Heimatverein Roetgen errichtet Denkmal für Soldaten am Westwall

„So etwas darf nie mehr passieren“ : Heimatverein Roetgen errichtet Denkmal für zwei gefallene Soldaten

Der Heimat- und Geschichtsverein errichtet im September ein Denkmal für zwei gefallene Soldaten im Rahmen einer Feierstunde anlässlich der Befreiung vom NS-Regime durch die Amerikaner vor 75 Jahren. Damit geht die Mahnung einher, den Frieden zu erhalten und zu bewahren. Zudem plant der Heimat- und Eifelverein Rott eine große Ausstellung.

Vor 75 Jahren verloren zwei Soldaten am Westwall in Roetgen noch am 12. und 13. September 1944 zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Vichtbachtal ihr junges Leben: First Lieutenant Richard S. Burrows (USA) und Oberfeldwebel Heinrich Brunk (Deutschland). Ihnen zu Ehren wird der Heimat- und Geschichtsverein (HeuGeVe) auf seinem Areal an der Höckerline in einer Feierstunde am Samstag, 14. September, 14 Uhr, ein Gefallenen-Denkmal errichten.

In der Geschichte des Zweiten Weltkrieges hat Roetgen einen besonderen Platz inne, waren es doch die Truppen der amerikanischen dritten Panzerdivision, die am 12. September 1944 Roetgen als erste deutsche Gemeinde, oder „Stadt“, wie die Amerikaner damals berichteten, eingenommen haben. Einen Tag später nur wurde die von Nazi-Deutschland errichtete Höckerlinie und der Westwall erfolgreich durchbrochen.

Am 12. September 1944 war aus Richtung Belgien von weitem Kanonendonner zu hören. Um 14.51 Uhr erreichte die „Task Force“ von Oberstleutnant William Lovelady die Ortschaft Roetgen. Kurz zuvor hatten deutsche Pioniere am Roetgener Bahnhof die Gleisanlage der Vennbahn in die Luft gesprengt. Gegen 15.30 Uhr rollten erste US-Panzer über die B 258 nach Roetgen. Gegenwehr war nicht zu verspüren. Der bevorstehende Einmarsch der Amerikaner war keine Überraschung. Anders in Rott, hier verloren die Amerikaner fünf Panzer und hatten auch Gefallene zu beklagen, darunter auch der deutsche Soldat Brunk.

Der deutsche Oberfeldwebel Heinrich Brunk. Foto: HeuGeVe Roetgen

Für den Heimat- und Geschichtsverein Roetgen ist es selbstverständlich, dieses Ereignis von vor 75 Jahren nicht nur in den Annalen festzuhalten und zu dokumentieren, es besteht auch großes Interesse bei den Besuchern aus nah und fern, die nach Roetgen kommen, um diesen zeitgeschichtlich bedeutsamen Ort zu besuchen und zu besichtigen. Ihnen möchte man Informationen an die Hand geben.

Beim HeuGeVe ist man sich dieser Bedeutung durchaus bewusst, denn Roetgen sei auch das „Tor zum Hürtgenwald“ gewesen, berichten der erste Vorsitzender Franz Schroeder, Rolf Wilden (Geschäftsführer und Kassierer) und Gerhard Kristan (zweiter Vorsitzender) gegenüber unserer Zeitung. An der Höckerlinie habe die Schlacht im Hürtgenwald begonnen, wissen die drei Heimatfreunde. Schroeder ist davon überzeugt, die Befreiung vor 75 Jahren sei auch der Grundstein für ein heute freies Europa gewesen.

Gerhard Kristan hat dokumentiert, dass sich am 12. September 1944 zahlreiche Journalisten vor Ort in Roetgen eingefunden hatten. „Die Alliierten-Presse wollte hautnah berichten, die sind hier durch den Rommelweg gefahren“, sagt er. Und alle drei Vorstandsmitglieder sind sich darin einig: „Als Heimatverein müsse diese Geschichte entsprechend aufgearbeitet und gewürdigt werden.“

US-Leutnant Richard S. Burrows. Foto: HeuGeVe Roetgen

Weil vor der Höckerlinie bei Annäherung des Feindaufklärungszuges der Task Force Lovelady der amerikanischen dritten Panzerdivision Lieutenant Richard S. Burrows als erster Amerikaner der Bodentruppen auf deutschem Hoheitsgebiet am 12. September 1944 gefallen sei, soll an ihn mit dem Gedenkstein (gestiftet von Helmut Jansen, Roetgen) erinnert werden. Neben ihm steht der Oberfeldwebel Heinrich Brunk vom Grenadier-Ersatz- und Ausbildungs-Batallion 328 der Deutschen Wehrmacht, der beim Durchbruch der Amerikaner durch den Westwall und dem Vordringen nach Rott am 13. September 1944 sein Leben lassen musste.

„Wir wollen, dass unser Denkmal auch ein Mahnmal für Jung und Alt ist, damit so etwas nie wieder passiert“, klingt es unisono. Diese beiden Soldaten sollen stellvertretend für alle Opfer der schrecklichen Weltkriege des letzten Jahrhunderts stehen. Das Denkmal mit den beiden Abbildungen möge Mahnung sein und bleiben, den Frieden zu erhalten und zu bewahren sowie die heutige Freundschaft zwischen den einstigen Gegnern weiter zu pflegen und zu festigen.

„Der Westwall lebt in den Köpfen der Amerikaner“, wissen die drei Gesprächspartner. Davon zeuge der touristische Besuch in Roetgen, immer mehr Menschen möchten davon erfahren, was dort geschehen ist. Daher sei es ein Glücksgriff gewesen, dass der HeuGeVe 2018 dieses Areal käuflich erworben habe. Rolf Wilden erinnert, dass alles verwildert und zugewachsen gewesen sei. „Hier sind Leute erschienen, die nach dem Westwall gefragt haben, denn es war weit und breit nichts zu sehen“, so Wilden. Mit großem Arbeitsaufwand habe der Verein nun „für klare Sicht“ gesorgt und wünscht sich, mit der Errichtung des Denkmals gezielt mehr Aufmerksamkeit zu wecken. Und: Diese Stelle ist auch in der Roetgener Fahrradschleife ein Anhaltspunkt.

Am 13. Sept. 1944 überschreitet eine Kampfgruppe (Colonel Lovelady) der 3. US-Panzerdivision den Westwall an der Dreilägerbachtalsperre in Roetgen. Foto: HeuGeVe Roetgen/Department of the Army;Washington

Gerhard Kristan hat mit der Familie Burrows Kontakt aufgenommen, hat ihnen beim Besuch in Roetgen die Stelle gezeigt, wo Lieutenant Burrows gefallen ist. Die Verwandten des Soldaten Brunk seien schon vor längerer Zeit in Vossenack gewesen. Heute sehe es so aus, dass aus damaligen Feinden längst Freude geworden seien. Einen großen Beitrag dazu soll auch das neue Mahnmal mit dem Gedenkstein leisten. Viele Menschen wüssten mit dem Westwall und der Höckerlinie nichts anzufangen. Eigens aus diesem Anlass wird es eine Sonderausgabe der „Roetgener Blätter“ geben, mit erhöhter Auflage.

Der Heimat- und Eifelverein Rott mit seinem Vorsitzenden Rainer Hülsheger wartet ebenfalls mit eigenen Aktivitäten auf. So gibt es vom 2. bis 14. September in den Räumen der Sparkassen-Filiale in Rott eine großangelegte Ausstellung unter dem Motto „75 Jahre Befreiung vom NS-Regime.“ Dabei soll nicht nur von Freiheit gesprochen werden, gezielt werde auch die „Unfreiheit“ dargestellt, so Hülsheger.

Dokumentiert, bezogen auf Rott, wird die Zeit von 1933 bis 1944. Zum gleichen Thema gibt es bereits am 7. September, 16 Uhr, auf dem Dorfplatz „Musik unter der Kastanie“ (bei schlechtem Wetter im Saale Hütten), Glenn-Miller-Sound mit der Bigband „Jazzotic“ ist angesagt.

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