jumonofel“, dem Jugendmobil Nordeifel, das Anfang des vergangenen Jahres mit EU-Fördermitteln angeschafft werden konnte. Seitdem wird der kleine Transporter um- und ausgebaut. Mittlerweile wurde das weiße Fahrzeug von einem Graffitikünstler angesprüht – in Zusammenarbeit mit der Zwölfjährigen, die den Malwettbewerb zum neuen Design gewonnen hatte. „Jetzt hat das Jumonofel auch eine Markise zum Schutz vor der Sonne, und eine Musikanlage ist im Inneren eingebaut“, erklärt Jugendarbeiter Domenik Delsemmé, der das Projekt als sein Steckenpferd beschreibt. Im Juni dieses Jahres soll der Umbau voraussichtlich abgeschlossen sein.

Im Einsatz ist der bunte Kleintransporter überall dort, wo Veranstaltungen sind und sich Jugendliche treffen. „Gedacht ist es, dass wir mit dem Jumonofel jeden Tag einen anderen Treffpunkt in den drei Kommunen anbieten können und eine Anlaufstelle bieten. Wir wollen aber auch Vereine bei Aktionen unterstützen und mit dem Jumonofel vor Ort sein“, sagt Delsemmé.

Fettdonnerstag mit dem Jumonofel dabei

An Fettdonnerstag in Roetgen war der Wagen zum ersten Mal Anlaufstelle für die Jugendlichen, „die eine Pause“ brauchen und dort ein Wasser oder Brötchen essen konnten. Ein Präventionsangebot in Bezug auf Alkohol. Das neue Auto soll auch gezielt die Treffpunkte der Jugendlichen bedienen und die „aufsuchende Arbeit“, wie Delsemmé es ausdrückt, unterstützen. „Wenn das Wetter schöner wird, sind viele auch länger draußen, da wollen wir verstärkt rausfahren. Mit dem Jumonofel werden wir vor allem intensiv in Roetgen gucken, wo die Treffpunkte für Jugendliche sind, und diese anfahren.“ Der Jugendarbeit seien im Gegensatz zu den anderen Kommunen konkrete Treffpunkt oder sogar Brennpunkte in Roetgen nicht bekannt, weshalb hier auch Räume geschaffen werden sollen, wo junge Menschen zusammenkommen können.

„Wir drängen uns aber nicht auf“, sagt Brammertz deutlich. „Wir können nur Angebote machen. Wer daran teilnimmt, macht das freiwillig, und wo Bedarf besteht, sind wir gerne im Einsatz.“ Neben der Betreuung bietet die Mobile Jugendarbeit viele Freizeitaktivitäten an, wie ein Bumperballturnier. Hierbei spielen Jugendliche, die in einem mit Luft befülltem Riesenball stecken, Fußball. Ferienfahrten, Radtouren, Kreativworkshops und Integrative Aktionen werden veranstaltet. „Wir merken gerade bei Abendveranstaltungen, dass die Mobilität ein Hindernis bei vielen sein kann“, sagt Brammertz. Aber es werden weiterhin viele Aktivitäten angeboten, in der Jugendarbeit sei das auch bei wenig Rücklauf wichtig. „Wir müssen flexibel sein“, lautet das Motto, mit dem die Jugendarbeiter motiviert auch in 2019 arbeiten.

Mehr von Aachener Nachrichten