Nordeifel: Polizei und Biker Rad an Rad bei „PoliTour 2018“

Nordeifel : Polizei und Biker Rad an Rad bei „PoliTour 2018“

„Eigentlich stehen wir ja auf der gleichen Seite“, sagt Thomas Kremer. Der Polizeibeamte ist Leiter des Ressorts Verkehrssicherheit bei der Polizei Aachen und seine Worte richtet er am Ortseingang Einruhr an eine Gruppe von rund 15 Motorradfahrern, die sich am Samstag für die sogenannte „PoliTour 2018“ angemeldet hatten.

Um Motorradfahrer auf die besonderen Gefahren der kurvenreichen Eifelstrecken und die Belastungen der Anwohner durch Motorradlärm aufmerksam zu machen, hatte die Polizei Aachen zu einer begleiteten Motorrad-Tour ab Waldfriedhof Aachen durch die Eifel eingeladen.

Im Dialog: Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach sucht im Rahmen der „PoliTour 2018“ in Einruhr mit Bikern das Gespräch. Auf der ca. 90 Kilometer langen Tour wurden sechs Stationen angefahren, an denen Übungen und Informationen auf die Teilnehmer warteten. Foto: P. Stollenwerk

Auch Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach war bei der Tour zu Gast und suchte bei einem Zwischenstopp am Obersee das Gespräch mit den Teilnehmern. Die Aktion wurde durch die Landesverkehrswacht, eine Fahrschule aus Eschweiler, den Malteser Hilfsdienst und den TÜV Rheinland aus Simmerath unterstützt. Auf der ca. 90 Kilometer langen Tour wurden insgesamt sechs Stationen angefahren, an denen verschiedene Übungen und Informationen auf die Teilnehmer warteten, angefangen von der Analyse von Unfallursachen bis hin zu Fahrübungen auf einer abgesperrten Strecke und Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Motorradunfällen.

„Die unterschiedlichen Themengebiete sollen den Motorradfahrern die Gefahren im Straßenverkehr nachhaltig bewusst machen und Lösungsmöglichkeiten für verschiedene Gefahrensituationen vermitteln. Auch wollen wir ein Gespür dafür erreichen, wie nervend laut für Anwohner Motorradgeräusche sein können“, erläutert Thomas Kremer. Der Polizeibeamte rennt bei den Bikern offene Türen ein, auch, wenn im Dialog durchaus kontroverse Standpunkte ausgetauscht werden.

Bürgerinitiative zurückhaltend

Vor Ort in Einruhr ist auch die Bürgerinitiative, die im vorigen Sommer durch einige spektakuläre Aktionen im Kampf gegen „Radau und Raser“ auf sich aufmerksam machte und am Ende erreichte, dass der bei Bikern hoch beliebte Treffpunkt an der B 266 bei Schöne Aussicht für Motorräder gesperrt wurde. In diesem Sommer verhielt sich die Bürgerinitiative eher zurückhaltend. „Wir sind nicht auf Eskalation bedacht“, sagt Helmut Kaulard aus Dedenborn, einer der Aktivposten in der Initiative. Kaulard betont an diesem Nachmittag mehrfach, „dass wir grundsätzlich nichts gegen Motorradfahren in der Eifel haben. Uns geht es um die etwa fünf Prozent der Biker, die sich einfach nicht verkehrsgerecht verhalten.“

Rückblickend auf die zu Ende gehende Motorradsaison findet er, „dass die Situation ein wenig besser geworden ist“. Die häufigen Kontrollen der Polizei verfehlten offenbar nicht ihre Wirkung. Während des einstündigen Aufenthaltes in Einruhr im Rahmen der „PoliTour 2018“ spannte die Bürgerinitiative zwei Transparente mit den Forderungen „Gemeinsam gegen Lärm und Radau“ und „Lärm macht krank“ auf.

Die Gruppe der Unbelehrbaren unter den Bikern bereitet auch dem Polizeipräsidenten Sorgen. Dirk Weinspach fand deutliche Worte an die unverantwortlichen Raser, die es übrigens nicht nur in der Eifel gebe: „Es gibt Leute, die schalten ihr Gehirn aus, sobald sie den Motorradhelm aufsetzen.“ Außerdem könne man wohl kaum das Naturerlebnis in der Eifel genießen, „wenn man ständig am Limit fährt“.

Dirk Weinspach wünscht sich, „dass wir auf gesetzgeberischer Ebene zu Ergebnissen kommen. Warum gibt es überhaupt Zubehörteile auf dem Markt, die ein Motorrad lauter machen?“, lautet für Weinspach eine der zentralen Fragen. Die Polizei verfüge nicht über die entsprechenden Messgeräte, die einer gerichtsfesten Prüfung der festgestellten Lärmwerte standhielten. Weinspach machte weiterhin deutlich, dass eine gewisse Gruppe von Motorradfahrern über eine „unglaubliche Dreistigkeit“ verfüge. Hier gelte es einzuschreiten.

„Permanente Hetze“

In diesem Punkt aber regte sich Widerstand bei einigen Bikern, die finden, „dass der Motorradfahrer doch wohl nichts dafür kann, wenn gesetzlich zulässige Produkte auf dem Markt angeboten werden.“ Es handele sich eher um ein „Verursacher- als um ein Verbraucherproblem“. Einige Teilnehmer der Tour bedauerten, „dass wir offenbar in der Eifel nicht mehr willkommen sind.“ Dieser Vorwurf zielte auch in Richtung Bürgerinitiative, deren Aktionen auch zu einer „permanenten Hetze“ gegen Biker geführt hätten.

Doch der Polizeipräsident stellte sich schützend vor die Initiative: „Niemand will hetzen; wir wollen den Dialog und eine differenzierte Betrachtung“, betont er, wobei ihm sehr wohl klar sei, dass die Gruppe der Biker, die an der „PoliTour 2018“ teilgenommen hätten, „eigentlich nicht die Angesprochenen sind“.

Drei tödlich verlaufene Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Bikern gab es in diesem Sommer. Das sind nicht nur aus der Sicht der Polizeipräsidenten „drei zu viel“. Dirk Weinspach versprach, „dass die Polizei auch weiterhin mit betroffenen Bürgern in der Eifel zusammenarbeiten will und deren Sorgen ernst nimmt“.

In freundschaftlicher Atmosphäre ging man dann am Obersee auseinander, und die Teilnehmer der „PoliTour 2018“ brachen zu ihrer Abschlussetappe durch Rur- und Grünental in Richtung Aachen auf — ohne heulende Motoren...

(P. St.)
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