Ein paar mehr Windräder für Roetgen?

Neue Machbarkeitsstudie kommt : Ein paar mehr Windräder für Roetgen?

Wenn es einen Antragsteller gibt, gibt es in den meisten Fällen auch Stimmen, die gegen den Antrag sind, das liegt in der Natur der Sache. Wenn es auch noch um Windkraftanlagen geht, dann ist die Sache klar. So wie in Roetgen.

Eigentlich sollte die Windkraft im weitesten Sinne in Tagesordnungspunkt vier im Gemeinderat diskutiert werden. Spontan haben ein paar Einwohner aber die Fragestunde zu Beginn der Sitzung schon mal als Diskussionsplattform für die Windenergie in Roetgen zu nutzen gewusst.

Der Antrag, nach potenziellen Standorten für Windräder in der Gemeinde zu suchen, kam von einer breiten Mehrheit, nämlich von SPD, CDU und den Grünen. Und schon das bietet den ersten großen Angriffspunkt für die Gegner: Es gibt schon eine derartige Machbarkeitsstudie. Die ist allerdings aus dem Jahr 2011, „die rechtlichen und technischen Voraussetzungen haben sich seitdem natürlich verändert, so dass die damaligen Ergebnisse heute nicht ungeprüft übernommen werden können“, so steht es im Antrag der Fraktionen. Heißt: Die Windkraftanlagen selbst haben sich inzwischen verändert, ebenso die Ausschreibungsverfahren und so weiter. Den Windpark Münsterwald gab es im Jahr 2011 noch nicht einmal. Das legitimiert den Antrag eben aus Sicht von SPD, CDU und Grünen.

Die Gegner, zum Beispiel vertreten durch den Verein Natur-Landschaftsschutz-Nordeifel, sind am Abend der Sitzung auch im Saal. Rainer und Katharina Ständer haben ihre Argumente, und sie bringen sie in der Fragestunde vor. Die Kritik der beiden beginnt beim Regionalen Energieplan Aachen 2030 („Render“), der vorsieht, 64 Windkraftanlagen in Roetgen, Simmerath und Monschau zu errichten. 24 Windräder sollten demnach in Roetgen gebaut werden – viel zu viele, sagen beide.

„Roetgen wird nicht übergangen“

Zweiter Kritikpunkt: Die Bürgerbefragung, die auch als Grundlage für „Render“ herangezogen wird. Rund 1000 Bürgerinnen und Bürger seien befragt worden, in der gesamten Städteregion, aber nur 23 Menschen davon seien aus Roetgen gewesen.

Die gesamte Städteregion ist für Klaus Onasch (SPD) an dieser Stelle aber das entscheidende Stichwort. „Roetgen ist ja auch der kleinste Teil der Städteregion“, sagt er. In absoluten Zahlen betrachtet, ist der Anteil also anders zu bewerten. „Das heißt nicht, dass Roetgen übergangen wird.“

Und noch eines stellt der Roetgener SPD-Fraktionsvorsitzende klar: „Es geht nicht um mehr als 20 Windräder, sondern vielleicht um zwei, drei oder vier.“ Die Zahl von 24 Windrädern stammt zum einen aus der Zielvereinbarung des „Render“-Projekts, langfristig 100 Prozent der CO2-Emissionen zu reduzieren. Zum anderen aus der Koalitionsvereinbarung von CDU und Grünen aus dem Jahr 2009, bis 2030 75 Prozent des städteregionalen Energiebedarfs durch erneuerbare Energien abzudecken.

Diese 24 Windräder, das betont Onasch, seien jedoch „nur eine mögliche Option und nicht Teil unseres Antrags, mit keinem Wort“. Der Antrag geht in der Tat noch einen Schritt weiter und sagt, die durch das „Render“-Projekt zugewiesenen Windräder seien „sicherlich zu hinterfragen“. Im Wesentlichen gehe es eben erst einmal um die zwei Windkraftanlagen im Münsterwald. Im südöstlichen Gemeindegebiet seien weitere Windräder „grundsätzlich machbar“, heißt es im Gemeinderatsantrag. Rein rechnerisch sei die Gemeinde Roetgen sowieso mit nur zwei Windrädern bereits autark, heißt es vonseiten der Gemeindeverwaltung.

So weit die sehr ausführliche Einwohnerfragestunde. Drei Tagesordnungspunkte später geht es weiter und es wird klar: Es ist noch lang nicht alles gesagt. Onasch ergreift sogleich das Wort und sagt jetzt: „Wir müssen uns lösen von dem, was 2011 festgestellt worden ist.“ In besagter Studie heißt es nämlich im Fazit unter anderem: „Die Untersuchung auf potenzielle Konzentrationszonen für Windenergieanlagen ergibt keinen Bereich innerhalb des Gemeindegebiets, der ohne Einschränkung als geeignet bezeichnet werden kann.“  Der Bereich beim Leyenberg wurde als „gut“ eingestuft, zwei weitere Bereiche als „mäßig“. Onasch sagt: „Eine Entscheidung ist nur mit neuen Erkenntnissen möglich.“

Natürlich sehen die beiden anderen Antragsteller das ähnlich. Allerdings plädieren alle Fraktionen für Ergebnisoffenheit. So sagt Ronald Borning (CDU), man sei nicht grundsätzlich für Windkraft „in unseren Wäldern“, aber eben auch nicht grundsätzlich dagegen. Daher sei die erneute Prüfung nötig. Und ob die nun zu dem Schluss kommt, dass es geeignete Gebiete gibt oder halt eben auch nicht: „Wir müssen mit beidem zurechtkommen“, sagt Borning. Bernhard Müller (Grüne) plädiert für eine „vernünftige Lösung“. Ziel sei nicht, „auf Teufel komm raus Windkraftanlagen zu bauen“. „Es gibt Gründe dafür, und es gibt Gründe dagegen.“ Die UWG äußerte sich ebenfalls in die Richtung, dass „etwas passieren“ müsse.

Dagegen istim Übrigen im Saal nicht nur der Verein Natur-Landschaftsschutz-Nordeifel.  Der fraktionslose Günter Severain sieht Roetgen als „keinen idealen Standpunkt für Windenergie“. Dr. Georg Dittmer (FDP) schätzt die Aussicht als „relativ schlecht“ ein und schließt daher, man müsse eine neuerliche Untersuchung „gar nicht bezahlen“. Anita Buchsteiner und Wolfgang Schruff (beide PRB) sprechen ein „modifiziertes Gutachten“ an, in dem nicht nur nach Plätzen für Hochleistungsanlagen gesucht wird, sondern auch kleinere Windräder berücksichtigt werden. Die Gemeindeverwaltung hat das als Arbeitsauftrag mit aus der Sitzung genommen: Sie wird sich damit befassen, was ein Grundstückseigentümer eigentlich machen muss oder welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wenn er sich ein Windrad auf sein Grundstück stellen möchte.

Am Ende gab’s vier Gegenstimmen und drei Enthaltungen – es wird also eine neue Machbarkeitsstudie zu den möglichen Windrädern in Roetgen geben. Bürgermeister Jorma Klauss (SPD) wird allerdings Kontakt zum BKR Aachen aufnehmen – jenem Planungsbüro, das im Jahr 2011 schon für die Studie zuständig war. Womöglich könne man auf die Daten der alten Studie zurückgreifen – und am Ende doch noch ein bisschen Geld sparen. Im Moment werden die Ausgaben der neuen Studie auf 10.000 Euro geschätzt.

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