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Pfarrer Michael Michael Stoffels über die Bedeutung der Fastenzeit

Beginn der Fastenzeit : Verzicht auf Süßes hat ausgedient

Kein Alkohol, keine Süßigkeiten oder doch lieber sechs Wochen kein Smartphone? Was bedeutet Fasten, was bedeutet Verzicht, und spielt das alles in der heutigen Zeit überhaupt noch eine Rolle, wenn am Aschermittwoch für die in der römisch-katholischen Kirche zusammengeschlossenen Gläubigen die 40-tätige Fastenzeit beginnt?

Für Pfarrer Michael Stoffels, Leiter der Simmerather Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Selige Helena Stollenwerk, hat die Fastenzeit aus Sicht der Kirche nichts von ihrer Bedeutung verloren, auch wenn die Interpretation dieser 40-tägigen Phase sich stark verändert habe.

Innerhalb der Gesellschaft sei der Stellenwert der Fastenzeit sicherlich nicht mehr so hoch angesiedelt, räumt er ein. Bei der Terminierung von Festen und Veranstaltungen werde darauf kaum noch Rücksicht genommen. „Für die Kirche ist die Fastenzeit aber nach wie vor die wichtigste Zeit im Kirchenjahr, weil sie auf Ostern, das höchste Fest im Kirchenjahr, hinführt. In der Fastenzeit sind die Menschen daher eingeladen, über ihren Glauben nachzudenken“, beschreibt Stoffels den tieferen Sinn dieser Zeit.

Dass die Fastenzeit von vielen Menschen ausschließlich in einen direkten Zusammenhang mit konkretem Verzicht gebracht wird, ist dem Seelsorger zu vordergründig. Der zeitweilige Verzicht auf bestimmte Dinge könne lediglich eine Hilfestellung dafür geben, „dass wir uns noch einmal das Wesentliche bewusst machen“. Der Verzicht auf Süßigkeiten, Alkohol oder Rauchen beispielsweise biete eine gute Gelegenheit, „den eigenen Willen zu stärken“. Gleiches gelte auch für den Verzicht auf Handynutzung oder Computerspiele.

Auch Michael Stoffels kann sich noch gut daran erinnern, dass er als Kind in der Fastenzeit auf Süßigkeiten verzichtete und diese in einem Glas sammelte. „Sämtliche Klümpchen klebten dann fest zusammen, wenn man sie am Karsamstag aus dem Glas nehmen wollte“, erinnert sich der Pastor schmunzelnd an eine vor Jahrzehnten auf dem Land bei vielen Kindern noch weit verbreitete Form des strengen Verzichts (s. Box). Diese Art des Fastens aber hat inzwischen ausgedient.

Den Glauben bewusst leben: Das ist für Pfarrer Michael Stoffels, Leiter der GdG Simmerath, der wichtigste Aspekt in der am Aschermittwoch beginnenden Fastenzeit. Foto: Peter Stollenwerk

In diesem Jahr dauert die Fastenzeit vom 6. März bis 20. April. Die Gläubigen, so lautet die Empfehlung der Kirche, sollen in der Fastenzeit nur eine volle Mahlzeit am Tag und je zwei kleinere Stärkungen zu sich nehmen. An allen Freitagen gilt das Gebot der Abstinenz, also der Verzicht auf Fleisch, weil der Freitag an den Tod Jesu Christi erinnert. Aschermittwoch und Karfreitag gelten sogar als Fast- und Abstinenztage. „Man sollte aber nicht auf etwas verzichten, was man sowieso nicht mag“, sagt Pfarrer Stoffels, der auch für sich selbst eine zeitgemäße Form des Fastens gefunden hat. Einen konkreten Verzicht zu üben, hat er diesmal nicht ins Auge gefasst. „Für mich ist es wichtig, in der Fastenzeit noch einmal bewusst aus dem Glauben heraus zu leben, im Gebet und im Alltag.“

Verzicht könne in diesem Sinne auch bedeuten, „in der Fastenzeit Dinge zu, tun, die man lange Zeit vernachlässigt hat, zum Beispiel Menschen eine Freude bereiten“. Symbolisiert wird der Beginn der Fastenzeit in der katholischen Kirche durch die Spendung des Aschenkreuzes, das dem Menschen seine Vergänglichkeit bewusst machen soll. Im Gottesdienst am Aschermittwoch besprengt der Priester die Asche mit Weihwasser und segnet sie.

Dann zeichnet er den Gläubigen das Aschenkreuz auf die Stirn. Dieses kirchliche Ritual sei nach wie vor „sehr gefragt“, sagt Pastor Stoffels. Auch die katholischen Kindergärten in Simmerath und Rollesbroich haben den Seelsorger am Aschermittwoch eingeladen. „Die Kinder freuen sich auf das Aschenkreuz, und ich sage ihnen dann, dass sie daran denken sollen, dass Jesus sie lieb hat.“ Diese Botschaft nähmen die Kinder gern an.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz hatte übrigens vor einigen Jahren eine interessante Idee im Hinblick auf die Fastenzeit: das sogenannte Plastikfasten. Die Organisation ermunterte dazu, ganz bewusst einmal einige Wochen oder über die gesamte Fastenzeit alles, was in Plastik eingepackt ist, zu meiden. Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um die Reduzierung von Kunststoffverpackungen ist das sicherlich auch eine echte Herausforderung.