Roetgen: Pläne für Ausbau der Kita Wackelzahn ändern sich wegen einer alten Linde

Roetgen : Pläne für Ausbau der Kita Wackelzahn ändern sich wegen einer alten Linde

Die alte Linde im Zufahrtsbereich für die geplante neue Kindertagesstätte der Städteregion Aachen an der Hauptstraße in Roetgen hinter der Kita Wackelzahn soll nun doch nicht gefällt werden. Das hat der Rat der Gemeinde Roetgen beschlossen. Dadurch wird sich das Bauvorhaben voraussichtlich einige Monate verzögern.

Vor der Ratssitzung hatte der Bauausschuss der Gemeinde dem Bau der Kita grundsätzlich zugestimmt, aber eine Prüfung verlangt, unter welchen Rahmenbedingungen der Baum erhalten werden kann.

Die Städteregion hatte daraufhin in ihrem Antwortschreiben erklärt, dass der Erhalt der Linde zu Lasten der Verkehrssicherheit gehe, und dass „unverhältnismäßig hohe Kosten“ zu erwarten seien. Eine erste Prognose gehe von rund 60.000 Euro aus. Wobei zu klären bleibe, wer diese zusätzlichen Kosten zu tragen habe. Außerdem machte die Städteregion darauf aufmerksam, dass eine Neuplanung mehrere Wochen in Anspruch nehme. So werde sich der Bau der neuen Kita voraussichtlich um bis zu sechs Monate verschieben.

Gerd Pagnia (Grüne), der schon im Bauausschuss angekündigt hatte, sich notfalls an der Linde anzuketten, konnte die Gründe der Städteregion nicht nachvollziehen und erkannte an dieser Stelle keine Gefährdung der Fußgänger durch den Verkehr. Das Argument der Städteregion, die Linde könne auch deshalb nicht erhalten werden, weil das Wurzelwerk des Baumes innerhalb der Verkehrsfläche liege, ließ Pagnia ebenfalls nicht gelten.

„Dann frage ich mich, ob Umsägen besser ist“, sagte er. Auch eine Kostensteigerung in Höhe von 60.000 Euro zweifelte Pagnia an. „Woher kommt diese Zahl?“, fragte er und erklärte, dass vermeintliche Kostensteigerungen immer ein beliebtes Argument seien. Pagnia regte schließlich an, den Verkehr links und rechts an der Linde vorbeizuführen.

Unterstützung erhielt Pagnia von seinem Parteifreund Bernhard Müller, der ebenfalls davon ausgeht, „dass ein Erhalt des Baumes mit geringstem Mehraufwand möglich ist“. Das Verhalten der Städteregion sei ungewöhnlich. „Schließlich erlauben wir der Städteregion als Bauherrn über unser Grundstück zu ihrem zu gelangen“, erklärte Müller. Gudrun Meßing (Grüne) hatte das Gefühl, „dass hier Dinge verschwiegen oder manipulativ dargestellt werden“.

Auch Bernd Vogel (PRB) schloss sich dieser Auffassung an. „An anderen Orten wird der Asphalt weggerissen, um Bäume zu erhalten, und hier soll die Linde einfach platt gemacht werden“, sagt er.

Silvia Bourcau (UWG) bemängelte, dass Anregungen der Roetgener Politiker „gar nicht zur Kenntnis genommen oder innerhalb kurzer Zeit zunichte gemacht“ würden. „Ein einfacher Bürger hätte den Baum erhalten müssen“, sagte Bourceau und erklärte, man könne nicht über eine Baumschutzsatzung für die Gemeinde Roetgen diskutieren und dann den eigenen Baum fällen lassen. Die Argumente der Städteregion bezeichnete sie als „fadenscheinig“.

Mario Johnen (SPD) sprach sich ebenfalls für den Erhalt des Baumes aus. „Warum werden hier keine Vorgaben gemacht, wenn wir uns bei jedem privaten Bauherrn dafür ins Zeug legen?“, fragte er.

Völlig anders sah das Klaus Onasch (SPD). Wenn es eine Baumschutzsatzung geben würde, wäre diese Linde nicht darin aufgenommen worden, sagte er und wies daraufhin, dass im Notfall auch genügend Platz für die Feuerwehr vorhanden sein müsse. „Ohne diesen Baum erreichen wir die maximal mögliche Sicherheit für die Kinder“, betonte er. Alles andere sei „viel gefährlicher“, die Sicherheit müsse im Vordergrund stehen. Außerdem würden ersatzweise neue Bäume gepflanzt. „Es ist zu billig, einfach zu sagen, das funktioniert.“

Michael Seidel (CDU) schloss sich Onasch an. Erstens sei der Baum kein Naturdenkmal, zweitens gebe es keine Baumschutzsatzung und drittens wäre die Linde auch nicht durch eine solche Satzung geschützt. „Egal, wer es am Ende bezahlt — 60.000 Euro sind für den Erhalt des Baumes zu viel“, sagte Seidel.

Der Austausch der Argumente setzte sich fort, bis es zur Abstimmung kam. 15 Ratsmitglieder sprachen sich gegen den Beschlussvorschlag, die Linde zu entfernen, aus. Für den Beschlussvorschlag stimmten ebenfalls 15 Ratsmitglieder. Bei Stimmengleichheit gilt der Vorschlag als abgelehnt.

(ag)
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