Glasfaser: Roetgen wird mit schnellem Internet versorgt

Glasfaser-Ausbau in Roetgen schreitet voran : Der Tag, als das Licht in die Eifel kam

Wenn Sedat Akcay sagt, dass er das Licht in die Eifel gebracht hat, dann könnte man ihn fast für einen Sektengründer halten. Ein Heilsbringer ist der Duisburger dennoch – zumindest für jene Zeitgenossen, die auf schnelles Internet angewiesen sind: Akcay leitet als Projektmanager den Ausbau des Glasfasernetzes für die Deutsche Glasfaser.

Nach nicht unerheblichen Startschwierigkeiten sind inzwischen die ersten Kunden in der Nordeifel online. Deshalb sitzt Akcay nun bei Familie Küpper aus Roetgen auf dem Sofa, gemeinsam mit Bürgermeister Jorma Klauss (SPD) – ein Ortstermin, der beweisen soll: Das Licht ist da. Zur Erklärung: In Glasfaserleitungen werden Daten über Lichtimpulse transportiert.

Für Außenstehende wirken die Baumaßnahmen des Unternehmens in den Gemeinden Roetgen und Simmerath unüberschaubar bis konfus. An allen Ecken wird gebuddelt, dann tut sich in vielen Straßen wiederum wochenlang nichts, und plötzlich steht der nächste Bautrupp vor der Haustür. Sedat Akcay lächelt, wenn er das hört.

„Wir treiben das Projekt in der Eifel derzeit mit Hochdruck voran“, erklärt der Bauleiter. Und: „Es gibt einen Plan!“ So seien aktuell zehn bis elf Kolonnen mit jeweils bis zu zehn Mann parallel im Einsatz. Der „Backbone“, Hauptstrang und damit Rückgrat der Glasfaserleitung, stehe nun weitgehend, was es ermögliche, in den kommenden Wochen viele Haushalte anzuschließen. Bei etwa 20 bis 30 Prozent der Haushalte in Roetgen sei das Kabel inzwischen bis ans Haus verlegt. Aktiviert sind die meisten davon allerdings noch nicht.

Orstermin in Roetgen bei Familie Küpper: Birgit Küpper, Jorma Klauss, Hermann Josef Küpper und Sedat Akcay. Foto: Marco Rose

Bei Hermann Josef und Birgit Küpper herrscht dagegen schon „Licht“. Seit dem 15. August sind die beiden Roetgener über die Glasfaser online. Eine Entscheidung, die sie nicht bereuen: „Das Netz läuft stabil und schnell. Mein Laptop ist aber wohl zu langsam, um das wirklich auszureizen“, sagt Küpper (74) nüchtern. Festlicher gestimmt ist da schon Jorma Klauss, der „diesen Meilenstein auch feiern möchte“. Schließlich sei schnelles Internet für die Entwicklung der Gemeinde Roetgen ausgesprochen wichtig. „Einerseits ändert sich die Arbeitswelt rasant. Immer mehr Freiberufler, aber auch Angestellte benötigen eine stabile und schnelle Verbindung für den Beruf“, sagt Klauss.

Andererseits erfordere auch das Freizeitverhalten immer mehr Internetbandbreite. „Jüngere Menschen schauen kaum noch klassisches Fernsehen. Streaming ist angesagt – und dafür braucht es entsprechende Geschwindigkeiten.“ Familie Küpper sei ein „typisches Einsatz-Szenario für den Glasfaseranschluss“: Als Lehrerin braucht Birgit Küpper (60) schnelles Internet für die Vorbereitung des Unterrichts, während die inzwischen erwachsenen Kinder bei Besuchen nahezu ständig online sind.

Geschwindigkeit ist auch ein Stichwort für den Bauleiter. Denn die Verzögerungen beim Netzausbau haben das Unternehmen viel Geld gekostet. „Das war schon eine riesige Herausforderung, das Licht in die Eifel zu bekommen“, sagt Akcay. „Die größten Schwierigkeiten liegen aber nun hinter uns.“ Der lehmige und felsige Grund zwischen Roetgen und Lammersdorf habe den Ausbau lange Zeit verzögert, nun werde das Unternehmen „Gas geben“.

Aktuell in Simmerath: Überall in der Gemeinde wird derzeit fleißig gebuddelt. Hier wird das Kabel an der Hauptstraße Richtung Ortsausgang verlegt. Foto: Marco Rose

Bürgermeister Klauss weiß, dass das in der Bevölkerung nicht nur auf Begeisterung stößt. „Wir können die Bürger angesichts der vielen Baustellen im Gemeindegebiet nur um Verständnis bitten.“ Vor allem dort, wo Probleme entstünden: „Tatsächlich kommt es vor, dass bei den Arbeiten auch mal Telekomleitungen oder in einem Fall eine Abwasserleitung beschädigt wurden.“ Schuld sei in solchen Fällen allerdings nicht die Glasfaser, sondern die mangelnde Dokumentation bestehender Leitungen vor allem aus den 60er und 70er Jahren. Diese lägen oft wesentlich näher unter dem Asphalt als angegeben.

Bei Familie Küpper sind Erd- und Anschlussarbeiten ohne nennenswerte Probleme erledigt worden. „Es gab eine Schrecksekunde, als wir feststellten, dass die Arbeiter die falsche Doppelhaushälfte für den Anschluss markiert hatten. Das ließ sich aber mit dem Bauleiter klären, den wir nach längerem Durchfragen sprechen konnten“, erklärt Küpper. Verunsicherten Glasfaser-Kunden aus Simmerath, die zuletzt außer ein paar dürren Zeilen im Gemeinde-Newsletter kaum Informationen von dem Unternehmen erhalten haben, macht er Mut. „Uns wurde rechtzeitig Bescheid gegeben, außerdem konnten wir unsere Einfahrt mit dem Auto trotz der Bauarbeiten nutzen.“

Lediglich für die Aktivierung müsse ein Termin vereinbart werden. Am Ende sei der Anschluss im Keller binnen einer halben Stunde erledigt gewesen. So kann er demnächst auch seinen Enkeln davon erzählen, wie eines Tages das Licht in die Eifel kam.

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