"Roetgen mach Watt!" will die Gemeinde beraten

Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Dächern : Ein Verein elektrisiert Roetgen

Roetgen soll mehr Strom aus Photovoltaik selbst produzieren. Der Verein „Roetgen macht Watt“ mit Fachleuten und engagierten Bürgern will die Gemeinde darin beraten. Ihre Expertise stellen sie kostenlos zur Verfügung.

Sie wollen „Watt machen“: Eine ganze Reihe von Fachleuten und viele engagierte Bürger haben sich in Roetgen zu dem Verein „Roetgen mach Watt!“ zusammengeschlossen. Nur eine Woche nach der Gründungsversammlung hat sich die Vereinsspitze mittlerweile im Bauauschuss der Politik vorgestellt. Und die war im wahrsten Sinne des Wortes elektrisiert: Schließlich stellen die ausgewiesenen Fachleute der Gemeinde ihre Expertise in Zukunft kostenlos zur Verfügung.

Entstanden auf Initiative der Grünen, präsentierte sich der Verein nunmehr als überparteiliche Bewegung. Das Ziel: Roetgen soll mehr Strom aus Photovoltaik selbst produzieren und so irgendwann einmal CO2-neutral werden, also so nur noch viel Kohlendioxid produzieren, wie auch verbraucht wird. Ein ehrgeiziges Ziel, das nur mit Bau einer großen Zahl von neuen Solaranlagen zu erreichen ist. Deshalb fordern die Grünen wie auch der Verein, dass die Verwaltung prüft, auf welchen Gebäuden der Gemeinde in Zukunft Photovoltaik-Anlagen errichtet werden können.

„Die Klimakrise betrifft uns alle. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch hier vor Ort tätig werden und die Gemeinde mit gutem Beispiel vorangeht“, sagte Manfred Jollet, Vorsitzender des neu gegründeten Vereins. „Wir bieten an, die Gemeinde ehrenamtlich zu beraten, auf welchen Gebäuden neue Anlagen sinnvoll sind.“ Zentraler Punkt sei dabei eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Die Gemeinde wiederum müsse klären, ob die technischen Voraussetzungen gegeben seien, ob also zum Beispiel die Traglast eines Daches ausreicht.

Genau diese Prüfung hat die Verwaltung gerade für das Dach der Schulturnhalle vornehmen lassen. Im Raum steht dort eine Kooperation mit Innogy. Das Unternehmen will in Kürze eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlegen. Die Grünen sehen das zwar nicht kritisch, möchten in Zukunft aber auf die Expertise des Vereins setzen: „Der agiert unabhängiger als ein Großkonzern. Schließlich sollte die Gemeinde den Betrieb selbst organisieren, um damit auch etwas verdienen zu können“, erklärte Gerd Pagnia. Bürgermeister Jorma Klauss (SPD) begrüßte die Initiative: „Eine gute Zusammenarbeit von Ehren- und Hauptamtlern ist hier optimal. Wir müssten uns dieses Fachwissen sonst teuer einkaufen.“

Bereits vor einigen Jahren habe die Gemeinde nämlich prüfen lassen, inwieweit die eigenen Gebäude für die Photovoltaik-Nutzung geeignet sind. Seinerzeit war das Ergebnis ernüchternd: Die meisten Dachflächen waren zu klein oder zu schlecht ausgerichtet, etwa die des Rathauses oder auch der Grundschule. Bei einigen älteren Gebäuden kam der Denkmalschutz in die Quere. Inzwischen hat sich die Effizienz neuer Solarzellen jedoch spürbar verbessert. Daher wäre zum Beispiel eine Anlage auf dem Schuldach durchaus möglich.

Gegen die Stimme des FDP-Vertreters beschloss der Ausschuss daher, die Zusammenarbeit mit dem Verein zu prüfen. In Kürze will sich die Verwaltung zu diesem Zweck mit Vereinsvertretern zusammensetzen, wie Bürgermeister Klauss unterstrich. Mitte März kommenden Jahres könnte „Roetgen mach Watt“ dann nach eigenen Aussagen bereits erste konkrete Ergebnisse vorlegen.