Konzen: Pfarrer Francis Chirayath: Konzen und Indien verbunden

Konzen: Pfarrer Francis Chirayath: Konzen und Indien verbunden

Hoffnung haben - trotz so mancher Enttäuschung; zuversichtlich sein, auch wenn heute „oft gar keine Resonanz mehr da ist”. Froh und dankbar sein, dass die Hilfe für das St. James-Krankenhaus und das Waisenhaus „Bhala Baven” so groß war und ist. Darauf vertrauen, dass die Menschen „in schweren Zeiten und Krisen wieder zu Gott und zum Glauben zurückfinden”.

Pfarrer Dr. Francis Chirayath zieht im Gespräch Bilanz - nach fast 22-jährigem Leben und Wirken als Pfarrer von Konzen.

Seit dem 1. Juli ist Francis Chirayath nicht mehr Pastor der Pfarre St. Peter und Pankratius in Konzen, altersbedingt musste er mit 75 Jahren Amt und Aufgabe abgeben. Gleichwohl bleibt er Konzen verbunden - als Subsidiar wird er den neuen Pfarrer von Konzen, Karl-Heinz Stoffels, unterstützen, soweit Kraft und Gesundheit dies zulassen.

Zudem bleibt Francis Chirayath weiterhin im Pfarrhaus am Kirchenweg wohnen. Während der Abendmesse am Samstag, 25. Juli, wird Pfarrer Chirayath als Leiter der Pfarrgemeinde verabschiedet, gleichzeitig wird Karl-Heinz Stoffels in sein neues Amt eingeführt.

In Konzen freundlich empfangen

Am 18. Oktober 1987 wurde Dr. Francis Chirayath als Pfarrer in Konzen eingeführt: Wie hat er die Pfarre am Anfang gesehen und erlebt? Und was ist seine Sicht heute nach fast 22 Jahren?

„Die meisten Konzener haben mich sehr freundlich aufgenommen, sie waren bereit, mich als ihren neuen Pfarrer zu unterstützen.” Alles, was den Konzenern als Tradition wertvoll war, darum habe er sich bemüht und dies auch in der Liturgie und in Gottesdiensten zu feiern.

Besondere Feiertage wie das Pankratiusfest, das Kirchweihfest am 15. August mit der Kräuterweihe, Brot- und Salzsegnung am Brigidatag, die Mai- und Rosenkranzandachten habe er angeboten und aufrechterhalten, sagt Pfarrer Chirayath, der dann bedauert: „Heute nach 22 Jahren empfinde ich es als sehr schade, dass diese lieben alten Traditionen, die immer noch angeboten werden und liturgisch auch gut vorbereitet werden, nur noch von sehr wenigen Pfarrangehörigen mit Leben erfüllt werden.”

Enttäuscht von der Jugend

Enttäuscht ist Pfarrer Chirayath von der Jugend, um die er sich „sehr bemüht” habe: „Ich hatte große Hoffnung auf unsere Jugendlichen, als ich den renovierten und gut eingerichteten Jugendraum unter der Kirche einsegnete. Meine Erwartung war eine Verbundenheit mit dem kirchlichen Leben und den Aktivitäten der Pfarre. Ich habe mich sehr darum bemüht, und zunächst gab es auch eine gute Zusammenarbeit mit der Pfarrjugend. Doch das Ergebnis: Die Jugendlichen sind in einen anderen Raum ausgezogen.”

Pfarrer Chirayath ist besorgt: „Die Kirche kann unsere Jugendlichen nicht mehr begeistern, weil der Einfluss und die Angebote von draußen wahrscheinlich zu groß und verlockend sind - so habe auch ich diese Enttäuschung erfahren müssen.”

Besonders schmerzlich sei für jeden Seelsorger die Tatsache, dass kaum noch Kinder an den Sonn- und Feiertagen in der Kirche sind. Dass es auch Ausnahmen gibt, so bei den Kindern und Jugendlichen, die sich als Messdiener oder als Lektoren engagieren, dies sei sehr erfreulich und gebe doch wieder Hoffnung, dass nicht alles umsonst war. „In schweren Zeiten und Krisen finden sie sicher wieder zu Gott und zu ihrem Glauben zurück”, sagt Pfarrer Chirayath.

Wichtig für Dr. Chirayath: Die Pfarre gebe jedem, „der guten Willens ist, die Möglichkeit, am kirchlichen Leben teilzunehmen - als aktiver Mitarbeiter oder auch nur als „Besucher”. So sei er sehr froh und sehr dankbar, wenn er zum Beispiel an die „vielen, vielen Mitarbeiter bei den Pfarrfesten denkt und an die vielen hilfreichen Hände bei den Basaren und anderen Aktivitäten”.

Nach Stationen in Strass, Lammersdorf und Aachen wurde Francis Chirayath am 18. Oktober 1987 als Pfarrer in Konzen eingeführt. War es schwer, gerade als Inder und indischer Priester im Deutschland Seelsorger zu sein?

Mission ist keine Einbahnstraße

Francis Chirayath: „Natürlich gab es sicher auf beiden Seiten Ängste, wie denn so ein Inder als Seelsorger in Deutschland zurechtkommt - mit einer anderen Kultur, einem anderen Gesicht der Kirche dort mit ihrer tiefen Religiosität - doch bis heute sind Konzen und Indien zusammengewachsen. Es gibt ein besseres Verständnis auf beiden Seiten, denn „Mission ist keine Einbahnstraße, sondern ein Geben und Nehmen von beiden Seiten. Und sicher ist eine große Verbundenheit daraus entstanden, eine Missionsarbeit, die beiden Seiten unendlich gut tut.”

Francis Chirayath bleibt weiterhin im Pfarrhaus Konzen wohnen „und hoffentlich mit meiner Pfarrgemeinde verbunden”, dies ist sein Wunsch, „weil ich das als eine gute Möglichkeit betrachte, etwas zurückzugeben von dem, was Konzen für mich und meine Heimat getan hat”. Einen Seelsorger für Konzen allein wird es wohl in der nächsten Zeit nicht geben, der Priestermangel in Deutschland ist zu groß. Chirayath: „So hoffe ich, noch für eine längere Zeit Dienst tun zu können, wenn Gott mir Gesundheit schenkt”.

Irgendwann zurück nach Indien

Ist dies nicht mehr möglich, dann möchte er, wie er sagt, in seine Heimat zurückkehren. Sein Wunsch an Karl-Heinz Stoffels, den neuen Pfarrer von Konzen: Im brüderlichen Miteinander ohne Kompetenzschwierigkeiten und in Freundschaft „noch eine längere Zeit gemeinsam mit ihm hier Seelsorger zu sein - wenn auch nicht mehr als verantwortlicher Pfarrer”. Künftig ist Pastor Chirayath Subsidiar der Gemeinschaft der Gemeinden Monschau, er ist bereit, seinen Dienst „in Übereinstimmung mit meinen Mitbrüdern zu tun - am liebsten natürlich in Konzen, aber auch in anderen Gemeinden”.

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