Monschau: Realschülerinnen trainieren Bewerbungen

Monschau: Realschülerinnen trainieren Bewerbungen

GNÖIK und SASWRE, FFAKEE und IZIELOP. Wer bei diesen Wortschöpfungen nur Bahnhof versteht, der könnte beim Einstellungstest einer Firma oder Organisation Probleme bekommen. Hinter den vier scheinbar sinnlosen Aneinanderreihungen von Buchstaben verbergen sich Begriffe, die wir alle beinahe täglich benutzen, und die es bei einem Test im Bereich „deutsch-verbale Phantasie“ unter Zeitdruck zu erkennen gilt.

Die Neuntklässlerinnen der Mädchenrealschule St. Ursula lernten diese und andere Aufgaben jetzt in Monschau bei einem Bewerbungstraining kennen, das sie auf den Ernstfall vorbereiten soll. Denn schon bald, weit mehr als ein Jahr vor ihrem Abschluss an der Realschule, werden viele von ihnen über Ausbildung und Beruf nachdenken und dabei auch solche Tests erleben.

Kompetente Partner

„Wir sind sehr dankbar, mit der AOK und der Sparkasse kompetente Partner zu haben, die die Mädchen auf diesen wichtigen Schritt in ihrem Leben vorbereiten“, sagt Wolfgang Ophoven, Koordinator der Berufswahlvorbereitung (BWV) an der Schule.

Zunächst in der Gebietsdirektion des Kreditinstituts und später hoch oben über den Dächern von Monschau wurde für die jungen Damen der Ernstfall simuliert. „Wir möchten dieses Training so authentisch wie möglich machen, wenn auch etwas abgekürzt“, informierte Stefan Janßen, Fachberater für Regional-Marketing bei der AOK, die Teilnehmerinnen und legte ihnen zunächst einen ziemlich gemeinen Test vor: Der enthielt allerlei sinnige oder unsinnige Fragen und Anweisungen, um ziemlich zum Schluss zum Hinweis zu gelangen, dass man diesen Bogen unausgefüllt weglegen kann. „Erst mal alles anschauen und dann erst loslegen“, erklärte Janßen den Sinn der Übung.

Dann ging es zum eingangs erwähnten Einstellungstest, der zwar von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedliche Schwerpunkte setzt, grundsätzlich aber ein sehr breites Allgemeinwissen sowie Konzentrations- und Querdenkvermögen prüft. „Gott sei Dank wurde ich noch nie aufgefordert, den Test auszufüllen“, staunte selbst Lehrer Wolfgang Ophoven über manche Aufgabe und stellte die Frage in den Raum: „Wer bestimmt eigentlich, was Allgemeinwissen ist?!“ Fakt ist, dass auch viele Schüler die Antworten nicht mehr präsent haben, auch wenn die Themen bei ihnen noch frisch sind. „Da hilft nur vorbereiten, viel Zeitung lesen und auswendig lernen“, rät der Lehrer.

Alles unter Zeitdruck

Allgemeinwissen und Rechtschreibung, Mathe und logisches Denken, Fremdsprachenkenntnisse, räumliches Denken und Konzentrationstests — all dies müssen die Schülerinnen an diesem Tag unter Zeitdruck absolvieren und müssen am Ende feststellen: Wäre der Test heute echt gewesen, wären sie wohl alle nicht unter den Besten gewesen, denn, so Stefan Janßen: „Bei beispielsweise 600 Bewerbern kommen die 200 mit den meisten Punkten weiter. Punkt, Ende, Aus. Härtefälle und Diskussionen ausgeschlossen.“

Wer die Hürde „Einstellungstest“ genommen hat, der kommt in den letzten und weitaus spannenderen Teil des Bewerbungsverfahrens, das sogenannte Assessment-Center. „Hier geht es nicht um Lösungen, sondern um Lösungswege“, kündigt Stephan Janßen Rollenspiele, eine Selbstdarstellung und Bastelaufgaben für die jungen Damen an.

Zunächst aber möchte Janßen wissen, wie weit die Berufswünsche und -vorstellungen der 15- und 16-Jährigen gediehen sind. Während Laura „auf jeden Fall zur Polizei“ möchte, für Alina nur der schöne Beruf der Hebamme in Frage kommt und Gina eine Karriere als Bankkauffrau „ohne Plan B“ im Blick hat, sind andere noch unentschlossen. Ronja mag „irgendwas im Büro oder Einzelhandel“ machen, für Annika bietet ein Auslandsjahr noch etwas Bedenkzeit, und Franziska erhofft sich von einem Praktikum im April Erkenntnisse darüber, ob die Arbeit in einem Kinderheim etwas für sie wäre.

Nach der Vorstellung in der Gruppe geht es über zur Selbstdarstellung. Mirka aus Roetgen soll etwas über sich erzählen, wirkt aber etwas nervös und weiß nicht so recht, wohin mit ihren Händen. „Hier gilt es, selbstbewusst aufzutreten; schließlich möchtest Du den Leuten, die vor Dir sitzen, etwas verkaufen — nämlich Dich selbst“, sagt Stephan Janßen und spricht alles an, worauf man hier zu achten hat: Gestik und Mimik, Stimme und Lautstärke, das Verhalten im Gespräch und natürlich auch das Erscheinungsbild: „Bei vielen Arbeitgebern sind sichtbare Piercings und Tattoos ein No-Go — das kann man bedauern, ist aber so“, redet Janßen Klartext. Überhaupt gibt es klare Regeln für Frisur und Gepflegtheit oder das Outfit. „Auch wenn es das verbreitetste Kleidungsstück der Welt ist — zum Vorstellungsgespräch bleibt die Jeans zuhause.“

Weder tönen noch schweigen

Beim Assessment-Center (übersetzt: Einschätzungszentrum) werden neben solchen Äußerlichkeiten vor allem die „soft skills“, also die Sozialkompetenzen der Bewerber herausgekitzelt und sogar in den Pausen heimlich beobachtet, wie Janßen verrät. In einer Gruppendiskussion schneidet da ein Bewerber, der nichts beiträgt, genau so schlecht ab wie jemand, der permanent das Gespräch an sich reißt.

Vier Stunden lang nimmt sich der Bewerbungstrainer Zeit, um den Schülerinnen solche Kniffe zu verraten, Fehler zu korrigieren und Abläufe durchzugehen.

So etwa ab Herbst wird es dann Ernst für Lea, Franziska & Co., wenn die echten Bewerbungstermine kommen. Auf jeden Fall wissen die jungen Damen jetzt, was sie erwartet.