Brünhilde und Ulrich Schuppener bekommen den HeuGeVe-Preis

Verdienste um Roetgen und die Heimat : Brünhilde und Ulrich Schuppener bekommen den HeuGeVe-Preis

Wenn Brünhilde und Ulrich Schuppener, zwei „lebende Geschichtsbücher“, aus der guten, alten Roetgener Zeit erzählen, dann sind spannende Geschichten immer dabei.

Sie bewohnen an der Bundesstraße quasi das „Haus der Geschichte“, die „Alte Post“, die in diesem Jahr ihren 175. Geburtstag feiern kann. Über die Geschichte der Poststelle in Roetgen ist einiges schon von Christian Dörnbach zu Papier gebracht worden. Seine Tochter Brünhilde Schuppener verweist auf einen Beitrag ihres Vaters, der von 1949 bis 1968 als Lehrer an der David-Hansemann-Schule in Aachen unterrichtete und 1996 verstorben ist.

Das Haus, in dem sie mit ihrem Mann Ulrich heute lebt, die „Alte Post“, ist eng mit ihrer Familie und somit auch mit der Postgeschichte verknüpft. Im Beitrag ihres Vaters ist zu lesen, dass um 1800 der Postverkehr für Roetgen von Boten besorgt wurde, die zwischen Monschau und Aachen wochentags eingesetzt waren. Nicht immer einfach, denn von Aachen (Kaiserplatz) bis Münsterbildchen und weiter bis Roetgen-Postweg, war ein Höhenunterschied von 230 Metern zu überwinden. Für einen zügigen Postkutschenverkehr wurde daher in Roetgen ein Postkutscher stationiert, um bei jeder Fahrt die Pferde wechseln zu können.

Erster Posthalter war der Gastwirt und spätere Bürgermeister Johann Anton Türck. Seine Gastwirtschaft befand sich in einem strohgedeckten Eifelhaus mit weiteren Stallungen. Und die Roetgener Post war darin untergebracht. Am 14. August 1876 brannte die Gaststätte mit der Poststation völlig aus, alle Akten und auch Unterlagen wurden in das Haus Bundesstraße 15 gebracht. Hier ist bis zum heutigen Tag noch das „Postzimmerchen“, wie Brünhilde Schuppener es liebevoll nennt, funktionsfähig. Darin wird die gute alte Zeit lebendig: mit dem damaligen Postschalter, Brieflagerregal und anderen Einrichtungen. Dort war bis Ende 1902 die Postagentur untergebracht.

„Es ist das älteste noch bestehende Haus in Roetgen, in dem sich die Postagentur befand“, ist zu hören. Bis heute wird es von älteren Roetgener immer noch „Alte Post“ genannt, wovon auch vor dem Haus ein Schild zeugt. Das Haus wurde 1844 vom damaligen Land- und Gastwirt Johann Anton Reynartz errichtet. Post, Gastwirtschaft, Kolonialwarengeschäft – in diesem Haus pulsierte das Leben, darin ging sprichwörtlich „die Post ab“.

„Was darf es sein?“ Brünhilde Schuppener öffnet den Schalter zum „Postzimmerchen“. Foto: Günther Sander

Brünhilde Schuppener könnte noch viel mehr erzählen, so vom „Post-Wiffche“ (Witwe von Anton Kreitz) bis hin zum „Post-Willi“ (Sohn von Wilhelm Kreitz). Und: „In diesem Haus wurde meine Mutter geboren“, erwähnt sie stolz. Fakt ist: Roetgen, seine Geschichte, Tradition und Historie sind bei den beiden Schuppeners gut aufgehoben.

Ulrich Schuppener, ein Westerwälder, kam 1968 in die Eifel, wo er seine Frau kennen lernte und als Lehrer in Aachen an der David-Hansemann-Schule tätig war. Bereits in der Heimat, im Nassauer Land, wandte er sich geschichtlichen Themen zu, brachte sie zu Papier. In Roetgen setzte er die Schreiberei fort, ließ in einem Buch die Tradition der Weber aufleben. Persönlichkeiten, die in Roetgen das Licht der Welt erblickten, kamen in dem Buch „In Roetgen geboren – acht Prominenten-Porträts“ zur Sprache.

Dieses Werk wurde ein echter Renner. Unvergessen seine Beiträge im Monschauer Jahrbuch, und auch die Geschichte der evangelischen Kirche Roetgens hat es ihn angetan. Aus seiner Feder stammt aber auch die kleine Geschichte der ehemaligen evangelischen Kirche in Imgenbroich und Lammersdorf, und auch Ignaz Willmann, Musiker aus Monschau, hat er verewigt. Für den Roetgener HeuGeVe übernimmt er als Lektor verschiedene Aufgaben. Maßgeblich ist Ulrich Schuppener an der Herausgabe der „Roetgener Blätter“ und der „Heimatkalender“ beteiligt.

Ganz nebenbei pflegen die Schuppeners die alte Poststation, die unter Denkmalschutz steht. Und immer wieder werfen beide einen Blick in das „Postzimmerchen“. Die Schuppeners lassen nach wie vor die gute, alte Zeit noch einmal aufleben.

Am Sonntag, 22. September, bekommen die Eheleute im Rahmen einer kleinen Feierstunde in der „Alten Post“, ihrem Domizil, für ihre großen Verdienste um Roetgen und die Heimat den dritten HeuGeVe-Preis“ des Heimat- und Geschichtsvereins Roetgen verliehen.