Ehe für alle: Nur wenige gleichgeschlechtliche Ehen in der Nordeifel

Ehe für alle : Nur wenige gleichgeschlechtliche Ehen in der Nordeifel

Seit einem Jahr dürfen Schwule und Lesben in Deutschland heiraten. In vielen Standesämtern in NRW führte das zu großem Andrang. In der Nordeifel war der Andrang nicht ganz so groß. Insgesamt gab es seit dem 1. Oktober 2017 nur eine gleichgeschlechtliche Eheschließung und sechs homosexuelle Paare, die ihre eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandelten.

Eine Lebenspartnerschaft ermöglichte gleichgeschlechtlichen Paaren seit 2001, ihrer Beziehung einen rechtlichen Rahmen zu geben. Diese bestehenden Lebenspartnerschaften können jetzt in Ehen umgewandelt werden, wenn beide Lebenspartner beim Standesamt persönlich erklären, miteinander eine Ehe auf Lebenszeit führen zu wollen.

„Lange dafür gekämpft“

In der Stadt Monschau gab es Anfang des Jahres eine solche Umwandlung eines lesbischen Paares. Vor ein paar Wochen gingen zwei Frauen direkt die Ehe ein.

In Simmerath wandelten zwei männliche und zwei weibliche Paare ihre Lebensgemeinschaft noch 2017 in eine Ehe um. In diesem Jahr waren es nochmal zwei Frauen.

Indes gab es in der Gemeinde Roetgen keine gleichgeschlechtlichen Ehen, die geschlossen, und auch keine Lebenspartnerschaften, die in eine Eheschließung umgewandelt wurden. „Es kam lediglich zu einer Anfrage für Informationen über eine Umwandlung zur Eheschließung“, erklärte Stefanie Linz vom Einwohnermelde- und Standesamt in Roetgen.

David Senf aus Mützenich ist seit 29 Jahren mit seinem Partner Walter zusammen. Die Lebenspartnerschaft ging das schwule Paar im Jahr 2009 ein. In eine Ehe haben sie ihre Partnerschaft nicht umwandeln lassen. „Das ist Geldmacherei. Mir reicht unsere eingetragene Partnerschaft“, sagt der 46-Jährige. Über die sogenannte Ehe für alle ist er aber natürlich trotzdem sehr glücklich. „Wir haben lange dafür gekämpft und in Köln und beim Christopher Street Day (CSD) dafür protestiert“, sagt er.

Ein schönes Fest: Beim Schützenfest 2010 in Mützenich tanzten Schützenkönig David Senf (l.) und sein Lebenspartner Walter im Kreise der Bruderschaft den Königswalzer. Foto: H. Schepp

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat keine Einwände gegen die Ehe für alle. In vielen evangelischen Landeskirchen können sich homosexuelle Paare segnen, in einigen sogar trauen lassen.

In Roetgen hat der evangelische Pfarrer Wolfgang Köhne seit dem Gesetz der Ehe alle zwei Paare aus Simmerath gesegnet. „Für uns ist das überhaupt kein Problem“, sagt er. Aus Sicht der Evangelischen Kirchengemeinde Monschauer Land, „ist das Paar ja schon standesamtlich verheiratet. Bei uns wünschen sie sich dann Gottes Segen, und das feiern wir“, erklärt der Pfarrer des Gemeindebezirks Roetgen.

Die Katholische Kirche hat hingegen starke Vorbehalte. Für gleichgeschlechtliche Paare ist es nicht möglich, vor den Traualtar zu treten. „Die Ehe ist die Verbindung zwischen Mann und Frau“, sagt Michael Stoffels, katholischer Pfarrer der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Simmerath. Auch eine Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren sei nicht möglich. „Die Ehe ist ein Sakrament, und das ist nur für Mann und Frau möglich“, sagt er. So stehe es in der Bibel.

Auch David Senf ist Katholik. „Ich habe oft mit dem Gedanken gespielt, in die evangelische Kirche überzutreten“, erzählt er. „Aber mittlerweile habe ich mich mit der Ansicht der katholischen Kirche abgefunden, und bleibe Katholik.“ Die katholische Kirche lebe halt immer noch in einem anderen Zeitalter.

Als David und der elf Jahre ältere Walter Senf damals die Lebenspartnerschaft eingingen, „gab es eine riesige Feier. Ich war überrascht und überwältigt, wie viele kamen, auch aus den anderen Dörfern“, sagt Senf. Vor vier Monaten ist der 46-Jährige Schützenkönig der St.-Hubertus-Bartholomäus-Schützenbruderschaft geworden — und das zum zweiten Mal.

„Als wir 2007 nach Mützenich gezogen sind, habe ich mich mit zwei Urgesteinen, um die 80 Jahre alt, unterhalten und ihnen erzählt, dass ich auch gerne mal auf den Königsvogel schießen würde“, erzählt Senf. Die beiden Herren seien sofort begeistert gewesen und hätten ihm den Segen des Dorfes gegeben. „Ich verstehe nicht, wieso Homosexualität manchmal immer noch nicht richtig akzeptiert wird. In der Eifel und auf den Dörfern habe ich aber immer gute Erfahrungen gemacht“, sagt der Mützenicher.

Dass sich in der Nordeifel eher weniger Paare trauen lassen oder ihre Partnerschaft umgewandelt haben, liege laut des Schützenkönigs nicht an Angst oder Scham, sondern daran, dass „die schwule Bewegung auf den Dörfern immer noch rar gesät ist.“

Dass er keine negativen Erfahrungen in der Nordeifel gemacht habe, liege sicherlich auch an seiner persönlichen Einstellung. „Wenn ich merke, dass mich jemand nicht mag, dann geht man halt verschiedene Wege.“

Zahlen mittlerweile konstant

Seit dem 31. August 2017 gaben sich allein in Köln 1056 gleichgeschlechtliche Paare das Jawort. Auch in Düsseldorf, Dortmund und Münster ließen sich Hunderte Männer- und Frauenpaare trauen. Bundesweit heirateten seither mehr als 10.000 Schwule und Lesben. Der Ansturm homosexueller Paare auf die Standesämter in Nordrhein-Westfalen hat sich nach einem Jahr etwas gelegt. Mittlerweile sind die Zahlen relativ konstant.

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