Rapprojekt von der Mobilen Jugendarbeit und dem Jugendcafé Simmerath

„Bunt wie Bücher in ’nem Buchladen“ : Jugendliche aus der Nordeifel produzieren Song gegen Ausgrenzung

Ein Knotenpunkt, an dem man sich trifft, an dem man so sein kann, wie man ist, und an dem man aufeinander Acht gibt. Der ist für Jugendliche aus der Nordeifel das Jugendcafé in Simmerath.

Deshalb haben sie, initiiert, finanziert und begleitet von der Mobilen Jugendarbeit der Städteregion Aachen, in Kooperation mit dem Roetgener Rapper Homeerun und dem Jugendcafé des Vereins Jugendaktiv Simmerath einen Song produziert. „Knotenpunkt“ handelt von kultureller Vielfalt und davon, dass niemand einsam sein muss. „Es ist wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen“, sagt Colin Baur, der gemeinsam mit Eva Clement Teile des Lieds eingesungen hat. „Viele Menschen haben Vorurteile gegenüber Menschen mit anderer Hautfarbe. Aber nur weil jemand anders aussieht, heißt das ja nicht, dass er auch anders ist“, ergänzt der 15-Jährige.

Diese Botschaft wollten die Jugendlichen auch im Song rüberbringen. „Hier im Jugendcafé sind wir Gleichgesinnte, schreiben alle diesen Text mit gleicher Tinte“ und „niemand ist hier einsam, keiner steckt den ander’n in ’ne Schublade, stehen bunt zusammen da wie Bücher in ’nem Buchladen“ – so lauten Zeilen des Liedes, an dem die Jugendlichen seit September gearbeitet haben.

„Das Thema hat sich dadurch ergeben, dass seit einiger Zeit auch vermehrt Jugendliche mit Fluchthintergrund ins Café kommen“, erklärt Babette Siewe, die Leiterin des Jugendcafés. Und Lara Brammertz von der Mobilen Jugendarbeit ergänzt, es sei ein Anliegen gewesen, zu transportieren, dass Integration und das Zusammenleben von Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen gelingen kann. „Es gibt Menschen, die diese Vielfalt als Bedrohung wahrnehmen oder kritisch sehen. Wir wollten zeigen, wie wir das sehen: als Bereicherung, als Chance“, sagt sie.

Einmal pro Woche arbeiteten die 14- bis 20-Jährigen gemeinsam mit Christopher Albrecht alias Homeerun, Brammertz und Siewe an dem Song. Als erstes musste ein Beat ausgesucht werden. Dann wurde über das Thema und den Text diskutiert. Wie sehe ich mich? Möchte ich in einer bunten Gesellschaft leben? Bin ich integriert, oder fühle ich mich manchmal ausgeschlossen? Das waren nur einige der Fragen, die die Jugendlichen für sich beantworteten. In der Gruppe berichteten sie sich in dieser Phase gegenseitig von ihren Erfahrungen, von Vorurteilen, denen sie begegnet sind und auch von Ausgrenzung, aber auch davon, was sie erreichen möchten. „Man hat richtig gemerkt, wie stolz sie waren, dass ihre Gedanken von den anderen gehört wurden. Diese soziale Anerkennung tat ihnen gut“, sagt Brammertz.

Gemeinsam mit Homeerun setzten sie dann nach und nach den Text zusammen und reimten einzelne Passagen. Mitte Januar nahm die Gruppe das Lied dann in einem Tonstudio in Aachen auf. „Es hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht, den Song zu singen“, sagt Baur. Homeerun übernahm den Rapteil. Viele Fragen hätten die Jugendlichen während des Ausflugs gestellt, wie auch davor. „Durch so ein Projekt erlernen sie auch Kernkompetenzen“, betont Brammertz den pädagogisch wertvollen Aspekt.

Neben der Fähigkeit sich zu konzentrieren, konstruktiv zu diskutieren und dem handwerklichen Wissen, wie man reimt und ein Lied produziert, hätten gerade diejenigen, die nicht in Deutschland aufgewachsen seien, auch ihren Wortschatz erweitert. „Und es war für die Jugendlichen auch neu, zu sehen, wie sowas von der Idee bis zum fertigen Produkt funktioniert“, meint Christopher Albrecht. Normalerweise mache man das Radio an und höre Musik, aber kaum jemand mache sich Gedanken, wie viel Arbeit hinter einem Lied stecke.

Lara Brammertz (v.l.) von der Mobilen Jugendarbeit der Städteregion, Christopher Albrecht alias Rapper Homeerun und Babette Siewe, Leiterin des Jugendcafés, haben das Musikprojekt begleitet. Foto: Nadine Eikermann

Im nächsten Schritt soll nun im Frühjahr ein Video zu dem Lied „Knotenpunkt“ an verschiedenen Spielorten in der Nordeifel gedreht werden. Im Anschluss wird der fertige Musikclip dann veröffentlicht.

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