Rott: Nullnummer nur für den Heimatverein

Rott: Nullnummer nur für den Heimatverein

Mehr geht nicht. Hätten die „Fleddermäuse” noch eine Zugabe gespielt, dann hätten wahrscheinlich die ersten Zuschauer im Saal Hütten wegen schwerer Lachkrämpfe oder einsetzendem Gesichts-Muskelkater medizinisch behandelt werden müssen.

Dafür erst einmal ein herzliches Dankeschön an die Kabarett-Truppe aus Aachen, nach deren Auftritt man sich ernsthaft fragt, warum dieses Ensemble eigentlich auf der großen Comedy-Bühne spielt. Vielleicht sind sie einfach zu gut, oder doch zu provinziell, denn ohne original Aachener Dialekt läuft nichts.

Die gut 150 Zuschauer im Rotter Dorfsaal Hütten erlebten mit dem Auftritt des Aachener Sextetts beste Samstagabend-Unterhaltung - auf hohem Niveau.

Einmal im Jahr lädt der Heimat- und Eifelverein Rott zu einer ausgewählten Kleinkunst-Veranstaltung ein, vor allem vor dem Hintergrund, den Dorfsaal mit Leben zu erfüllen. Bei der 13. Veranstaltung wurden die „Fleddermäuse” eingeladen, was sich als echter Glücksgriff erwies.

Für den Heimat- und Eifelverein ist der Kleinkunst-Abend normalerweise eine „Nullnummer”, aber über solche Veranstaltungen mit hohem Kommunikationsfaktor fördert man die Dorfgemeinschaft im 1800 Einwohner-Ort, und das ist für den Verein um Organisator Thomas Staerk Gewinn genug.

Seit 30 Jahren stehen die Fleddermäuse auf der Bühne, Grund genug ein Jubiläums-Programm mit den besten Nummern aus drei Jahrzehnten auf die Beine stellen. Vor 10 Jahren waren die Fleddermäuse schon einmal zu Gast in Rott.

Manfred Hammers, von der ersten Stunde an Mitglied der Truppe, schätzt Auftritte wie den in Rott: „Das ist Kleinkunst hautnah!” Hammers weiß auch, dass man als Kabarettist „immer wachsam” sein müsse, und freut sich darüber, „dass das Publikum mit uns gereift ist.” Und in diesem Punkt hat sich das Verhältnis schon schwer geändert: „Früher spielten wir vor 1000 Studenten und jetzt vor 1000 Bürgern.”

An der Qualität des Nummern-Kabaretts der „Fleddermäuse” hat sich nichts geändert. Noch immer stimmt die Mischung zwischen ätzender Gesellschaftskritik, ausgetüfteltem Wortwitz, Sketchen und Slapstick. Und selbst für einen richtigen Kalauer ist sich die Truppe nicht zu schade.

EU-Normen werden ab absurdum geführt, das multimediale Chaos im Wohnzimmer hält Einzug, und ernsthaft wird die Frage nach der „Unzurechnungsfähigkeit des Wählers” gestellt. Bitterböse sind die Nummern über Ein-Euro-Jobs als Anrufbeantworter oder ein „Navi”, das man „sanktionsfrei anpöbeln” kann.

Philosophische Gedanken über das Loch an sich und den sozialen Druck am Leergut-Annahme-Automaten im Supermarkt geben Einblicke in jene Alltagswelt, die die Menschheit wirklich zutiefst bewegt.

Zum Schluss zieht die Truppe dann an alle Register ihres Könnens. Beim Sketch über das „Leverkusener Kreuz” geht es an die Schmerzgrenze, und dafür gibt es tosenden Beifall.