Roetgen: Roetgen: Geplanter Aldi-Standort erregt Anwohner

Roetgen: Roetgen: Geplanter Aldi-Standort erregt Anwohner

„Wir als betroffene Anwohner können nur den Kopf schütteln”, schimpft Lutz Heisterbaum angesichts der neuen Planung in Roetgen, den Discounter Aldi an der Bundesstraße anzusiedeln, nachdem erst vor vier Wochen der Gemeinderat einstimmig beschlossen habe, das Unternehmen an der Faulenbruchstraße anzusiedeln.

Heisterbaum spricht von einer „enteignungsgleichen Entwertung unserer Häuser, für die wir ein Leben lang gearbeitet haben.” Das werde man nicht hinnehmen sondern kämpfen.

Am Dienstagabend hatte der Roetgener Bauausschuss mit knapper Mehrheit den Einleitungsbeschluss für die Errichtung einer Aldi-Filiale an der Bundesstraße 38-40 auf den Weg gebracht. Vor zwei Jahren wie auch heute waren ähnliche Pläne aus Gründen des Anliegerschutzes von der damals schwarz-grünen Ratsmehrheit abgelehnt worden - sehr zur Erleichterung der Anwohner der Offermannstraße, deren rückwärtige Gärten unmittelbar an das Erschließungsgebiet grenzen.

Das Entsetzen bei den Anliegern, von denen viele die Beratungen am Dienstag verfolgten, war groß, als jetzt mit der neuen Mehrheit von SPD und UWG den Plänen zugestimmt wurde.

„Die Befürworter waren wohl noch nie vor Ort, sondern haben immer nur auf den Plan geguckt”, mutmaßt Lutz Heisterbaum, Sprecher einer kurzfristig ins Leben gerufen Anwohnerinitiative. Sein Grundstück in der Hofstraße grenzt unmittelbar an die geplante Bebauung.

Von der Bundesstraße aus ist die Situation nicht einzuschätzen, man sieht nur bis zur Hecke, die in etwa die 40-Meter-Baugrenze markiert, ein wenig ansehnliches Grundstück. Das geplante Aldi-Gebäude mit einer Verkaufsfläche von ca. 1000 Quadratmetern soll aber auf der Wiese hinter dieser Hecke errichtet werden. Am linken Rand, entlang der Hecke zum Grundstück von Lutz Heisterbaum, und im linken Drittel der rückseitigen Grundstücksgrenze zu den Gärten der Wohnbebauung Offermannstraße, sind weitere Parkplätze vorgesehen.

Besonders hart trifft es auch Doris Schröder, die unmittelbare Nachbarin an der Bundesstraße. Haus und Garten würden von Parkplätzen geradezu „eingerahmt”, die Lkw-Zufahrt zur Anlieferzone führte unmittelbar an ihrem Gartenzaun vorbei.

Was das bedeutet, davon können die Anlieger der Offermannstraße hinter Plus/Netto ein Lied singen. Die Familien Fuhrmann, Gey und Marquardt berichten, dass in der ursprünglichen Planung versprochen worden sei, die Anlieferzonen zur Bundesstraße auszurichten, tatsächlich liege sie jetzt „genau vor den Schlafzimmerfenstern”. Immer wieder habe es Probleme mit den nächtlichen Anlieferzeiten gegeben, erst seit November sei es nach jahrelangen Protesten etwas besser geworden. „Man wird wach, wenn das Piepsen der Rückfahrwarner beginnt, dann liegt man im Bett und heult vor Wut, weil bei den Entladegeräuschen an Schlaf nicht mehr zu denken ist”, berichtet Marita Fuhrmann.

„Warum lernt man nicht aus Fehlern, die hier gemacht wurden?”, fragen sich die Anlieger. Auch die Bundesstraße werde noch stärker belastet, hier sei nicht einmal eine Abbiegespur, geschweige denn ein Kreisverkehr möglich, um durch einbiegende Fahrzeuge verursachte Rückstaus zu vermeiden.

Der zentrale Versorgungsbereich, auf den sich UWG und SPD beriefen, werde auf 40 Meter Bautiefe begrenzt, somit liege das beplante Gebiet zu ca. 60 bis 70 Prozent außerhalb dieser Zone, betont Lutz Heisterbaum.